Podcast „Die Lage – International“: Iran-Konfrontation: „Wahrscheinlich in Betracht kommen den USA nachher fünf Tagen die Ziele aus“


Zur Merkliste hinzufügen

Der US-Präsident brüstet sich mit seiner Armada in Nahost. In Wahrheit zeigt der Aufmarsch nahe dem Iran: Trumps militärische Möglichkeiten sind viel beschränkter, als er vorgibt.

Als Demonstration militärischer Stärke will US-Präsident Donald Trump die Entsendung Hunderter Kampfjets, zweier Flugzeugträger samt Geleitzügen und weiteren Kriegsgeräts in den Nahen Osten verstanden wissen. 

Tatsächlich aber ist der Aufmarsch des US-Militärs vor den Grenzen des Irans nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling eher ein Indiz für die eingeschränkten militärischen Optionen der Supermacht. „Die Amerikaner haben militärisch deutlich weniger Möglichkeiten, als die US-Politik vorgibt“, sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Thinktank European Policy Center in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. „Trumps militärischer Instrumentenkasten passt nicht zu seinen Ambitionen.“

Einen Krieg zwischen den USA und dem Iran hält Sicherheitsexperte Mölling kurzfristig zwar für wahrscheinlich, geht aber von nur wenigen Tagen mit aktiven Kampfhandlungen aus. „Wahrscheinlich gehen den Amerikanern nach vier oder fünf Tagen die Ziele aus“, so Mölling. 

„Die größte Armada der Welt wird nur einen kleinen Impact auf die Entwicklung im Nahen Osten haben.“ Für den Iran sei schon jetzt klar: „Das kann man überstehen.“ 

Die USA unter Trump stünden vor dem Widerspruch, den eigenen Geltungsdruck auf die westliche Hemisphäre beschränken zu wollen, gleichzeitig aber doch im Nahen Osten weiter militärisch eingreifen zu wollen.

Der Irankonflikt wird zum Testfall für die Nato

Für die europäischen Nato-Mitglieder wird die Irankrise nach Möllings Ansicht derweil zum Testfall. Wegen der angespannten Lage in Nahost haben die USA ihre Teilnahme – unter anderem mit modernen F-35-Kampjets – am Nato-Manöver „Cold Response 2026“ im März in Nordnorwegen kurzfristig abgesagt. „Das ist eine gute Situation, um zu testen, wie man ohne die Amerikaner zurechtkommt“, sagt Mölling. Europa müsse sich nicht nur militärisch, sondern auch politisch mit der Frage auseinandersetzen: „Was machen wir, wenn die Amerikaner uns nicht zu Hilfe kommen?“

Abseits von der Entwicklung in Nahost hält Mölling die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine für bedeutsam. Vor wenigen Tagen war es Kiew gelungen, mit Mittelstreckenraketen des Typs „Flamingo“ aus eigener Produktion, eine russische Raketenfabrik 1400 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt zu treffen. Die Ukrainer haben nach Möllings Analyse ihren Aktionsradius erheblich erweitert. Wenn es der Ukraine gelinge, die Produktionskapazitäten für solche eigenen ballistischen Raketen wie geplant auszubauen, „dann wird das für die Russen schon unangenehm“, so Mölling.

Source: stern.de