In Rom beginnen die Osterfeierlichkeiten – erstmals mit Leo XIV. als Papst. In seinem ersten Amtsjahr hat Leo leise, aber spürbare Akzente gesetzt.
Sonntagnachmittag in Torrevecchia, einem Vorort von Rom. Der Bischof von Rom hat sich angekündigt. An den Wochenenden vor Ostern besucht Papst Leo XIV. Kirchengemeinden in der Peripherie. Torrevecchia ist ein Viertel, in dem man vom Glanz der ewigen Stadt wenig sieht. Stattdessen Armut, Wohnungsnot und auch Kriminalität.
„Erkennen wir, dass auch in der Person neben uns – oder in dem Menschen, der leidet, der kein Obdach hat, der auf der Straße lebt, in dem kranken Menschen – dass auch in ihm Jesus gegenwärtig ist“, sagt Papst Leo XIV. bei seinem Besuch.
Die Gemeinde in Torrevecchia empfängt einen Papst, der viel Geduld mitbringt. Leo schüttelt jede Hand, die ihm entgegengestreckt wird, hat Zeit für ein kurzes Gespräch. Pfarrer Paolo Stacchiotti erlebt einen Papst, der die Nähe zu den Menschen sucht: „Das war sehr schön – auch weil er vielleicht manchmal etwas zurückhaltend wirkt. In Wirklichkeit ist er dann von einer geradezu entwaffnenden Herzlichkeit.“
Papst Leo XIV. begrüßt Gläubige bei einer Messe im römischen Vorort Torrevecchia.
Politik kennt Leo als Friedensbotschafter
Leo ist ein Papst der eher leisen Töne. Im Auftritt zurückhaltend, fast ein bisschen schüchtern. Weniger spontan als sein Vorgänger Franziskus. Doch auch er überrascht immer wieder. Zum Beispiel, wenn er nach seinem Ruhetag in der päpstlichen Residenz in Castelgandolfo die Fragen von Journalisten beantwortet.
So auch am Dienstag eine Frage nach den Kriegen in der Welt. „Ostern steht vor der Tür, und es sollte die heiligste Zeit des Jahres sein. Es ist eine Zeit des Friedens, der Besinnung“, sagte Leo da. „Doch wir sehen einmal mehr an vielen Orten der Welt so viel Leid und so viele Tote, sogar unschuldige Kinder. Wir rufen unaufhörlich zum Frieden auf, aber leider wollen viele Menschen Hass, Gewalt und Krieg schüren.“
Die Welt, die Politik kennen Papst Leo als Friedensbotschafter. In der Kirche versucht er den vorsichtigen Reformkurs seines Vorgängers Franziskus fortzusetzen, agiert aber deutlich diplomatischer. Er weckt keine großen Hoffnungen auf Reformen – zum Beispiel die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen.
Auftreten ändert sich, zentrale Botschaften bleiben gleich
Gleichzeitig schließt er auch nichts von vornherein aus, beobachtet Jeremias Schröder, Abt Primas der Benediktiner in Rom: „Da bleiben Türen offen. Da wird noch mal gesagt, ‚wir sind in einer Entwicklung, wir sind in der Geschichte‘, so wirkt das auf mich.“ Leo versuche allmählich, einige Dinge zu formulieren, und achte dabei darauf, offen für die Zukunft zu bleiben, so Schröder.
Im Stil und im Auftreten mag sich Papst Leo von seinem Vorgänger absetzen, manche Dinge anders machen. Doch in den zentralen Fragen setzt er das um, was Papst Franziskus von der Kirche stets gefordert hat – er geht an die Ränder. Wie bei seinem Besuch in römischen Vorortgemeinden – oder der nach Ostern geplanten Reise nach Afrika.
Source: tagesschau.de