Seit Monaten unterbindet US-Präsident Trump Öllieferungen nach Kuba. Die Folgen für die Bevölkerung sind drastisch: Es es gibt kaum noch Energie für die Versorgung mit Strom, Lebensmitteln, zum Kochen und Heizen.
Ein klein wenig Aufatmen vor zwei Wochen: Zwei große Marineschiffe aus Mexiko erreichen den Hafen von Havanna. Sie entladen 1.200 Tonnen Grundnahrungsmittel, vor allem Milchpulver und Bohnen.
„Wir sind froh über die humanitäre Hilfe“, sagt der kubanische Schmied Fernando Morales Fajardo der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist die Solidarität zwischen den Völkern und sehr wichtig angesichts der Wirtschaftskrise, die weltweit herrscht. Diese Hilfe ist dringend notwendig.“
„Situation wird von Tag zu Tag schwieriger“
Es ist die einzige Hilfe, die Kuba bekommt. Öl darf Mexiko nicht liefern, wie anderen Staaten droht die US-Regierung mit zusätzlichen Zöllen, sollte ihre Blockade missachtet werden. Ohne Öl geht nichts: Das öffentliche Leben ist nahezu zusammengebrochen, beschreibt Bert Hoffmann, Politologe und Kuba-Experte am GIGA-Institut in Berlin.
Die Situation wird von Tag zu Tag schwieriger, weil die Vorräte, die das Land hat, zur Neige gehen. Viele Betriebe sind im Stillstand, die Leute müssen da nicht mehr zur Arbeit kommen, die Uni ist quasi außer Dienst. Und die Leute werden immer unruhiger, wo das dann hinführen mag. Der Leidensdruck ist erheblich.
In den Straßen Havannas und anderen Landesteilen türmen sich hohe Müllberge, der Müllabfuhr fehlt der Treibstoff. Die Regale bleiben leer, der Verkehr läuft ohne notwendiges Benzin eingeschränkt. Ständig sind Millionen Menschen in Kuba ohne Strom.
„In meinem Haus fällt jede Nacht der Strom aus“, beschreibt die Kubanerin Sofia Marron gegenüber Reuters. „Ich weiß nie, ob und wann ich mein Handy wieder aufladen kann. Ich weiß auch nicht, ob es lohnt, zur Arbeit zu gehen, ob man was verkaufen wird. Nie weiß man, was man wann erledigen kann, man kommt und geht im Dunkeln.“
Schulen bleiben geschlossen
Große Teile der veralteten Infrastruktur sind in schlechtem Zustand. Immer wieder gehen die Kraftwerke vom Netz und müssen notdürftig repariert werden. Die Regierung führt die Krise auf das seit mehr als 60 Jahren bestehende Handelsembargo zurück. Ohne Strom gibt es vielerorts auch kein fließendes Wasser, mit weitreichenden Folgen.
„Ich habe meine Tochter zur Schule gebracht, aber dort wurde mir gesagt, dass die Schule bis auf Weiteres geschlossen bleibt“, sagte Yipsi Romero aus Havanna. „Es gibt kein Wasser für die Kinder. Solange der Strom nicht da ist, fällt der Unterricht aus.“
Im ständigen Mangel ist langfristiges Horten und Lagern wichtig – fallen die Kühlschränke aus, wird die Ware allerdings schlecht. Um zu kochen, behelfen sich viele mit Holz und Kohle. Auch Medikamente sind knapp und die Lage in den Krankenhäusern ohne Strom und fließend Wasser desolat.
Drohung Trumps
Dennoch treibt die US-Regierung ihre aggressive Politik gegen den sozialistischen Staat weiter voran. US-Präsident Donald Trump drohte Kuba:
Während wir in Venezuela einen historischen Wandel vollziehen, freuen wir uns auch auf die großen Veränderungen, die bald in Kuba stattfinden. Kuba befindet sich in seinen letzten Augenblicken, so wie es ist. Unser Fokus liegt derzeit auf Iran. Aber danach werde ich mich um Kuba kümmern.
Die Regierung in Havanna versucht, sich diplomatisch auf die USA zuzubewegen und Maßnahmen gegen die schlimmste Wirtschaftskrise seit Langem zu ergreifen: Erstmals seit fast 60 Jahren erlaubt die kubanische Regierung Joint Ventures zwischen privaten und staatlichen Unternehmen. Sie sollen unternehmerische Autonomie besitzen, selbst die Zahl der Beschäftigten und Gehälter festlegen können.
Die Idee habe Potenzial, sagt Politikwissenschaftler Bert Hoffmann. Aber: „Die Umsetzung kann natürlich auch eine sein, wo praktisch nichts möglich gemacht wird. Sondern alles quasi entschieden wird, auf die lange Bank geschoben wird, irgendeine Hygienevorschrift gefunden wird, warum das gerade nicht geht.“
„Erdrosselungspolitik der USA“
Noch ist unklar, was Trumps Drohung langfristig bedeute, so Hoffmann. Doch ohne Benzin und Diesel steuere Kuba aktuell auf eine humanitäre Katastrophe zu:
Dann wird es wirklich Hunger geben, dann kommen die Leute nicht in die Krankenhäuser, und in den Krankenhäusern gibt’s keinen Sauerstoff. Diese Erdrosselungspolitik der USA, wirklich eine Bevölkerung mehr oder weniger offen auszuhungern, um einen politischen Wechsel zu befördern, das ist eigentlich überhaupt nicht mehr hinnehmbar.“
Hoffmann wünschte sich mehr Protest aller anderen Staaten. Auch Europa müsste klar äußern, dass diese unmenschliche Politik nicht tolerierbar sei. Nur mit internationalem Druck würden die USA von ihrer Aushungerungspolitik abrücken.
Source: tagesschau.de