Preise sinken in London: Im Nobelviertel werden Häuser günstiger

Die Preise auf dem britischen Immobilienmarkt steigen weiter, aber die Hauptstadt schwächelt zuletzt deutlich. Besonders in den teuersten Vierteln Londons sind die Immobilienwerte gesunken. Zum Jahresanfang fielen die Preise in der Themse-Metropole um 1,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Eine durchschnittliche Wohnung kostete im Januar 556.000 Pfund (umgerechnet 640.000 Euro), wie aus Daten des Statistikamts ONS hervorgeht. In den besseren Vierteln kosten eine Wohnung oder ein kleines Haus meist mehr als eine Million Pfund. Doch zuletzt sanken gerade dort die Preise.

Immobilienmakler verweisen darauf, dass der Londoner Immobilienmarkt so lange gestiegen sei, dass sich viele Interessenten einen Wohnungskauf dort nicht mehr leisten können und eher in Randbezirke der Neunmillionenstadt ausweichen müssen. In den teuersten Bezirken im Zentrum wie Westminster oder Kensington und Chelsea gab es laut ONS sogar Preisrückgänge von mehr als zehn Prozent.

Im restlichen Großbritannien hingegen werden Immobilien weiter teurer. Die Preise kletterten im März im Jahresvergleich um 2,2 Prozent, der durchschnittliche Wert stieg auf 277.000 Pfund, umgerechnet fast 320.000 Euro, wie die Bausparkasse Nationwide diese Woche mitteilte.

Der Mietmarkt schrumpft

Laut Richard Donnell vom führenden Immobilienportal Zoopla, das vergleichbar mit Immobilienscout24 oder Immowelt in Deutschland ist, spiegelt die Schwäche in London mehrere Faktoren wider. Der Mietmarkt schrumpfe, und Eigentümer von Zweitwohnungen wollten diese verkaufen, bevor das strengere Mieterschutzgesetz sowie höhere Gemeindesteuern (Council Tax) in Kraft treten. London wird aber auch von der derzeitigen wirtschaftlichen Schwäche des Vereinigten Königreichs stärker getroffen als andere Regionen.

Die Arbeitslosenquote in der Hauptstadt liegt mit 7,6 Prozent über dem Landesschnitt von 5,2 Prozent. Besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist gestiegen. Und das Einkommenswachstum der oberen Mittelschicht, aus der typischerweise viele Immobilienkäufer stammen, hat sich zuletzt stark verlangsamt. Auch die höheren Hypothekenzinsen schrecken einige potentielle Käufer ab.

Die gesunkenen Preise in den Nobelvierteln wiederum liegen auch am Wegzug von mehreren Tausend reichen Ausländern aus der britischen Hauptstadt. Der Rückgang der Spitzenpreise in der Londoner Innenstadt war zuletzt so deutlich, dass die Zeitung „The Times“ etwas dramatisch vom stärksten Einbruch des Immobilienmarktes seit dem Jahr der großen Finanzkrise 2008 sprach. Die Korrektur ist unleugbar.

Nach einer Umfrage des Immobiliengutachterverbands dürfte der Sinkflug in London in der nahen Zukunft noch etwas weitergehen. Ein Drittel der Befragten rechnet mit weiter fallenden Preisen, ergab die Umfrage des Berufsverbands Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS). Landesweit nehmen die Makler eine schwächere Nachfrage wahr, doch ist die Flaute in der Weltstadt London am deutlichsten ausgeprägt. Simon Rubinsohn, Chefvolkswirt des Verbands, sieht auch einen Zusammenhang mit dem Ende einer temporären Senkung der Grunderwerbsteuer. Die Aussichten auf steigende Inflation, möglicherweise steigende Zinsen und die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit wegen des Irankriegs belasten viele potentielle Käufer, die sich nun zurückhalten.

Für den Immobilienmarkt im Königreich insgesamt erwarten Analysten trotz allen Gegenwinds aber keinen Preisverfall. Die starken März-Daten von Nationwide haben sie darin bestärkt, dass der Markt robust sei. „Auch wenn die Preise wahrscheinlich nicht so stark steigen werden, wie wir das vor dem Krieg noch prognostiziert haben, nämlich um 3,5 Prozent, bezweifeln wir, dass ein deutlicher Rückgang der Nominalpreise zu erwarten ist“, sagte Ashley Webb von Capital Economics.

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