North Atlantic Treaty Organization sieht keine „unmittelbare Bedrohung“ durch „Sapad 2025“

Stand: 12.09.2025 16:16 Uhr

Russland und Belarus haben mit dem gemeinsamen Manöver „Sapad 2025“ begonnen – weniger als 200 Kilometer von NATO-Gebiet entfernt. Die sieht zwar keine direkte Bedrohung, mahnt aber zu Wachsamkeit.

Russland und Belarus haben ihr gemeinsames Militärmanöver „Sapad 2025“ gestartet. Das Manöver findet turnusmäßig alle vier Jahre statt – alles Routine also? Angesichts des Krieges gegen die Ukraine und das Eindringen von Drohnen in den polnischen Luftraum vor zwei Tagen schürt die Militärübung Sorgen im Westen.

Trotzdem betont die NATO, dass keine „unmittelbare militärische Bedrohung“ von dem Manöver ausgehe. „Sapad 2025“ werde aber sehr genau beobachtet, teilte eine Sprecherin der Militärallianz mit. Denn Russland habe immer wieder „einen Mangel an Transparenz“ gezeigt, wenn es um die Größe und die Reichweite seiner Manöver gehe. Es sei zudem bekannt, dass der Kreml solche Übungen auch als politische Drohgebärde nutze. Die NATO-Sprecherin forderte Russland und Belarus auf, „im Einklang mit ihren internationalen Verpflichtungen vorhersehbar und transparent zu handeln“.

Moskau hingegen wertet den besorgten Blick auf die gemeinsamen Übungen mit Belarus als übertriebene Sorge. Unter normalen Umständen eines friedlichen Nebeneinanders würden Nachbarstaaten gegenseitig die Militärübungen beobachten, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. „Aber jetzt nimmt das westliche Europa uns gegenüber eine feindliche Haltung ein, und das führt zu einer emotionalen Überforderung dieser Länder“, so Peskow. Er betonte, dass Russland niemals andere Länder bedroht habe.

Übungen weniger als 200 Kilometer von litauischer Grenze

Das „Sapad 2025“-Manöver soll bis Dienstag dauern. Der Großteil findet nach Angaben aus Belarus östlich der Hauptstadt Minsk statt – und damit weniger als 200 Kilometer von der Grenze zum EU- und NATO-Mitglied Litauen entfernt.

Im August hatte der belarusische Verteidigungsminister Viktor Chrenin mitgeteilt, die meisten der Übungen seien rund um die Stadt Borissow angelegt. Einige „kleine Einheiten“ sollen demnach aber auch in Gebieten nahe der Grenzen zu Polen und Litauen eingesetzt werden und das Szenario üben, dass ein „hypothetischer Feind“ zurückgeschlagen werden müsse. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass auch die Ostsee und die Barentssee in das Manöver einbezogen werden sollen.

Bei „Sapad 2025“ soll laut Belarus auch der Einsatz von Atomwaffen sowie einer neuen nuklearfähigen Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik“ geprobt werden, die Moskau künftig in Belarus stationieren will.

Sorge in Warschau

Polen befürchtet, dass im Rahmen des Manövers auch die Besetzung der sogenannten Suwalki-Lücke simuliert werden könnte. Dabei handelt es sich um ein kleines Gebiet an der polnisch-litauischen Grenze, welches im Norden an die russische Exklave Kaliningrad und im Süden an Belarus angrenzt. Polens Regierungschef Donald Tusk hatte die Befürchtung geäußert, Russland und Belarus könnten im Falle einer Ausweitung des Ukraine-Krieges versuchen, diesen etwa 65 Kilometer breiten Landstreifen zu besetzen. Belarus hatte diese Sorge als „völligen Unsinn“ zurückgewiesen.

Polen, Litauen und Lettland haben wegen des Manövers ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft und den Flugverkehr eingeschränkt. Polen ordnete zudem die Schließung seiner Grenze zu Belarus an.

Zahl der teilnehmenden Soldaten unklar

Unklar ist, wie viele Soldatinnen und Soldaten am „Sapad 2025“-Manöver teilnehmen. Russland hat dazu keine offiziellen Angaben gemacht. Beim letzten „Sapad“-Manöver im Jahr 2021 – also noch vor Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – wurden etwa 200.000 russische Soldatinnen und Soldaten zu den gemeinsamen Übungen entsandt.

Belarus hatte im Januar angekündigt, an dem diesjährigen Manöver sollten etwa 13.000 Streitkräfte teilnehmen. Im Mai hatte die Regierung diese Zahl jedoch nach unten korrigiert und bekanntgegeben, die Zahl um die Hälfte zu reduzieren.

Russland startet parallel Übungsmanöver der Pazifikflotte

Parallel zum „Sapad“-Manöver hat Russland eigenen Angaben zufolge mit einer Marineübung der Pazifikflotte in den östlichen Gewässern des Landes begonnen. „An dem Manöver sind mehr als zehn Schiffe und Boote, Flugzeuge und Hubschrauber der Marineflieger in der Pazifikflotte sowie Atom-U-Boote und Küstenraketenbatterien vom Typ ‚Bastion‘ beteiligt“, teilte der Pressedienst der Flotte auf Telegram mit. Bei der Übung gehe es um den Schutz der Seewege im Nordosten Russlands sowie der Küsten der Halbinseln Kamtschatka und Tschukotka in dieser Region.

Die Einheiten sollen demnach üben, U-Boote aufzuspüren, Angriffe aus der Luft abzuwehren und mit Raketen auf Seeziele zu schießen. Besonderes Augenmerk gilt demnach der Abwehr von Luft- und Seedrohnen.

Frank Aischmann, ARD Moskau, zzt. Tiflis, tagesschau, 12.09.2025 10:34 Uhr

Source: tagesschau.de