Wie wichtig freie Schifffahrt ist, zeigt aktuell die Straße von Hormus. Auch im Indopazifik gibt es heikle Schifffahrtswege. Verteidigungsminister Pistorius war in der Region, um die Rolle Deutschlands zu stärken.
Um U-Boote, Drohnen und Weltraumtechnik ging es auf der Reise von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius durch den Indopazifik. Und um neue sicherheitspolitische Partnerschaften mit gleichgesinnten Ländern, betonte der Minister im Interview mit dem ARD-Studio Singapur.
Was im Indopazifik passiere, habe direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Europa. Der Verteidigungsminister machte aber auch klar: Es gehe nicht um eine Beistandspflicht, sollte es dort zu einem bewaffneten Konflikt kommen. Sondern darum, ein Zeichen von Abschreckung und Zusammenhalt an andere zu senden. Denn China tritt in der Region, durch die mehrere wichtige Schifffahrtswege führen, seit Jahren immer dominanter auf.
„Berlin ist kein großer Sicherheitsgarant“
Deutschlands zunehmendes Engagement werde im Indopazifik wertgeschätzt, so Karthik Nachiappan, Politikwissenschaftler an der Nationaluniversität von Singapur. Militärisch spiele Deutschland jedoch keine große Rolle. „Um es klar zu sagen: Berlin ist kein großer Sicherheitsgarant im indopazifischen Raum.“ Aber es übe großen Einfluss bei der Gestaltung von Regeln und Standards aus, sowie bei der Stärkung der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit der Region.
Das habe Vorteile für beide Seiten, die bei einer veränderten Sicherheitslage derzeit neue Partnerschaften suchten oder vertiefen wollen.
In Singapur etwa plant der Kieler U-Boot-Bauer TKMS ein Zentrum zu eröffnen, in dem deutsche U-Boote gewartet werden können. Der Standort ist für Deutschland geopolitisch höchst interessant, da er zentral im Indopazifik liegt – und außerhalb des NATO-Gebiets. Singapur hat mehrere deutsche U-Boote, die Besatzungen werden in Deutschland ausgebildet. Das Zentrum könnte auch von weiteren Partnerländern genutzt werden, die deutsche U-Boote besitzen.
Gemeinsames Frühwarnsystem im All
Deutschland und Australien wollen ihre militärische Zusammenarbeit weiter ausbauen. Pistorius und sein australischer Amtskollege Richard Marles unterzeichneten ein Truppenstatut, das die Stationierung von Soldaten im jeweils anderen Land vereinfacht. Zudem wollen sie ein Frühwarnsystem im Weltraum aufbauen. Dafür möchte Deutschland von Australien aus Überwachungssensorik in den Weltraum schicken.
„Da geht es um konkrete Technologie, um zu verhindern, dass wir blind werden im Weltraum“, so Pistorius. Russland und China seien mit einer hohen Zahl von Satelliten im Weltall unterwegs, die Amerikaner ebenfalls. Pistorius plant, in den nächsten fünf Jahren 35 Milliarden Euro in den Weltraum zu investieren.
Wir als Deutschland und Europa haben hier beachtlichen Nachholbedarf und müssen uns befreien von Abhängigkeiten, die heute bestehen und eigene Augen und Ohren im Weltall haben.
Stärkere Rüstungskooperation
Zudem sollen Rüstungskooperationen zwischen Deutschland und Australien vorangebracht werden, um sich unabhängiger von einzelnen Lieferanten zu machen. Dabei ging es unter anderem um eine moderne australische Laserwaffe, die Drohnen auf einer Distanz zwischen 50 Metern und drei Kilometern zerstören kann. Eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall, der in Australien militärische Fahrzeuge, Plattformen und Türme baut und wartet.
Boris Pistorius und der australische Verteidigungsminister Pat Conroy besuchten unter anderem den Rüstungskonzern Rheinmetall, der in Australien militärische Fahrzeuge, Plattformen und Türme baut.
Australien war die dritte und letzte Station der Reise des Verteidigungsministers. Zuvor war Pistorius in Japan und Singapur.
Mehr als nur externer Akteur
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Nachiappan ist Deutschland nicht mehr nur ein externer Akteur im indopazifischen Raum. Es könne sich nicht mehr von den Problemen der Region fernhalten und gleichzeitig von deren Vorteilen profitieren, vor allem in den Bereichen Handel, Investitionen und Technologie. Und für Pistorius ist klar: Verlässlichkeit werde in einer immer weniger verlässlich werdenden Welt immer wichtiger – gerade für diejenigen, die keine Supermächte sind.
Obwohl Deutschland und die Länder um den Indopazifik geografisch weit auseinander liegen, verbinden sie also derzeit ähnliche Sorgen – was sie enger zusammenrücken lässt.
Source: tagesschau.de