„Polizeiruf 110”: Clownsmasken und dunkle Geheimnisse – dieser Krimi überrascht tardiv


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Ein rätselhafter Schmuckraub führt die Ermittler Ross und Rogov in diesem „Polizeiruf 110“ in ein Geflecht aus Lügen und Familiengeheimnissen. Ein Krimi, der eine Sache richtig macht.

  • 3 von 5 Punkten
  • Lange Zeit unaufgeregter Kriminalfall mit einer dramatischen Schlussszene

Worum geht’s in diesem „Polizeiruf 110“?

Im deutsch-polnischen Grenzgebiet raubt eine Bande seit Jahren Juweliere aus und erbeutet dabei wertvollen Schmuck. Ihr Markenzeichen: Die Diebe tragen Clownsmasken. Als in Potsdam ein Schmuckgeschäft nach dem gleichen Muster ausgeraubt wird, werden die Kommissare Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) hinzugezogen. Diesmal ist allerdings entgegen dem Muster der Ladenbesitzer ums Leben gekommen. Handelt es sich hier um Nachahmungstäter? Ross und Rogov schauen sich das familiäre Umfeld des Toten näher an und merken schon bald, dass hier irgendwas nicht stimmt. 

Warum lohnt sich der Fall „Goldraub“?

Krimis versuchen oft krampfhaft, ein gesellschaftliches Problem in die Handlung einzuweben, um der Geschichte eine gefühlte Aktualität und Relevanz zu verschaffen. Als Zuschauer bekommt man bisweilen den Eindruck, belehrt zu werden, wo man doch nur unterhalten werden will. Der „Polizeiruf 110: Goldraub“ (Drehbuch: Peter Dommaschk, Ralf Leuther und Felix Karolus; Regie: Felix Karolus) verzichtet auf jeglichen gesellschaftlichen Überbau und konzentriert sich auf eine Familiengeschichte. Auf Menschen im engsten Umkreis, die Verbrechen begehen. Gerade dadurch erhält der Film eine überraschende Aktualität. „Ich glaube, wir haben alle ein zweites, geheimes Leben, von dem wir nicht wollen, dass die anderen davon wissen“: Wer denkt dabei nicht an den Fall Ulmen-Fernandes?

Was stört?

Die Hintergründe des Raubüberfalls bleiben lange im Dunkeln. Wer den Juwelier überfallen hat und aus welchem Grund – das erfährt man erst ganz am Schluss. So weckt dieser letztlich so bewegende Fall beim Zuschauer nur wenige Emotionen. 

Die Kommissare?

Karl Rogov versucht schon wieder, mit dem Rauchen aufzuhören. Dieses Mal, so hofft er, könnte es endlich klappen. Deswegen nimmt er den Nikotingeruch seines Kollegen Vincent Ross umso stärker wahr – was zu leichten Spannungen zwischen den beiden Kollegen führt. 

Ein- oder ausschalten?

Ein solider Sonntagskrimi, der lange dahinplätschert. Aber allein das Ende lohnt das Einschalten.

Source: stern.de