Polizeigewerkschaft fordert nachdem Raketenbeschuss Rechnung an den HSV

HSV-Fans schossen Leuchtraketen in Richtung von Werder-Spielern und gegnerischen Anhängern, im Gästeblock brannte eine Toilette – das Nordderby in Bremen endete mit einer 3:1-Niederlage und einem Eklat.

Audioplayer wird geladen

Nach den Vorfällen beim Bundesliga-Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (3:1) hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine stärkere Distanzierung von gewaltbereiten Fußball-Fans und eine Neuregelung bei der Begleichung zusätzlicher Polizeikosten nach solchen Hochsicherheitsspielen gefordert.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) müsse „eine gerechte und verbindliche Kostenverteilung auf alle beteiligten Vereine sicherstellen“, heißt es in einer Mitteilung der GdP. „Insbesondere bei Spielen wie dem Nordderby müsse auch der Gastverein angemessen beteiligt werden.“

Lesen Sie auch

Nach dem Spiel am Samstag hatten Anhänger des HSV mehrere Leuchtraketen Richtung Werder-Fans und Werder-Spieler auf der anderen Seite des Weserstadions geschossen. Auch der Bremer Trainer Daniel Thioune sprach hinterher von einer „großen Verletzungsgefahr“ in dieser Situation.

Die Polizei drängte daraufhin zur Verhinderung einer weiteren Eskalation in den Tribünenblock mit den Hamburger Fans – auch weil dort zuvor unter anderem eine Toilettenanlage in Brand gesetzt worden war, wie es in einer weiteren Polizeimitteilung heißt. Es sei an der Zeit, „dass sich die große Mehrheit der friedlichen Fans klar und unmissverständlich von den wenigen gewaltbereiten Personen distanziert“, schreibt die GdP.

Polizei zieht positive Einsatz-Bilanz

Polizei und Bundespolizei zogen insgesamt zwar eine positive Bilanz ihres Großeinsatzes bei diesem brisanten Nordduell. Auch die Abreise der vielen HSV-Anhänger verlief danach „weitestgehend störungsfrei“.

Bei diesem sogenannten Risikospiel war allerdings der Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte auch aus anderen Bundesländern nötig. Und nur in Bremen werden diese zusätzlichen Polizeikosten in sechsstelliger Höhe nach einem jahrelangen Rechtsstreit der Deutschen Fußball Liga in Rechnung gestellt.

HSV hadert mit vielen roten Karten

Sportlich gesehen gerät der HSV durch die Niederlage noch einmal voll in den Abstiegskampf – und das bei einer zuletzt negativen Tendenz. Der Frust bei HSV-Coach Merlin Polzin war jedenfalls groß. „Es ist eine Mischung aus Enttäuschung, Wut und Unzufriedenheit“, sagte er. Zwar beträgt der Vorsprung auf den FC St. Pauli auf dem Relegationsplatz 16 noch fünf Punkte, nach nur einem Sieg aus den vergangenen neun Spielen sind beim HSV aber die Sorgen groß.

Vor allem, weil die Hamburger die hektische und emotionsgeladene Partie im Weserstadion wieder einmal nicht mit elf Spielern beendeten. Dieses Mal sah der erst kurz zuvor eingewechselte Philip Otele wegen groben Foulspiels die Rote Karte. Es war bereits der achte Feldverweis für einen HSV-Profi in der laufenden Spielzeit. Damit haben die Hamburger nun mehr Platzverweise als Siege (sieben) zu Buche stehen. In Bremen wurde zudem am Ende noch Co-Trainer Loïc Favé auf die Tribüne geschickt.

Platzverweise als Problem

„Wenn du als Aufsteiger in der Liga bestehen willst, dann hilft es mehr, wenn du mit elf gegen elf antrittst oder vielleicht sogar einer mehr bist, als wenn du einer weniger bist“, sagte Polzin zu den vielen Roten und Gelb-Roten Karten. „Mit so vielen Roten Karten kannst du in der Bundesliga kein Spiel gewinnen“, sagte auch Nicolai Remberg.

Doch auch ohne Rot für Otele wäre es für den HSV schwer geworden, in Bremen zu gewinnen. Vor allem im zweiten Durchgang fanden die Gäste offensiv fast nicht mehr statt. „Insgesamt war es ein verdienter Sieg für Werder, uns haben die Torchancen gefehlt“, sagte Robert Glatzel, der mit seinem Traumtor zum 1:1 für zwischenzeitliche Hoffnung beim HSV gesorgt hatte.

Immerhin: Mittelfeldakteur Miro Muheim hat sich nicht schwerer verletzt – er war mit Knieschmerzen nach einem Foul von Leonardo Bittencourt ausgewechselt worden. Am Sonntag gab es nach Untersuchungen Entwarnung, es ist offenbar keine strukturelle Verletzung entstanden.

jlau

Source: welt.de

FansFußballHamburger SVLauterbach-JörnPolizeieinsätze (ks)Werder Bremen