Nach den Ukraine-Gesprächen in Berlin blicken internationale Zeitungen größtenteils vorsichtig auf die erzielten Ergebnisse.
Der Tages-Anzeiger aus der Schweiz schreibt, „zumindest einem Waffenstillstand könnte die Ukraine näher gekommen
sein“. Wegen möglicher Sicherheitsgarantien der USA für die Ukraine „soll man im Kanzleramt geradezu euphorisch gewesen sein“. Das Hauptproblem bleibe aber, was Russland zu all dem sage. Bisherige
Waffenstillstandsangebote hätte Wladimir Putin ausgeschlagen. „Warum sollte er
einlenken“, fragt die Zeitung und schlägt deshalb vor, den Druck auf
Moskau „massiv zu erhöhen“ beispielsweise mit dem Einfrieren russischer Vermögen in der EU. Der Zeitpunkt dafür sei günstig.
Die niederländische Zeitung De Telegraaf beleuchtet ebenfalls Russlands Haltung und stellt klar, dass Putin den gesamten Donbass beanspruche. Das sei eine Voraussetzung, um über einen möglichen Plan zu sprechen. Die Zeitung fragt zudem, ob die vorgeschlagene multinationale Truppe zum Schutz der Ukraine auch „in einer
möglichen Pufferzone in der Donbass-Region“ operieren könne. Zudem bezweifelt De Telegraaf, dass die EU sich wirklich darauf einigt, russische Vermögen einzufrieren und führt Italiens Unterstützung für Belgiens Veto-Haltung an.
La Repubblica aus Italien wertet die positive Haltung von US-Präsident Donald Trump zu den Gesprächen als Fortschritt. „Der transatlantische Austausch hat wieder einen Punkt erzielt“, notiert die Zeitung. Es sei ein Papier verhandelt worden, „das viele ukrainische und
europäische Forderungen erfüllt“, auch wenn die Frage der Territorien
weiterhin der große Knackpunkt bleibe. Wolodymyr Selenskyj habe solide
Sicherheitsgarantien bekommen, was La Repubblica mit Blick auf die Minsker Abkommen als Fortschritt wertet. Der damalige Vermittler Deutschland habe aus seinen Fehlern gelernt, heißt es dazu.
Medien aus den USA eher beobachtend
US-Medien bewerten die Gespräche sehr zurückhaltend. Die New York Times weist darauf hin, dass Russland nicht mit am Tisch gesessen habe. Deshalb gebe es allen Grund zur Vorsicht. CNN merkt an, dass die ausgehandelten US-Garantien nicht für immer auf dem Verhandlungstisch lägen.
Auch deutsche Medien kommentieren den Ausgang der Gespräche. Der Weserkurier wertet die Verhandlungen allein schon deshalb als Erfolg, weil sie überhaupt stattgefunden haben. „Friedrich Merz und Co. haben jetzt mehr als nur einen Fuß in
die Tür bekommen“, nachdem sie zuvor von den USA und Russland ignoriert worden seien.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung weist auf die destruktive Haltung Russlands hin. Dass alle Verhandlungsversuche bisher gescheitert sind, liege „an der Weigerung Putins, seinen Truppen den
Haltbefehl zu erteilen“. Das müsse man immer wieder in Erinnerung rufen.
Die Mediengruppe Bayern hebt die Rolle der USA hervor. Nur sie werde Putin zum Frieden bewegen können. „Europa muss, so brutal das
ist, endlich eine Idee entwickeln, was Putin bekommen kann, damit er Ja
sagt“, notiert die Zeitung. Nur dann werde Putin Sicherheitsgarantien für die Ukraine von
westlicher Seite akzeptieren.