Offener Brief welcher Deutschen Filmakademie: Filmschaffende verteidigen die Berlinale


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Die Filmakademie warnt in einem offenen Brief vor politischer Einflussnahme auf die Berlinale. Prominente haben unterzeichnet.

Die Deutsche Filmakademie hat sich mit einem offenen Brief in die Debatte um die Zukunft der Berlinale eingeschaltet. In dem am Mittwoch veröffentlichten Statement positionieren sich die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner klar gegen politische Einflussnahme auf das renommierte Filmfestival – und für die Autonomie kultureller Institutionen. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Schauspielerin Iris Berben, Regisseur Wim Wenders, Jurypräsident der diesjährigen Berlinale, Filmemacherin Margarethe von Trotta und Regisseur Volker Schlöndorff, aber auch Bestseller-Autor Daniel Kehlmann und der diesjährige Gewinner des Goldenen Bären, İlker Çatak.

Anlass des Schreibens ist die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB), die für Donnerstag angesetzt ist. Medienberichten zufolge könnte es dabei um die mögliche Ablösung von Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle gehen. Weimer bestätigte dies nicht.

„Gefährliches Signal“ für die Kunstfreiheit

Hintergrund der Krise ist eine Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der diesjährigen Berlinale-Preisverleihung. Er hatte der Bundesregierung in seiner Dankesrede vorgeworfen, „Partner des Völkermords in Gaza zu sein“, und hinzugefügt: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“ Zahlreiche Politikerinnen und Politiker verurteilten die Äußerungen scharf. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ nach dem Statement den Saal, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der israelische Botschafter Ron Prosor bezeichneten die Aussagen als inakzeptabel.

Die Filmakademie sieht in den aktuellen Entwicklungen eine grundsätzliche Bedrohung. Man sei „erschrocken über die Verletzung dieses Raumes und den Versuch der politischen Einflussnahme in Bezug auf die Leitung eines der bekanntesten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt“, heißt es in dem Schreiben. Der Versuch der Einmischung sei „ein gefährliches Signal, das weit über das Festival hinausreicht“.

Die Berlinale als Ort der Vielstimmigkeit

Das Statement betont, die Berlinale habe schon immer als das politischste der großen A-Festivals gegolten. Genau das sei der Kern eines unabhängigen Filmfestivals: „künstlerische Ausdrucksformen zu präsentieren, Debatten zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen“. Kunstfreiheit bedeute nicht Zustimmung zu einzelnen Positionen, „sondern die Verteidigung des Rechts, sie zu äußern“. Politische Einflussnahme auf die inhaltliche Gestaltung würde „fundamentale Prinzipien gefährden, für die die Berlinale seit Jahrzehnten steht“, warnt die Filmakademie.

Neben den prominenten Einzelpersonen schlossen sich dem Statement auch mehrere Branchenverbände an, darunter die AG DOK, der Bundesverband Regie, der Deutsche Drehbuchverband, der Verband der Filmfestivals in Deutschland, der Kinoverband HDF sowie der Produzentenverband PROG.

Pressekonferenz der Berliner Festspiele abgesagt

Das Timing des offenen Briefes fällt in eine Phase zunehmender Nervosität rund um die Berlinale. Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass eine für Donnerstag angesetzte Jahrespressekonferenz der Berliner Festspiele kurzfristig abgesagt wurde. Das Beauftragtenamt für Kultur und Medien (BKM) bestätigte lediglich die außerordentliche Sitzung und erklärte: „Es soll eine Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale geben. Zu weiteren Spekulationen äußern wir uns nicht.“

SpotOnNews

Source: stern.de