„Nord bei Nordwest“: Die Macht des Schicksals: Wenn welcher Blitz zweimal einschlägt

„Nord bei Nordwest“
Die Macht des Schicksals: Wenn der Blitz zweimal einschlägt


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„Nord bei Nordwest“ wird philosophisch: Die aktuelle Folge „Pechmarie“ stellt die Frage nach dem Glück. Ein Thema, das auch Hauke Jacobs umtreibt.

Die ARD macht es Fans von „Nord bei Nordwest“ nicht leicht: Jedes Jahr im Januar füttert sie die Zuschauer mit drei neuen Folgen um den drolligen Polizisten und Tierarzt Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann), ehe die Krimireihe in einen zwölfmonatigen Winterschlaf geht. Diesmal ist es noch ein klein wenig härter: Es gibt nur zwei neue Folgen.

Das Warten hat sich allerdings gelohnt: „Pechmarie“ (29.1., 20.15 Uhr im Ersten) ist eine der besten Folgen überhaupt aus der bislang 28 Episoden umfassenden Krimireihe. Zum einen sind hier alle Zutaten enthalten, die „Nord bei Nordwest“ so besonders machen: brutaler Nordic Noir, bitterschwarzer Humor, absurde Fälle – und das alles gepaart mit einer Liebesgeschichte, die immer in der Schwebe bleibt. Denn auch diesmal kann sich Hauke Jacobs nicht entscheiden zwischen den zwei Frauen, die auch seine beruflichen Leidenschaften verkörpern: der Polizistin Hannah Wagner (Jana Klinge) und der Tierärztin Jule Christiansen (Marleen Lohse).

„Nord bei Nordwest: Pechmarie“ stellt die Frage nach dem Schicksal

Was diese von dem Serienerfinder Holger Karsten Schmidt geschriebene Folge aber herausragend macht: Sie hat ein echtes Thema, das sie konzentriert und konsequent abhandelt: die Frage nach Glück, Pech und der Macht des Schicksals.

Im Mittelpunkt steht Marie Hansen (Anne Zander). Die Frau ist seit ihrer Jugend vom Schicksal gebeutelt: Sie verlor früh Eltern und Schwester. Seit sie von einem Blitz getroffen wurde, ist sie gehörlos. Und nun findet sie ihren Bruder erschossen in ihrem Garten. Die tödliche Kugel fing er sich bei einem verpatzten Drogendeal ein. Mit dem Geld wollte er eigentlich die Schulden für das Haus begleichen, in dem er mit seiner Schwester lebt. Jetzt droht Marie auch noch das Dach über dem Kopf zu verlieren.

Kein Wunder also, dass sie von allen „Pechmarie“ genannt wird. Doch was wäre, fragt dieser Film, wenn sich das Schicksal verändern ließe? Wenn aus der „Pechmarie“ die „Goldmarie“ würde? Wenn der Blitz einschlüge und dieses Mal nicht sie träfe, sondern den Mann, der sie gerade mit der Waffe bedroht? Wenn Marie einmal Glück hätte, etwa weil sie in der Lotterie gewinnt? Und könnte der Mensch selbst eingreifen oder ist er höheren Mächten unterworfen?

Ist Hauke Jacobs etwa ein Glückspilz?

Das Thema zieht sich auch durch die Nebenstränge in diesem Krimi. Hotelwirtin Bine Pufal (Victoria Fleer) verpasst wegen der tödlichen Schüsse in Schwanitz ihren Flieger. Klingt zunächst nach großem Pech, doch als sie hört, dass der Flieger abgestürzt ist, fühlt sie sich, als habe sie ein zweites Leben geschenkt bekommen – und findet vielleicht sogar ihr Liebesglück mit Mehmet Ösker (Cem-Ali Gültekin). 

Was auch Hauke Jacobs dazu bringt, sich mit der Frage zu beschäftigen: Was für sie Glück ist, will er von Jule Christiansen wissen. „Geliebt zu werden“, lautet ihre Antwort. Und tatsächlich: Zwischen ihr und dem Polizisten kommt es in dieser Folge sogar zum Kuss.

Ein Happy End bedeutet das nicht: Denn da ist ja noch die zweite Frau, Hannah Wagner, die er auch schon geküsst hat. Ist Hauke Jacobs also ein Glückspilz, weil er von zwei Frauen begehrt wird? Oder besteht gerade darin sein großes Unglück? Die Frage wird die Zuschauer auch in den kommenden Folgen begleiten.

„Nord bei Nordwest: Pechmarie“ läuft am Donnerstag, 29. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten.

Source: stern.de