Die Aktienmärkte haben den Dienstag mit Verlusten begonnen. Nachdem die Wall Street am Montag gemessen an den Indizes S&P-500 und Nasdaq-100 sogar leicht im Plus geschlossen hatte, überwogen am Dienstag wieder die Sorgen. „Die Angst vor steigenden Energiepreisen sorgte an den asiatischen Börsen für deutliche Verluste“, hieß es von der Landesbank Baden-Württemberg. „Die Angebotsverknappung im Zuge der Behinderung des Schiffsverkehrs auf der Straße von Hormus und die möglichen Folgen für die Weltwirtschaft sowie die Inflation dürften die Finanzmarktteilnehmer weiter beschäftigen.“
Zudem belasteten Sorgen, dass der Konflikt länger dauern könnte, als ursprünglich erhofft. „Erinnerungen an die iranische Revolution von 1978/79 werden wach, die die zweite Ölkrise und eine weltweite Rezession auslöste“, merkte Enguerrand Artaz, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter LFDE an. „Auch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf Rohstoffpreise und globale Inflation sind weiterhin präsent.“
Angst vor höherer Inflation nimmt zu
Am stärksten nach unten ging es in Südkorea. Mit rund sieben Prozent Abschlag holte der Markt, der wegen eines Feiertags am Montag geschlossen war, die Abwärtsbewegung vom Vortag nach. Seit Jahresanfang hatte der Markt um etwa 40 Prozent zugelegt. In Japan verlor der Nikkei 225 gut 3 Prozent und damit deutlich mehr als noch am Montag mit nur 1,4 Prozent. In dem rohstoffarmen Land könnte ein längere Phase deutlich erhöhter Ölpreise Inflationssorgen verstärken und Hoffnungen auf eine zurückhaltende Geldpolitik einen Strich durch die Rechnung machen.
In Frankfurt eröffnete der Dax gut zwei Prozent im Minus auf 24.100 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Dezember. Beiersdorf-Aktien büßten nach einem enttäuschenden Geschäftsausblick zwölf Prozent im Kurs ein. Ansonsten verloren vor allem die konjunktur- und rohstoffabhängigen titel überdurchschnittlich. Siemens verloren drei Prozent, RWE 3,7 Prozent. Den zweiten Tag leicht im Plus zeigte sich die Aktie der Deutschen Börse, die von höherer Unsicherheit und entsprechenden Kursschwankungen im Handel profitiert, ebenso wie von erhöhtem Absicherungsbedarf der Anleger über Derivate.
Dollar und Gold halten sich stabil
Im M-Dax verlor Hochtief mit vier Prozent am stärksten. Lufthansa und TUI gaben je rund zwei Prozent nach. Hier gibt es erste Ankündigungen Touristen aus dem Kriegsgebiet fliegen zu können.
Der Ölpreis zeigte sich mit Aufschlägen. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um rund drei Prozent zum Vorabend auf gut 80 Dollar je Fass zu 159 Litern. EZB-Chefvolksiwrt Philip Lane äußerte seine Sorge vor länger höheren Energiepreisen und ihren Auswirkungen auf die Inflation.
Anleihen verloren an Wert. Bundespapiere mit zwei Jahren Laufzeit stiegen in der Rendite entsprechend auf 2,16 Prozent an nach 2,09 Prozent am Vorabend und knapp zwei Prozent Ende vergangener Woche. Auch die Risiko-Aufschläge für US-Anleihen blieben verhalten. Für zwei Jahre stieg die Rendite leicht auf 3,53 Prozent. Der Dollar war gefragt und gewann einen halben Cent zum Euro auf 1,1640 Dollar je Euro. Gold zeigte sich im Preis am Dienstag weitgehend unverändert.
Viele Anleger halten noch den Atem an und hoffen auf Meldungen aus China, wonach auf eine Öffnung der Straße von Hormus gedrungen werde, der für den Öl- und Flüssiggasmarkt wichtigen Seeverbindung.
Source: faz.net