Israel hat wachsende Schwierigkeiten, Raketenangriffe des Iran abzuwehren. Das könnte zum Problem für Premier Netanjahu werden. Hat er einen Plan, wie dieser Krieg enden soll?
Je länger der Krieg gegen den Iran dauert, desto schwieriger wird es offenbar für Israel, Raketenangriffe Teherans wirkungsvoll abzuwehren. Diese Entwicklung kann nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling die israelische Regierung im weiteren Kriegsverlauf in Bedrängnis bringen. „Wenn die Israelis zunehmend Probleme mit der Flugabwehr haben, dann kann das Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in einer Woche böse auf die Füße fallen“, so Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank „European Policy Center“, in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. „Es ist schon ein zweischneidiges Schwert, den Krieg weiterlaufen zu lassen, wenn damit die eigene Verteidigungsfähigkeit sinkt.“
Am Mittwochabend hatte der Iran zum Beginn des jüdischen Pessach-Fests eine der größten Raketensalven seit Wochen auf Israel abgefeuert. Allein bei einem Einschlag im Großraum Tel Aviv wurden 14 Menschen verletzt, unter ihnen Kinder. Auch im Iran steigt die Zahl der zivilen Opfer israelischer Luftangriffe.
Nach Ansicht des Politologen Mölling macht die wachsende Zerstörung der Infrastruktur die iranische Zivilbevölkerung noch mehr vom eigenen Regime abhängig als vor dem Krieg. „Sie machen die Menschen unfrei, durch das, was sie machen“, sagt Mölling. Ähnlich wie im Gazastreifen könne es sich auch im Iran als unmöglich erweisen, einen Regimewechsel zu erzwingen. „Möglicherweise haben auch die Israelis keinen Plan, wie sie den Krieg zu einem guten Ende bringen wollen.“
Bodeneinsatz im Iran? „Man kann es den US-Soldaten nicht wünschen“
Mit großer Skepsis blickt Mölling auf die wachsenden Anzeichen für einen bevorstehenden Einsatz von US-Bodentruppen im Iran. „Man kann es den amerikanischen Soldaten wirklich nicht wünschen, dass es zu einem Einsatzbefehl kommt“, sagt Mölling. Alle Szenarien, etwa zu einer Eroberung der iranischen Insel Kharg, hätten stets dasselbe Ergebnis gehabt: „Die Amerikaner konnten nicht gewinnen, oder nur unter großen Schwierigkeiten.“ Denn das iranische Regime habe sich über Jahrzehnte auf die Abwehr eines solchen Angriffs vorbereitet. „Ich wäre sehr überrascht, wenn die Amerikaner bei einer Landeoperation nicht selbst überrascht würden.“ Aktuell stehen 10.000 Soldaten unterschiedlicher US-Luftlande-Einheiten und 3500 Marines einsatzbereit am Persischen Golf.
Dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor dem Hintergrund des Irankriegs versucht, neue Allianzen mit den arabischen Golfstaaten zu schmieden, hält Sicherheitsexperte Mölling für einen klugen Schachzug. „Selenskyj schätzt Trump zurzeit als extrem schwach ein.“ Darum versuche er, Druck auf Trump aufzubauen. „Ein bisschen versucht das auch Friedrich Merz.“
Source: stern.de