Pay Pal-Alternative: Bezahldienst Wero steigt in den E-Commerce ein

Der europäische Bezahldienst Wero ermöglichte bisher nur Direktüberweisungen von Nutzer zu Nutzer. Nun kann er auch in Online-Shops genutzt werden. 2026 soll der stationäre Handel folgen.

Seit Monaten wird darüber spekuliert, welche Händler den europäischen Bezahldienst im E-Commerce als erste nutzen. Nun stehen die Namen fest. Darunter befinden sich auch mehrere Modeanbieter.

European Payments Initiative (EPI) hat an diesem Montag in Frankfurt am Main angekündigt, dass ihr Bezahldienst Wero nun auch beim Online-Shopping genutzt werden kann. Wero bot nach dem Vorbild des US-Konkurrenten Pay Pal bislang nur direkte mobile Geldzahlungen von Mensch zu Mensch an. Künftig kann der Dienst auch beim Einkaufen im Netz genutzt werden – ähnlich wie Kreditkarten und die Payment-Dienste von Anbietern wie Apple, Google, Pay Pal und Klarna.

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Geringe Reichweite

Allerdings ist Wero bisher nur in fünf europäischen Märkten verfügbar: Frankreich, Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Belgien. Visa, Mastercard und Pay Pal dagegen in fast ganz Europa. Seit dem Start von Sofortüberweisungen zwischen Privatpersonen im vergangenen Jahr können die inzwischen mehr als 46 Millionen Wero-Nutzer in Europa, darunter 1,3 Millionen in Deutschland, die Lösung jetzt auch beim Online-Shopping einsetzen.

Hierzulande sind auf der Bankenseite die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken mit an Bord. In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere folgen: zunächst die Postbank und deren Muttergesellschaft Deutsche Bank, anschließend ING Deutschland und die Neo-Bank Revolut. Weitere Kreditinstitute will Epi zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Das ist Wero

Wero ist ein europaweiter Echtzeit-Zahlungsdienst, der Privatpersonen den schnellen und einfachen Austausch von Geld ermöglicht, direkt über ihre Banking-Apps, sofern diese von den folgenden Kreditinstituten betrieben werden: Postbank, die Sparkassen, die Hypovereinsbank, ING-Diba sowie die Banken Sparda, PSD, BB, GLS, Revolut und BW. Europaweit bieten 33 Banken Wero an. Der Echtzeit-Bezahldienst startete Mitte 2024 in Deutschland, Belgien und Frankreich. In diesem Jahr hat Wero laut Epi mit seinen 44,5 Millionen Nutzern ein Transaktionsvolumen in Höhe von 8 Mrd. Euro generiert.

Betreiberin von Wero ist die European Payments Initiative (Epi), die von 16 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern unterstützt wird. Nun expandiert Epi in den E-Commerce, Mitte 2026 soll der Stationärhandel folgen.

Diese Händler sind dabei

Auf der Händlerseite haben einige Online-Shop-Betreiber und Dienstleister angekündigt, Wero einzuführen. Der Tickethändler Eventim ist bereits gestartet. Andere stehen in den Startlöchern, darunter der Sportartikel-Filialist Decathlon, der Modeversender Baur, der Online-Shopping-Club Veepee, der Lebensmittel-Discounter Lidl, die Drogeriekette Rossmann, der Fotodienst Cewe, die Kinokette Cineplex, der Tierbedarfsanbieter Zooplus, der Baumarkt Hornbach, der E-Scooter-Anbieter Dott, Air Europa und der Feinkost-Händler Käfer.

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dm prüft noch

Der Rossmann-Rivale dm könnte schon bald folgen. Der Drogerist befindet sich nach eigenen Angaben in Bezug auf Wero in einer „Evaluierungsphase“. Das Unternehmen prüfe das Bezahlsystem anhand verschiedener Kriterien, darunter Marktrelevanz, Wirtschaftlichkeit sowie die Nutzerfreundlichkeit für die Kunden und Händler. „Auf Basis dieser Bewertung werden wir entscheiden, ob Wero unser bestehendes Portfolio von derzeit acht Online-Zahlarten ergänzen wird“, teilte dm-Sprecherin der TW im Oktober mit.

Im teilnehmerstärksten Panel des stationären Modehandels, dem TW Testclub, wollen 4% der Händler Wero in ihre Online-Payment-Portfolios aufnehmen. 14% kreuzten das Feld „vielleicht“ an. Der Rest sprach sich dagegen aus. Abgewunken haben auch der Offprice-Spezialist Best Secret und der Fast Fashion-Filialist H&M. Sie sprachen sich auf TW-Anfrage klar gegen Europas Antwort auf Pay Pal aus.

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Man kann wahrlich nicht behaupten, dass der Markt auf Wero gewartet hat. Die Konkurrenz ist groß und baut ihre Angebote stetig aus, vor allem der Marktführer Pay Pal. Die TW hat eine Übersicht der wichtigsten Payment-Anbieter erstellt.

Verkaufsargument Gebühren

Für Händler dürften die größten Vorteile von Wero in den Echtzeit-Überweisungen und den Gebühren bestehen, die dem Vernehmen nach deutlich niedriger ausfallen als bei Pay Pal, Amazon & Co: „Wenn wir es mit Kreditkarten oder sonstigen Zahlungsverkehrsanbietern vergleichen, dann sind die Werte bei Wero zwischen 80 und 75% günstiger“, sagte Vizepräsident Stefan Proßer der Nachrichtenagentur dpa zufolge im Oktober in München.

Epi-Chefin Weinert: Wir legen die Preise nicht fest

Epi-Chefin Martina Weimert macht zu den Gebühren nur vage Angaben: „Wir setzen nicht die endgültigen Händlergebühren fest“. Das liege in der Hand der Acquirer, welche für den Vertrieb der Lösung im Handel zuständig seien. „Aber wir bemühen uns sehr, kostenattraktiv zu liefern, damit wir eine Chance gegenüber allen amerikanischen Lösungen haben werden“, sagte die Payment-Managerin Mitte Oktober im Gespräch mit der TextilWirtschaft.Zahlungsdienste leben davon, dass viele Nutzer und Händler mitmachen. Je nachdem, wie viele Händler Wero akzeptieren, hängt der Erfolg stark davon ab. Die EPI tritt dabei gegen zahlreiche große und etablierte Marken an. Milliardenschwere Player wie Pay Pal, Visa und Mastercard verfügen über große Netzwerke und eine hohe Markenbekanntheit.

Außerdem soll der Vormarsch von Apple Pay und Google Pay gestoppt werden und der europäische Markt von US-Anbietern unabhängig gemacht werden. Diese könnten nach Expertenmeinung vom unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump jederzeit in Geiselhaft genommen werden, um dessen Forderungen durchzusetzen, zum Beispiel bei seinem Lieblingsthema, den Zöllen.

„Wenn es hart auf hart kommt, kann ihnen Wero das Geschäft retten“

Henning Brandt, Computop

Henning Brandt würde sich wünschen, dass die Händler diese Gefahr ernster nehmen als bisher. Der Grund: „Wenn es hart auf hart kommt, kann ihnen Wero das Geschäft retten“, sagte das Board-Mitglied des Payment Service Providers Computop im Oktober im Gespräch mit der TextilWirtschaft.

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Herausforderungen für Wero bleiben

Ein Vorbild für Wero ist die Smartphone-Bezahllösung Twint aus der Schweiz, die in der Alpenrepublik sehr populär ist. Ausgebremst wird Wero bislang durch die Tatsache, dass noch nicht alle Funktionen aktiv sind. Dazu gehört die Zahlung im Laden an der Kasse. Dies ist erst für die Jahre 2026 und 2027 geplant.

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„Wero ist gekommen, um zu bleiben“

Joachim Schmalzl, der Aufsichtsratsvorsitzende von EPI, räumte ein, dass Wero vor Herausforderungen stehe. Der Dienst habe aber auch schon viel erreicht. „Wero ist gekommen, um zu bleiben.“ Der Erfolg basiere auf gemeinsamen Zielen. In ganz Europa arbeiteten Banken, Zahlungsdienstleister und Händler zusammen, um etwas zu erreichen, was keine der Institutionen alleine bewältigen könne.

Die Einführung der E-Commerce-Lösung von Wero markiere einen „weiteren wichtigen Meilenstein: einen gemeinsamen Schritt hin zu einem souveränen europäischen Zahlungssystem“, sagte Schmalzl, der auch geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Sparkassenverband DSGV ist.

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