Provokanter Slogan, große Ambition: Was hinter „BAD1 – Berlin aufwärts die 1“ steckt

Die Kampagne „Berlin auf die 1“ löste eine Debatte um einen Wettstreit mit anderen Startup-Städten – insbesondere mit München – aus. Das sei aber nur ein Missverständnis, sagt WeFox-Gründer Julian Teicke. Darum geht es wirklich.

Berlin auf die Eins sei kein Wettstreit, sagt Julian Teicke im Gespräch mit Gründerszene.
Wefox

Berlin will wieder Startup-Hauptstadt sein: Wefox-Gründer Julian Teicke hatte im Februar zur Veranstaltung „BAD1 – Berlin auf die 1“ in seinen Delta Campus in Berlin-Neukölln geladen. Bei der Auftaktveranstaltung der gleichnamigen Kampagne waren neben Gründern und Investoren auch Berlins Bürgermeister Kai Wegner vor Ort.

Die Kampagne soll Berlin als Europas Top-Stadt für Entwickler positionieren – für Gründer, Ingenieure, Forscher, Investoren und Innovatoren – inklusive eigenem Merch. Laut eigener Aussage der Organisatoren soll sich Berlin hin zu echter AI- und Deeptech-Power entwickeln.

Worum es in der Kampagne wirklich geht

Der Slogan polarisiert, tritt in der Startup-Bubble (vor allem in den Kommentarspalten auf LinkedIn) eine Debatte los. Denn Startups werden ja nicht nur in Berlin gegründet.

Der Merch der Kampagne
BAD1

Vor allem München ist ein weiterer relevanter Player. Kurzerhand gründet jemand eine Art Gegenbewegung; „München auf die 1 (MAD1)“ – eine Linkedin-Gruppe (die bisher aber nur zwei Mitglieder zählt). Es scheint plötzlich um den Vergleich deutscher Startup-Hochburgen zu gehen: Wer macht’s am besten? Wer ist die wahre Startup-Hauptstadt? Aber ist das zielführend?

Es gibt ein großes Missverständnis.

Dabei gebe es eigentlich gar kein „Berlin gegen München“, wie es kurz darauf in einem Linkedin-Beitrag der Initiative BAD1 heißt. „Es gibt ein großes Missverständnis“, heißt es weiter. BAD1 wolle keinen Kampf zwischen Berlin und München anzetteln, die Kampagne solle vielmehr für Europa stehen, um das Startup-Ökosystem gegenüber den USA zu stärken.

Aber was will die Kampagne? Und warum wurde der Name der Kampagne so gewählt? Das hat Gründerszene Julian Teicke gefragt.

Im Gespräch mit Gründerszene betont er: Es gehe um die Positionierung Berlins als führender europäischer Technologie-Hub im globalen Wettbewerb mit den USA und China. 

Im Wettbewerb mit China und USA

„Amerika und China haben beide eine krasse Hub-Logistik. In China wird für jeden Bereich ein Hub gebaut in dem dann alle Ökosystem-Player inklusive des gesamten Kapitals konzentriert sind. Die Geschwindigkeit, die dadurch entsteht, ist einfach gigantisch,“ sagt Teicke.

„Ich glaube, dass wir uns in Europa entscheiden müssen für ein, zwei oder drei Hubs, auf die wir uns als Europa wirklich fokussieren.“ Teicke ist davon überzeugt, dass Berlin als so ein Hub taugt. Er sagt aber auch: „Wenn München der Hub wird, in dem wirklich alles zusammenfließt, dann ist es für mich als Europäer auch gut.“ Am Ende gehe es ihm darum, europäische Tech-Souveränität zu erreichen.

Es sollte schon ein bisschen edgy sein.

Julian Teicke

Dass der Claim „Berlin auf die 1“ polarisiert, sei gewollt. Er hält daran fest: „Wir wollten nichts total Weichgewaschenes als Slogan haben. Es sollte schon ein bisschen edgy sein.“ Die Aussage habe laut Teicke bewirkt, dass sich um BAD1 eine Dynamik bildet, Supporter dazukommen, neue Ideen entstehen. „Im gesamten Ökosystem werden letztendlich dadurch die Ärmel hochgekrempelt und das war es, was es gebraucht hat.“

Lest auch

Source: businessinsider.de