Vom gefeierten Wunderkind zum Buhmann: Luke Littler wird im eigenen Land ausgepfiffen und legt sich mit den Fans an. Dann liefert der Darts-Weltmeister eine historisch schlechte Leistung ab.
Die jüngste Kontroverse im Darts hat spürbare Folgen gezeigt. Weltmeister Luke Littler, 19, erlebte am zehnten Spieltag der Premier League ein Debakel. Der Engländer scheiterte bereits in der ersten Runde mit 4:6 an Stephen Bunting und stellte dabei einen persönlichen Negativrekord auf.
Mit einem Dreidarts-Average von lediglich 83,94 Punkten lieferte Littler die schwächste Leistung seiner bisherigen Profi-Karriere bei einem TV-Event ab. Das mag für manchen Profi ein zumindest noch akzeptabler Wert sein, für das Ausnahmetalent ist es aber extrem schwach.
Noch nie zuvor hatte Littler bei einem TV-Turnier schlechter abgeschnitten. Nur bei einem Players-Championship-Turnier im April 2025 hatte sein Schnitt einmal darunter gelegen. Diese sogenannten Floor-Turniere werden ohne Zuschauer ausgetragen und nicht im Fernsehen übertragen. Im Darts wird vor allem bei der Bewertung der Spieler zwischen diesen beiden Formaten unterschieden, da die Umstände völlig unterschiedlich sind. Es geht um die Frage: Wer kann es auch vor tausenden Live-Zuschauern und Millionen am Fernsehen?
Beim zweimaligen Weltmeister Littler ist die Frage längst beantwortet. Umso erstaunlicher war der Abend in Brighton, wo einmal mehr deutlich wurde, dass die Story vom gefeierten Wunderkind zunehmend umschlägt. Littler wird unbeliebter – wegen seiner Dominanz, vor allem aber auch wegen seines Benehmens. Schon beim Einlaufen war der Engländer von den rund 5000 Zuschauern im Brighton Centre ausgepfiffen worden – eine Reaktion, die er sonst vor allem aus Deutschland kannte, nachdem er in Interviews gesagt hatte, er spiele dort nicht gern. Nun passierte es ihm im Heimatland.
Littler jubelt über Fehler des Gegners
Diesmal dürfte der Hintergrund für den Unmut der vorherige Disput mit WM-Finalist Gian van Veen gewesen sein. Am neunten Spieltag hatten sich die beiden in Manchester ein hitziges Duell geliefert. Als van Veen ein Matchdart vergab, jubelte Littler hinter ihm mit geballter Faust – eine extrem unfaire Geste, die van Veen auch als solche benannte. Die beiden beharken sich seitdem in Interviews und über die Sozialen Medien.
Die Folgen bekam Littler nun in Brighton zu spüren. Er reagierte auf die Pfiffe und legte sich mit dem Publikum an. Provokativ hielt sich der 19-Jährige die Hand ans Ohr und richtete einige Worte an die Menge. In der Folge wurde nahezu jeder seiner Würfe von Pfiffen begleitet, insbesondere bei den entscheidenden Versuchen auf die Doppelfelder.
Der ebenfalls nicht brillierende Bunting hätte die Partie klarer für sich entscheiden können. Zwischenzeitlich war Littlers Average auf nur 75 Punkte gefallen, woraufhin er sogar seine Darts wechselte – ohne Wirkung.
Den Tagessieg sicherte sich später Jonny Clayton, der Waliser setzte sich in einem dramatischen Finale mit 6:5 gegen Michael van Gerwen durch. Trotz eines 2:5-Rückstands drehte Clayton die Partie, in der er vier Matchdarts seines Gegners überstand – es war bereits sein dritter Tagessieg. Er führt die Tabelle nun vor Littler an.
Source: welt.de