Aus Sicht von US-Expertin Clüver Ashbrook hat US-Präsident Trump die Ausdauer des iranischen Regimes unterschätzt. Einen Rückzug der USA hält sie für unwahrscheinlich. Kritiker habe Trump systematisch stummgeschaltet.
Kurz vor dem Ablauf eines Ultimatums der USA an Iran ist eine Verhandlungslösung nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte mit der „Vernichtung der iranischen Zivilisation“ gedroht. Staatschefs aus aller Welt und sogar der Papst verurteilten die Rhetorik. Die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook hält eine Lösung in letzter Minute für nicht sehr wahrscheinlich.
„Also tatsächlich möchte er (Anm. d. Redaktion: gemeint ist Trump) natürlich das Regime zum Einknicken bringen“, sagte Clüver Ashbrook. Doch in den vergangenen Stunden habe es eine klare Absage an die Vermittler in Pakistan gegeben. „Es soll keine Waffenruhe geben, die iranische Theokratie möchte sich weiter durchsetzen und das zeugt noch mal vom größten Verständnisfehler des Präsidenten in diesem Krieg“, sagte die Expertin für Außenpolitik.
Zur Person
Cathryn Clüver Ashbrook ist Leiterin des Future of Diplomacy Projects an der Harvard Universität. Die Deutsch-Amerikanerin ist Expertin für Außenpolitik und arbeitet für die Bertelsmann-Stiftung.
„Hauptsache, ihre Machtkonstruktion wird erhalten“
Clüver Ashbrook argumentiert, dass Trump die Absichten und Funktionsweise des iranischen Regimes nicht nachvollziehen könne. „Er hat nicht verstanden, dass es dieser theokratischen, radikalen Führung um den Sohn von Chamenei darum geht, vor allen Dingen deren Führung durchzusetzen“, sagte sie. „Sie sind bereit, in Kauf zu nehmen, dass die iranische Bevölkerung leidet. Hauptsache, ihre Machtkonstruktion wird erhalten.“
Danach gefragt, ob die Drohungen Trumps gegen Iran ernst zu nehmen oder eher Ausdruck von Verzweiflung sind, sagte Clüver Ashbrook: Es zeige „dass sich die US Regierung komplett verspekuliert hat in dem, was die Theokratie im Iran aushalten kann, durchsetzen kann und die horizontale Eskalation, die dieses iranische Regime tatsächlich über die Region hat erstrecken können“.
Kritiker in Iran-Fragen „alle vor die Tür gesetzt“
Gleichzeitig sei Trump im Weißen Haus so gut wie nur noch von Ja-Sagern umgeben. Generäle und Iran-Kenner, die noch bis vor Kurzem im Nationalen Sicherheitsrat gesessen haben und einen Rückzug der USA aus Iran ins Spiel hätten bringen können, seien „alle vor die Tür gesetzt“ worden, sagte Clüver Ashbrook. Personen, die gegenläufige Meinungen zu der des Präsidenten vertreten und andere Militärstrategien bevorzugt hätten, seien systematisch stummgeschaltet worden.
Stattdessen sehe man einen US-Kriegsminister, der die Rettung des zweiten Piloten mit gotteskriegerischen Bildern vergleicht. „Hier wird sehr viel mit Ideologie gearbeitet“, sagte Clüver Ashbrook. Umgekehrt würden nur noch Loyalisten an den Präsidenten gelassen. „Das zeugt auch wieder davon, dass der autokratische Umbau in den USA viel schneller fortgeschritten ist, als wir es vielleicht bislang in dieser Klarheit haben sehen wollen.“
Source: tagesschau.de