Plastikmüll: Europa verschenkt sein Recyclingpotential

Ein vielversprechendes Feld der europäischen Wirtschaft ist die Kreislaufwirtschaft. Das ist schwer sichtbar, weil diese so leicht lokalisierbar ist wie etwa die Solar- oder Windkraftenergie – um einige frühere Hoffnungsträger im Wandel zur Nachhaltigkeit zu benennen. Interessante Entwicklungen sind in der Konsumgüterbranche wie im Veranstaltungsmanagement zu beobachten, genauso in der metallverarbeitenden und in der Chemieindustrie.

Das Versprechen ist einfach zu verstehen: Wenn sich Materialien nach dem Nutzungsende eines Produkts wieder als Ausgangsstoff eines neuen gewinnen ließen, würde das die Abhängigkeit von verzweigten internationalen Lieferketten und zudem den Einsatz von Energie und anderen Ressourcen verringern. Aber wie jede einfache Logik hat auch diese mindestens einen Haken. Denn wenn es so vorteilhaft wäre, altes Material aufzubereiten, würde das längst gemacht werden. Die Rückgewinnung ist mit hohen Kosten und anderen Aufwänden verbunden.

Es gibt Unternehmen wie den Chemiekonzern Lyondell-Basell, der eine Anlage zum chemischen Recycling im Rheinland überwiegend aus eigenen Mitteln aufbaut. Doch für die Finanzierung anderer Vorhaben fehlt es an Geldgebern, die bereit sind, das technische Risiko zu tragen. Und wenn Investoren gefunden sind, heißt das noch lange nicht, dass auch eine Nachfrage nach den Materialien besteht, die oft leicht veränderte Eigenschaften haben oder etwas teurer sind als ihre Substitute.

Die Ampelregierung hatte einst eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie aufgestellt. Bislang ist immer noch nicht erkennbar, dass dieses vielversprechende Feld Priorität genießt. Und weil es so ein Querschnittsthema ist, muss an vielen Stellen angesetzt werden: bei maximaler Rechtssicherheit durch eine stringente Regulierung, bei optimalen Finanzierungsbedingungen, bei offener grenzüberschreitender Kooperation zwischen Staaten der Europäischen Union mit einheitlichen Regeln.

Der Glaube, Europa werde hier noch lange Vorteile gegenüber anderen Wirtschaftsräumen ausspielen können, ist unzutreffend. Auch China und die Vereinigten Staaten arbeiten mit unterschiedlichem Fokus an Lösungen. Denn das haben die geopolitischen Verschiebungen der vergangenen Jahre gezeigt: Rohstoffsicherheit ist ein relevantes Thema der nationalen Sicherheit.

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