Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi soll im Gefängnis einen Herzinfarkt erlitten haben. Unterstützer berichten von einem kritischen Zustand und mangelhafter Behandlung. Trotz akuter Symptome sei sie nicht in ein Krankenhaus gebracht worden.
Die inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi befindet sich nach den Angaben ihrer Unterstützer in akuter Lebensgefahr. Mohammadi habe in der vergangenen Woche vermutlich einen Herzinfarkt erlitten, welcher nur unzureichend behandelt worden sei, teilte ihr Unterstützerkreis am Dienstag mit. Den Angaben zufolge durfte Mohammadis Anwaltsteam sie am Sonntag in Begleitung eines Familienmitglieds „unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen“ im Gefängnis von Sandschan besuchen.
„Ihr allgemeiner Gesundheitszustand war extrem schlecht, und sie wirkte blass und geschwächt und hatte deutlich an Gewicht verloren, als sie von einer Gefängniskrankenschwester in den Besucherraum geführt wurde“, hieß es in einer Erklärung ihrer Unterstützer.
Weiter hieß es, die Friedensnobelpreisträgerin sei am 24. März „bewusstlos und mit verdrehten Augen in ihrem Bett“ aufgefunden worden. Dieser Zustand habe über eine Stunde angedauert.
Mohammadi sei „trotz dieses medizinischen Notfalls und offensichtlicher Anzeichen eines Herzinfarkts“ nicht ins Krankenhaus gebracht, sondern lediglich auf der Krankenstation des Gefängnisses behandelt worden. Die aus der Haftanstalt vernehmbaren Explosionen durch Angriffe Israels und der USA hätten die Belastung für sie noch weiter verstärkt.
Mohammadi war vor Beginn der jüngsten Protestwelle Ende Dezember festgenommen worden. Die Proteste gipfelten im Januar und wurden von der Führung in Teheran brutal niedergeschlagen. Aktivisten zufolge wurden dabei tausende Menschen getötet.
Die Festnahme Mohammadis erfolgte am 12. Dezember, nachdem sie bei einer Trauerfeier für einen zuvor tot aufgefundenen Anwalt eine Rede gehalten hatte. Anfang Februar wurde sie von einem Gericht wegen „Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten“ zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Die 53-Jährige war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie hat einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis verbracht und ihre beiden Kinder, die in Paris leben, seit 2015 nicht mehr gesehen.
2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder in Oslo entgegen.
Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis freigelassen, nach Angaben ihrer Anwälte war ihr zuvor ein Tumor entfernt worden. Die Menschenrechtsaktivistin durfte den Iran nach eigenen Angaben aber nicht verlassen.
AFP/ceb
Source: welt.de