Medien auf der ganzen Welt schauen zwiespältig auf die gewaltsame Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA. So sei sein Sturz zwar eine Befreiung für die Venezolaner und ein großer Erfolg für Trump, schreibt die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag. Gleichzeitig sei der US-Angriff aber vor allem eins: eine fatale Botschaft an die Welt, dass internationales Recht nicht länger gelte, schreibt die Zeitung.
Auch die britische Sunday Times bewertet das Vorgehen der US-Regierung kritisch, betont jedoch Maduros Missstände: Er sei ein „Tyrann, ein korrupter Führer, der seine Bürger terrorisierte“. Maduro habe sein Land in immer tiefere Armut gestürzt. Selbst diejenigen, die die Art und Weise seiner Absetzung kritisierten, könnten sich damit trösten, dass er endlich für seine Verbrechen vor Gericht gestellt werde, kommentiert die britische Zeitung.
„Ein klarer Bruch des Völkerrechts“
Deutlichere Worte fand die britische Zeitung The Observer. Es sei ein deutliches Signal der US-Regierung, dass sie das Grundprinzip der Nachkriegsordnung aufgegeben habe, nach dem unabhängige, souveräne Nationen gemäß dem Völkerrecht gleiche Rechte genießen, unabhängig von Größe oder Reichtum. „Das Team Trump hat stattdessen klargemacht, dass Macht gleich Recht ist.“ Die Zeitung fügt hinzu, dadurch würden die USA wahrscheinlich mehr gefürchtet, aber weniger respektiert.
Auch das Handelsblatt bezeichnete die Militäroperation als „klaren Bruch des Völkerrechts“. Die Führungsmacht des freien Westens scherte sich nicht mehr um internationale Regeln wie die territoriale Integrität und staatliche Souveränität und versuche nicht einmal, diesen Rechtsbruch zu kaschieren, was einen weiteren Tabubruch darstelle. „Die Verrohung der Sitten in der Außenpolitik erreicht eine neue Dimension.“
Aufforderung zum Angriff
Das Handelsblatt sieht in dem US-Militäreinsatz nicht nur eine Botschaft an Venezuela, sondern auch potenzielle globale Auswirkungen auf die Strategien anderer autoritären Staaten. Die USA selbst, aber auch China und vor allem Russland, würden es sich in einer solchen Welt bequem machen, und ihre jeweilige Einflusssphären nach Belieben gestalten, schreibt die Zeitung. Die „Enthauptung der venezolanischen Regierung“ werde von Wladimir Putin als stillschweigende Zustimmung zu seinem Krieg in der Ukraine verstanden und von Xi Jinping als Aufforderung zum Angriff auf Taiwan interpretiert, heißt es im Observer.
Nach Ansicht der Sunday Times blicken andere autoritäre Regime, wie etwa der Iran, eher mit Sorge auf die Ereignisse des Wochenendes. Trump habe in den vergangenen Tagen erklärt, dass er den Demonstranten in Teheran zu Hilfe kommen werde, sollten die Behörden auf sie schießen.
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