In Südkorea haben
Ermittler auf der Suche nach Hinweisen zu einem mysteriösen Drohnenflug nach
Nordkorea Gebäude des örtlichen Geheimdienstes durchsucht. Die Razzien fanden
an insgesamt 18 Standpunkten statt und richteten sich gegen drei aktive
Soldaten und einen Mitarbeiter des Geheimdienstes, teilte ein gemeinsames
Einsatzkommando der Armee und der Polizei mit.
Bei dem Vorfall
geht es um eine Spionagedrohne, die am 4. Januar von der südkoreanischen Stadt
Incheon gestartet sein und mit einer Kamera wichtige Anlagen in Nordkorea
gefilmt haben soll. Die Regierung Nordkoreas beschuldigte Südkorea damals einer Luftraumverletzung. Das Militär schoss die Drohne ab. Südkoreas Regierung versicherte,
nichts von dem Drohnenflug zu wissen und verwies auf eine mögliche Tat von
Zivilisten.
Bei den Razzien
wolle das südkoreanische Einsatzkommando nun „die Wahrheit hinter dem
Drohnenvorfall durch die Analyse der beschlagnahmten Materialien und eine
gründliche Untersuchung der Verdächtigen vollständig aufdecken“, hieß es
in einer Erklärung.
Die Ermittler durchsuchten eigenen Angaben zufolge unter
anderem die Kommandozentrale des südkoreanischen Verteidigungsnachrichtendienstes
und ein Gebäude des Nationalen Nachrichtendienstes.
Drohnenflug gleicht laut Südkoreas Präsident einer Kriegserklärung
Südkoreas
Präsident Lee Jae Myung hatte den Drohnenvorfall im Januar als „Kriegserklärung“
bezeichnet. Sie sei „gleichbedeutend mit einem Schuss“ auf Nordkorea,
sagte der südkoreanische Präsident und forderte, die Verantwortlichen streng zu
bestrafen.
Bereits Ende
Januar hatte die südkoreanische Polizei nach eigenen Angaben Büros und
Wohnungen von drei Zivilisten durchsucht, die möglicherweise mit dem
Drohnenflug zu tun haben. Die drei wurden mittlerweile angeklagt. Ein Mann hat
sich bereits zu dem Drohnenflug bekannt und erklärt, er habe die
Strahlenbelastung durch eine nordkoreanische Uranaufbereitungsanlage messen
wollen.
Nord- und
Südkorea befinden sich formal betrachtet nach wie vor in einem Kriegszustand,
da der Korea-Krieg von 1950 bis 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete,
jedoch niemals ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde.