Platzt die Blase an jener Markt?: Nasdaq 100 am Scheideweg

Die tollen Tage sind vorbei. Fassnachtsredner haben Verse zum Besten gegeben. Alle bekamen ihr Fett ab. Auf dem „fränggischen Fasching“ in Veitshöchheim gab es derbe Sprüche zuhauf. Aber Respekt und Wertschätzung bleiben erhalten. In einer rauer gewordenen Welt möchte man meinen, dass dies unter halbwegs Gleichgesinnten der Leitgedanke wäre. Bitter, dass man anscheinend dort darauf pfeift, wo der Nasdaq 100 seine Heimat hat.

Sein Chart sieht zunächst eher unspektakulär aus. Der Aufwärtstrend ist zweifelsohne intakt. Allein bei 26.000 Punkten klemmt es seit Oktober ein wenig. Seiner Fortsetzung sollte in erster Näherung dennoch wenig im Weg stehen. Aber diese Lagebeurteilung fängt an, Risse zu bekommen, sobald man auf mittelfristige Indikatoren schaut: Sie befinden sich sehr klar im „Fällt“-Modus. Aber auch das ist für sich allein genommen zunächst nicht so schlimm. Der MACD signalisiert lediglich, dass die Luft erst einmal raus, der Aufwärtstrend aber etwa in sechs von zehn Fällen nur bedingt gefährdet ist.

Kritischer wird es, wenn man tiefer bohrt und sieht, was sich hinter oder besser unterhalb dieser schillernden Fassade zuträgt: Die Schwergewichte des Nasdaq 100 fangen an wegzubrechen. Sein Fundament wird morsch. Am besten sichtbar wird diese Entwicklung bei Microsoft: Nach dem Allzeithoch bei 555 Dollar zu Ende Juli des vergangenen Jahres haben die Pessimisten das Kommando übernommen und die Aktie auf Niveaus unter 400 Dollar gedrückt.

Kritische Kursverluste der Schwergewichte

Das ist spannend: ­Mi­crosoft verliert binnen sechs Monaten 30 Prozent, mehr als eine Billion Dollar seiner Marktkapitalisierung, und dennoch ist im Chart des Nasdaq 100 davon so gut wie nichts zu sehen. Man könnte nun meinen, dass andere Schwergewichte dies durch Kurssteigerungen aufgefangen haben. Aber das ist nicht der Fall.

Amazon etwa hat rund 20 Prozent verloren, Ähnliches gilt für Meta, der Kurs von Oracle hat sich gar mehr als halbiert. Selbst wenn sich Apple, Nvidia und Co. bislang besser gehalten haben, ist fast allen Werten aus dem Milliarden-Dollar-Klub gemein, dass sie seit einem halben Jahr keine nennenswerten Kurssteigerungen aufweisen, sondern ihre Kurse in der Mehrzahl nachgegeben haben.

Wenn der Nasdaq 100 sich dennoch bislang stabil zeigte, müssen diese Kursverluste durch Kursgewinne der verbleibenden Werte mit geringerer Marktkapitalisierung aufgefangen worden sein. ­Genau das ist aber ein Problem: Wenn die Platzhirsche ins Wanken geraten, ist das oft ein Krisensymptom. Der aktuelle „Fällt“-Modus des MACD bekommt deshalb ein höheres Gewicht als in früheren, vergleichbaren Phasen. Denn diese wurden meist von stabilen Kursen der Schwergewichte begleitet.

Wie wird es weitergehen? Auch jetzt sollte man besser nicht die wichtigste aller Regeln der technischen Analyse zur Seite schieben: Der Trend bleibt unser Freund. Solange es nicht überragende Gründe für sein Ende gibt, tut man gut daran, den Abgesang aufzuschieben. Aber angerichtet ist der Bärenbraten allemal. Dem Feuer fehlt nur noch ein wenig Temperatur. Die könnte sich schon mit Kursen unter 24.000 Punkten einstellen. Was momentan besonders unangenehm ist: Selbst neue Bestmarken über 26.000 Punkte würden wohl nur temporär für Entspannung sorgen.

Der Autor ist Geschäftsführer der Staud Research GmbH.

Source: faz.net