Oscars 1973: Sancheen Littlefeather
Oscars 1973: Sancheen Littlefeather und Marlon Brando für Amerikas Ureinwohner
1973 war das Jahr, als Marlon Brando in „Der Pate“ ein furioses Comeback gefeiert hatte – die Auszeichnung mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller sollte eine reine Formsache sein. Eigentlich. Denn 1973 war auch das Jahr, als indigene Aktivisten für mehr Selbstbestimmung kämpften und mit Waffengewalt Wounded Knee besetzten – wo einst eines der brutalsten Massaker der US-Armee an Frauen, Kindern und alten Leuten durchgeführt wurde.
Als Brando wie zu erwarten den Oscar erhielt, erhob sich im Publikum Littlefeather, eine Aktivistin vom Volk der Apache, und schritt in traditioneller Kleidung zum Podium. Dort lehnte sie im Namen Brandos die Auszeichnung ab – und verlas stattdessen Auszüge aus seiner Erklärung. Darin legt er dar, dass es leider die Ehre nicht annehmen könne, solange an Wounded Knee gekämpft werde, die „Indianer“ in Hollywoodfilmen als Wilde dargestellt würden und sie ganz generell gesellschaftlich missachtet würden. Das Publikum reagiert mit Applaus, aber auch mit Buhrufen. Über das, was hinter den Kulissen wirklich passierte, wird bis heute gestritten. Littlefeather sagte, John Wayne sei derart ausgerastet, dass ihn sechs Sicherheitsleute festhalten mussten.
Wie auch immer: 2022, wenige Monate vor ihrem Tod, entschuldigte sich die Academy bei Littlefeather für die Behandlung bei den Oscars. Ihre und Brandos Aktion war die Mutter aller Oscar-Aktivisten.
Source: stern.de