„One Battle After Another“ ist welcher große, wenig überraschende Sieger des Abends

Wir, Marie-Luise Goldmann und Jan Küveler, geleiteten Sie durch die lange Nacht. Um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit hat die Veranstaltung im Dolby Theatre in Los Angeles begonnen. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ehrt dieses Jahr zum 98. Mal den besten Film, Schauspieler und Schauspielerinnen, das beste Drehbuch, die besten Kostüme und den ganzen Rest, den man braucht, um einen Film zu drehen. Neu dabei ist zum ersten Mal auch die Kategorie Casting.

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Alle Ereignisse rund um die Oscar-Verleihung im Liveticker:

03:41 Uhr – Bester Film

„One Battle After Another“ ist der große, wenig überraschende Sieger des Abends. Nicht nur gewinnt er sechs Oscars und hält damit den Rekord der diesjährigen Verleihung, sondern erhält auch den Oscar für den besten Film.

„Sinners“ hat vier, Frankenstein drei und „Hamnet“ und „Sentimental Value“ jeweils einen. „Marty Supreme“ ging ganz leer aus.

03:31 Uhr – Beste Hauptdarstellerin

In keiner Kategorie waren sich die Prognosen in den Branchen-Magazinen so einig wie hier: Daran, dass Jessie Buckley den Hauptdarstellerinnenpreis für ihre Rolle als trauernde Shakespeare-Muse im Historiendrama „Hamnet“ erhält, bestand kein Zweifel. Schließlich lieferte die 36-jährige Irin eine Darstellung, wie sie die Academy am liebsten belohnt: überwältigende Emotionen, offen ausgetragenes Leid, die ganze Palette oscarwürdiger Schmerzbewältigung.

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Die einzige Konkurrentin, die für einen Film mit ähnlich vielen Nominierungen im Rennen war, ist die Norwegerin Renate Reinsve, die im skandinavischen Familien-Arthouse „Sentimental Value“ zwar mindestens ebenso zerbrechlich an ihren egoistischen Künstlerverwandten leidet, aber dann für die Academy vielleicht doch zu subtil weinte. Leer gingen außerdem Emma Stone aus, die für ihre Rolle als Alien in „Bugonia“ sonst schon ihren dritten Oscar nach Hause getragen hätte, Rose Byrne, die den Goldjungen neben den bereits erhaltenen Berlinale-Bären für ihre Rolle als dauergestresste Mutter in „If I’d Legs I Would Kick You“ hätte stellen können, und Kate Hudson, die nach ihrer ersten Oscar-Nominierung vor 25 Jahren jetzt ihre erste Auszeichnung für ihre Rolle als schillernde Pop-Biopic-Heldin in „Song Sung Blue“ erhalten hätte.

03:19 Uhr – Bester Hauptdarsteller

Adrien Brody präsentiert den Oscar für den besten Hauptdarsteller – und nimmt sich dabei erst einmal selbst auf die Schippe, das heißt, seine nicht enden wollende Dankesrede aus dem vergangenen Jahr für „The Brutalist“. Er kündigt an, er habe noch etwas sehr Wichtiges zu sagen, während schon nach Sekunden die Musik einsetzt, die normalerweise das Ende einer Dankesrede signalisiert. Dann die Pointe: „And the nominees are …“

Nominiert sind Timothée Chalamet für „Marty Supreme“, Leonardo DiCaprio für „One Battle After Another“, Ethan Hawke für „Blue Moon“, Michael B. Jordan für „Sinners“ und Wagner Moura für „The Secret Agent“.

Es gewinnt – vielleicht eine kleine Überraschung – Michael B. Jordan für „Sinners“. Im Vorfeld hätte man eher Leonardo DiCaprio oder Timothée Chalamet vorne gesehen. Allerdings war diese Kategorie so stark besetzt, dass hier eigentlich jede der Performances preiswürdig gewesen wäre.

Jordan dankt schwarzen Vorgängern wie Sidney Poitier. Eine so zentrale Auszeichnung für einen schwarzen Schauspieler ist auch im Jahr 2026 immer noch ein Statement.

03:18 Uhr – Beste Regie

Mit der besten Regie erhält Paul T. Anderson seinen zweiten Oscar des Abends – und seines Lebens. „One Battle After Another“ liegt somit mit fünf Oscars im Vorsprung – gefolgt von je drei für „Sinners“ und „Frankenstein“. Jetzt steht dem politischen Action-Film mit der legendärsten Verfolgungsjagd aller Zeiten eigentlich nichts mehr im Weg zur allerhöchsten Auszeichnung, der für den besten Film.

03:08 Uhr – Bester internationaler Film

Javier Bardem kündigt den Oscar für den besten internationalen Film an – nicht ohne eine kurze politische Botschaft: „No to war“ und „Free Palestine“. Bardem hatte bereits bei der Berlinale zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs gehört, der Festival und Jury für ihre angeblich zu zurückhaltende Haltung zum Gaza-Krieg kritisierte.

Nominiert waren unter anderem „The Secret Agent“ mit Wagner Moura – ein Film, der hier ein sehr würdiger Sieger gewesen wäre – sowie „The Voice of Hind Rajab“, das in Venedig die Geister geschieden hatte. Der Film von Kaouther Ben Hania erzählt die Geschichte eines Mädchens, das in Gaza bei einem israelischen Angriff stirbt.

Am Ende gewinnt vergleichsweise unspektakulär „Sentimental Value“. Regisseur Joachim Trier zitiert in seiner Dankesrede den schwarzen amerikanischen Schriftsteller James Baldwin: Erwachsene seien für die Kinder verantwortlich, sagt er, und deshalb müsse man auch die Politiker entsprechend wählen. Eine etwas nebulöse politische Botschaft, zu vage, um riskant zu sein.

02:58 Uhr – K-Pop bei den Oscars

Auf der Bühne steht die Girlgroup Huntrix aus dem Animationsfilm „KPop Demon Hunters“. Die Band ist eigentlich fiktiv, wird für den Oscar-Auftritt aber von den Sängerinnen EJAE, Audrey Nuna und Rei Ami verkörpert, die den nominierten Song „Golden“ performen. Viel Glitzer, viel Energie – klingt am Ende aber so, als hätte Helene Fischer komponiert.

02:52 Uhr – Beste Kamera

Demi Moore kündigt – in einem etwas rätselhaften Black-Swan-artigen Kleid – den Oscar für die beste Kamera an. Nominiert waren Autumn Durald Arkapaw für „Sinners“, Michael Bauman für „One Battle After Another“, Darius Khondji für „Marty Supreme“, Dan Laustsen für „Frankenstein“ und Adolpho Veloso für „Train Dreams“.

Der Gewinner heißt Autumn Durald Arkapaw für „Sinners“. Zuvor hatte bereits „One Battle After Another“ den Oscar für den besten Schnitt bekommen – die beiden großen Favoriten des Abends bleiben also weiter im Kopf-an-Kopf-Rennen.

02:35 Uhr – Beste Filmmusik

Der Oscar für die beste Filmmusik geht an Ludwig Göransson für „Sinners“. Nominiert waren außerdem Jerskin Fendrix für „Bugonia“, Alexandre Desplat für „Frankenstein“, Max Richter für „Hamnet“ und Jonny Greenwood für „One Battle After Another“. Für Göransson ist es bereits der dritte Oscar. Zuvor gewann er für „Black Panther“ und „Oppenheimer“. Der Sieg ist, ehrlich gesagt, hochverdient. „Sinners“ ist ein fantastischer Film, der stark über seine Musik funktioniert – der Soundtrack trägt viele der besten Momente.

02:23 Uhr – Beste Kurzfilm-Doku

Auch der beste Dokumentar-Kurzfilm „All die leeren Zimmer“ von Joshua Seftel ist auf Netflix zu sehen. Er behandelt ein Thema, das abseits der großen Kriege politisch ist. Sieben Jahre lang dokumentierte der Journalist Steve Hartman die Schlafzimmer von vier Kindern, die bei Amokläufen an ihren Schulen erschossen wurden. Auch die Mutter der neunjährigen Jackie betritt die Bühne und mahnt: „Wir glauben, dass es ein anderes Amerika gäbe, wenn die Welt die leeren Schlafzimmer der Kinder sehen würde.“

02:22 Uhr – Bester Dokumentarfilm

Jimmy Kimmel präsentiert den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Gewonnen hat „Mr. Nobody Against Putin“ von David Borenstein und Pavel Talankin, der zeigt, wie russische Schulen zunehmend von staatlicher Kriegspropaganda durchdrungen werden. Die Regisseure sagen in ihrer Rede, sie hätten bei den Dreharbeiten vor allem gelernt, wie Länder Schritt für Schritt dem Autoritarismus verfallen – eine Bemerkung, die im Saal wohl als Anspielung auf das gegenwärtige Amerika verstanden wird.

Für einen Lacher sorgt zuvor Kimmel: Er macht sich mehrfach indirekt über Donald Trump lustig, ohne ihn beim Namen zu nennen. Vermutlich sei Trump sehr verärgert über diese Kategorie, sagt er, schließlich sei „Melania“ nicht einmal nominiert gewesen.

02:10 Uhr – Bemerkungen anlässlich einiger Kameraschwenks

Leonardo DiCaprio hat mit seinem Schnauzer schon vorgelegt – ein Look, der irgendwo zwischen Clark Gable und italienischem Nachtclubbesitzer pendelt und für ihn erstaunlich gut aufgeht. Bei Jacob Elordi dagegen sitzt ein Vokuhila auf dem Kopf, der aussieht, als hätte er sich im falschen Jahrzehnt verirrt. Ist das noch Sado-Maso? #WutheringHeights

01:59 Uhr – In Memoriam

Auch die Oscars kommen natürlich nicht ohne ihren Moment des Abschieds aus. Gedacht wird unter anderem Rob Reiner und seiner Frau Michelle sowie Diane Keaton, Robert Duvall und Val Kilmer. Besonders schön: Barbra Streisand erinnert an ihren alten Filmpartner Robert Redford und singt „The Way We Were“ – nicht ganz tonrein, aber dafür umso rührender.

01:39 Uhr – Bestes Originaldrehbuch

Der Oscar für das beste Originaldrehbuch geht an „Sinners“ von Ryan Coogler. Nominiert waren außerdem „Blue Moon“ (Robert Kaplow), „It Was Just an Accident“ (Jafar Panahi, Nader Saïvar, Shadmehr Rastin, Mehdi Mahmoudian), „Marty Supreme“ (Ronald Bronstein und Josh Safdie) sowie „Sentimental Value“ (Eskil Vogt und Joachim Trier). Eine außergewöhnlich starke Kategorie, in der praktisch jeder der Filme als würdiger Sieger hätte gelten können.

Mit „One Battle After Another“, das zuvor bereits den Oscar für das adaptierte Drehbuch gewann, und Sean Penns Auszeichnung als bester Nebendarsteller, zeigen sich damit die beiden großen Favoriten des Abends früh in den wichtigen Kategorien.

„Sinners“ ist übrigens in der Konkurrenz zugleich der mit Abstand erfolgreichste Film an der Kinokasse: Er spielte weltweit rund 370 Millionen Dollar ein, davon etwa 280 Millionen in Nordamerika, bei einem Budget von etwa 90 bis 100 Millionen. Damit ist er der fünfterfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten – und zugleich der erfolgreichste Originalfilm der 2020er-Jahre, also ein Hit ganz ohne Franchise, Sequel oder bekannte Vorlage.

01:35 Uhr – Bestes adaptiertes Drehbuch

In der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ konkurrieren die Verschwörungs-Alien-Satire „Bugonia“, das barocke Monster-Sci-Fi-Melodram „Frankenstein“, das kitschige Historien-Liebesdrama „Hamnet“, der paranoide Action-Spaß „One Battle After Another“ und das melancholische Amerika-Epos „Train Dreams“.

Filmlegende Paul Thomas Anderson, der sich für „One Battle After Another“ von Thomas Pinchons Roman „Vineland“ von 1990 inspirieren ließ, nimmt hiermit seinen allerersten Oscar entgegen. Ein Moment, der in die Filmgeschichte eingeht. „Ich fühle mich unglaublich geehrt, diesen historischen Moment zu erleben“, sagt Anderson in seiner Dankesrede.

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01:25 Uhr – Bester Nebendarsteller

Kieran Culkin stellt die Nominierten vor: Benicio del Toro für „One Battle After Another“, Jacob Elordi für „Frankenstein“, Delroy Lindo für „Sinners“, Sean Penn für „One Battle After Another“ und Stellan Skarsgård für „Sentimental Value“. Penns Rolle als Colonel Steven J. Lockjaw gehört zu den seltsamsten und zugleich furchteinflößendsten Auftritten des vergangenen Jahres – inklusive einer Frisur, die fast ein eigener Nebendarsteller ist, eine Art Hitlerbärtchen auf dem Kopf.

Der Oscar geht tatsächlich an Sean Penn für „One Battle After Another“. Und wie schon bei mehreren Stationen dieser Preissaison ist Penn auch heute nicht im Saal. Was hat der Mann bloß? Es ist übrigens sein dritter Oscar nach seinen Hauptdarsteller-Auszeichnungen für „Mystic River“ und „Milk“. Den Preis nahm stellvertretend Kieran Culkin entgegen.

01:19 Uhr – Bester Live-Action-Kurzfilm

Wer keine Lust hat, dreistündige Filme im Kino durchzustehen, hat jetzt die Chance, die Gewinner der besten Live-Action-Kurzfilme, nämlich „The Singers“ und „Two People Exchanging Saliva“ bequem von der Couch aus anzusehen.

„The Singers“ (18 Minuten) läuft auf Netflix, „Two People Exchanging Saliva“ (36 Minuten) ist auf YouTube zu sehen.

01:06 Uhr – Zum ersten Mal verliehen: Bester Casting-Oscar

Seit 25 Jahren wird zum ersten Mal eine neue Kategorie ausgezeichnet: Der Oscar für das beste Casting würdigt eine weibliche Kunstform in einer männlich dominierten Branche. Vier der fünf Nominierten sind Frauen. In Zeiten von KI-generierter Schönheit sowie Botox und Fitness geschuldeter ästhetischer Gleichförmigkeit wird außerdem die Fähigkeit, ein Ensemble aus Charaktergesichtern mit Wiedererkennungswert zusammenzustellen, immer wichtiger.

Die erste Casting-Gewinnerin aller Zeiten wird gleich von fünf Schauspielern gemeinsam geehrt – eine Verbeugung vor der Ensembleleistung, für die Caster zuständig sind. Cassandra Kulukundis nimmt die Trophäe für „One Battle After Another“ entgegen. Die amerikanische Casting-Direktorin ist für die Schauspielerauswahl der meisten P.-T.-Anderson-Filme verantwortlich.

Auch eine weitere Kategorien-Neuerung wird schon lange diskutiert. 2028 soll zum ersten Mal ein Oscar an das beste Stunt-Design verliehen werden.

00:53 Uhr – Die Timothée-Chalamet-Po-Trommel

Moderator Conan O’Brien erwähnt eine nicht zu vergessende Musik-Performance: die Timothée-Chalamet-Po-Trommel. Dabei schlagen zwei Tischtennisschläger rhythmisch auf einen künstlichen Po ein – eine Hommage an die Szene in „Marty Supreme“, in der Chalamet als Marty seine Tischtenniskarriere in Schwung bringt, indem er sich von seinem Geldgeber den Hintern versohlen lässt. Davon, was man für den Erfolg alles hinnehmen muss an Demütigungen, handelt dieser Film nämlich ebenso sehr wie von den Demütigungen, die man dabei anderen zumuten muss. Die Filmkritik schoss sich schnell auf Letzteres ein – Marty sei zu unsympathisch –, womit sie der Komplexität des Charakters aber unrecht tat.

00:52 Uhr – Bestes Kostümdesign

Der Oscar für das beste Kostümdesign geht an „Frankenstein“. Für den größten Lacher sorgt allerdings Conan O’Brien schon bei der Einführung der Kategorie: Er habe, sagt der Moderator, zu verschiedenen Zeiten seines Lebens exakt die Frisuren der beiden Präsentatorinnen getragen – Anna Wintour und Anne Hathaway.

00:46 Uhr – Sinners auf der Bühne

Spektakulär: Die Crew von „Sinners“ rekreiert auf der Oscar-Bühne das grandiose Blues-Konzert aus dem Film. In dem Juke Joint der von Michael B. Jordan gespielten Brüder treffen Figuren aus mehreren Jahrhunderten Musikgeschichte aufeinander – mit Ballerinas, DJs, Schamaninnen und E-Gitarristen. Ein erster echter Höhepunkt der Show.

00:41 Uhr – Kampf ums Genre

Ausnahmsweise ist der Kampf um die meisten Trophäen des Abends dieses Jahr auch ein Kampf ums Genre. In kaum einem Jahr zuvor wurden solch unterschiedliche Genres nominiert wie in diesem: Historien-Romanze („Hamnet“), Familiendrama („Sentimental Value“), Horror („Sinners“, „Weapons“), Sportlerbiografie („Marty Supreme“, „F1“) und Action („One Battle After Another“).

Bis jetzt steht es 1:0 für den Horror. Allein die 16 Nominierungen für den Vampir-Slasher „Sinners“ sind jetzt schon eine Sensation – und eine Anerkennung eines bislang von den Oscars eher stiefmütterlich behandelten Genres. Selbst Jordan Peeles großartiger Horrorfilm über Rassismus „Get Out“ gewann 2018 lediglich in der Kategorie bestes Originaldrehbuch (bei vier Nominierungen).

00:30 Uhr – Lob für die Geduld der Partner

Der wohl schönste Moment einer Dankesrede bisher kommt von einem der beiden Gewinner des Animations-Kurzfilms „The Girl Who Cried Pearls“. Es brauche viel Geduld, sagt er, fünf Jahre damit zu verbringen, einen Puppenfilm zu drehen. Die eigentliche Auszeichnung aber gebühre den Menschen, die die Geduld aufbringen, mit jemandem zusammenzuleben, der fünf Jahre lang einen Puppenfilm macht.

00:27 Uhr – Bester Animationsfilm

Der nächste Oscar geht an „K-Pop Demon Hunters“. Der Film setzt sich gegen „Elio“, „Zootopia 2“, „Demon Slayer: Infinity Castle“ und „Little Amélie or the Character of Rain“ durch. Ein früher Sieg für eine wilde Mischung aus Pop, Anime-Action und Dämonenjagd.

00:25 Uhr – Beste Nebendarstellerin

Nicht ganz so offensichtlich wie die Wahl der besten Hauptdarstellerin war die der besten Nebendarstellerin. Zoë Saldaña, die 2025 für ihre Rolle im Mafia-Trans-Musical „Emilia Perez“ ausgezeichnet wurde, überreicht die Trophäe an Amy Madigan. Damit würdigt die Academy einen sonst ohne Nominierungen auskommenden Ausnahmefilm, nämlich den grandiosen Cozy-Horror „Weapons“ über das mysteriöse Verschwinden einer ganzen Schulklasse.

Madigan spielt die böse Hexe, die die Schüler entführt und ihnen wochenlange Albträume beschert. Mit zitternden Knien und sichtlich überwältigt betritt sie die Bühne und dankt lachend Familie und Hunden.

Dass Teyana Taylor leer ausging, mag an der Kritik liegen, mit der ihre Rolle in „One Battle After Another“ in den vergangenen Tagen bedacht wurde: sie reproduziere das Klischee der übersexualisierten schwarzen Frau, die vor allem dazu diene, die Entwicklung der männlichen Charaktere voranzutreiben.

Und vielleicht auch ein frühes Omen: Die beiden meistnominierten, „Sinners“ und „One Battle After Another“ guckten beim ersten Versuch schon mal in die Röhre.

00:15 Uhr – Erster Seitenhieb des Abends

Der Moderator begrüßt zunächst die Zuschauer in Spanien und Argentinien auf Spanisch – und fügt dann trocken hinzu: natürlich auch die in Los Angeles, ebenfalls auf Spanisch. Ein kleiner, kaum verkleideter Seitenhieb auf die amerikanische Einwanderungsdebatte, der im Saal hörbar zündet.

00:13 Uhr – Witze über schlichte Hollywood-Logik

Conan O’Brien arbeitet sich durch die Nominiertenfilme des Abends. Über „F1“ mit Brad Pitt sagt er trocken, es sei die Geschichte eines Rennfahrers, der endlich gewinnt, nachdem er sich entschließt, einfach schneller zu fahren. Ein Witz über die schlichte Dramaturgie mancher Blockbuster – und einer der ersten Lacher des Abends.

00:08 Uhr – Der letzte menschliche Oscar-Moderator

Los geht’s – und zwar gleich mit einer ziemlich absurden Einlage. Conan O’Brien taucht in weißer Schminke und Frauenkleid auf und hetzt durch eine rasche Montage der großen Favoritenfilme des Abends. Hinter ihm her eine Bande Kinder, die ihn quer durch verschiedene Filmwelten jagt. Ein Auftakt, der klarmacht: Diese Oscar-Nacht nimmt sich zumindest in den ersten Minuten nicht allzu ernst.

Auf der Bühne, inzwischen wieder ohne Make-up, legt Conan O’Brien gleich nach: Er sei, sagt er, wohl der letzte menschliche Moderator der Oscars. Ein kleiner Seitenhieb auf die KI-Debatten, die derzeit auch in Hollywood überall mitschwingen.

00:05 Uhr – Deutsche Nominierte

Auf dem Roten Teppich erzählt Jimmy Kimmel dem die Stars mit Fragen löchernden deutschen Moderator Steven Gätjen, dass er Deutscher sei, das höre man ja schon an seinem Namen: „Kimmel“, was von „Kümmel“ komme. Sieht man von dem amerikanischen Moderator mit deutschen Wurzeln einmal ab, ist Deutschland in diesem Oscar-Jahrgang weniger stark vertreten als in den Vorjahren, als „Das Lehrerzimmer“ und „Die Saat des Heiligen Feigenbaums“ als beste fremdsprachige Filme ins Rennen gingen und Sandra Hüller als beste Schauspielerin nominiert wurde.

Das poetische deutsche Familienepos „In die Sonne schauen“ schaffte es dieses Jahr nicht auf die Shortlist. Dafür ist aber der aus dem Schwarzwald stammende Michael Ralla für die besten Spezialeffekte für den Vampir-Horrorfilm „Sinners“ nominiert. Und das neunmal nominierte norwegische Familiendrama „Sentimental Value“ ist immerhin eine deutsche Koproduktion, an der Jonas Dornbach und Janine Jackowski von Komplizen Film mitwirkten.

00:02 Uhr – Wie viel Haltung zeigt Hollywood?

Die Berlinale und ihre politischen Kontroversen sind noch nicht lange her. Auch in Los Angeles wird deshalb mit Spannung beobachtet, ob es bei den Oscars zu Protesten oder deutlichen Stellungnahmen zum Gaza-Krieg kommen könnte. Der Chef der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, Bill Kramer, hat die Nominierten und Gewinner kürzlich vorsorglich um „respektvolle“ Auftritte auf der Bühne gebeten. Mal sehen, was das im Ernstfall bedeutet.

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Schon im vergangenen Jahr war Beobachtern aufgefallen, wie zurückhaltend die politischen Töne bei der Oscar-Gala waren – selbst gegenüber Donald Trump, der damals gerade ins Weiße Haus zurückgekehrt war. Conan O’Brien ist generell eher der familienfreundlich-handzahme Typ, und insofern ist seine abermalige Verpflichtung sicher kein Zufall. Aber auch andere Preisverleihungen der Saison, von den Golden Globes bis zu den Actor Awards, blieben weitgehend frei von offenen politischen Statements. Manche führen das auf eine gewisse Vorsicht der Studios zurück, andere auf den wachsenden Spott über politisierende Prominente – Ricky Gervais, I’m looking at you.

Der deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann hat daraus gerade eine größere These gemacht und in der „New York Times“ veröffentlicht: Gerade weil Schauspieler und Regisseure weltweit bekannte Figuren sind, hätten ihre Worte Gewicht – auch in Ländern, in denen politische Rede längst eingeschränkt ist. Wenn sie aus Angst vor Gegenreaktionen schweigen, so sein Argument, senden sie damit ebenfalls ein Signal. Die eigentliche Frage dieser Oscar-Nacht lautet also nicht nur, wer gewinnt – sondern auch, wer etwas zu sagen hat.

Sonntag, 15. März

23:50 Uhr – Die neue „Gesehen-haben“-Pflicht

Eine neue Academy-Regelung verlangt, dass Mitglieder vor ihrer Stimmabgabe in einer Kategorie versichern, alle nominierten Filme gesehen zu haben. Obwohl dies weitgehend auf Vertrauensbasis funktioniert, wurden technische Ergänzungen am Stimmzettel eingeführt, die den Prozess für manche Mitglieder kompliziert haben. Das hat die Vorhersagen erschwert: Wenn ein Film wie „Train Dreams“ – kleines Epos, kaum im Massenmarkt – nun tatsächlich von jedem gesehen werden muss, bevor jemand abstimmt, verändert sich die Dynamik. Wie genau die Hausaufgaben allerdings überprüft werden, weiß keiner so genau.

22:40 Uhr – Die Oscar-Nominierungen im Überblick – und erste Prognosen

Die Spannung ist groß: Wen zeichnet die Academy dieses Jahr aus? Den unumstrittenen Publikumsliebling? Oder doch den Film, der die Gemüter spaltet? Zum ersten Mal seit 25 Jahren wird eine brandneue Oscar-Kategorie eingeführt: Erstmals gibt es den Oscar für das beste Casting – die erste neue Wettbewerbskategorie seit Best Animated Feature im Jahr 2001.

Vier der fünf Nominierten haben in einem Panel kürzlich offen darüber gesprochen, wie lange ihre Arbeit übersehen worden sei. Cassandra Kulukundis, nominiert für „One Battle After Another“, sagte, die Leute verstünden einfach nicht, was Casting Directors täten. Vielleicht wird dieses Rätsel ja heute Nacht gelüftet. Hier übrigens die Nominierten (und ihre Chancen) im Schnelldurchlauf:

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Source: welt.de

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