Der mit umgerechnet 464.000 Euro dotierte Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) geht in diesem Jahr an den kanadischen Bilderbuchkünstler Jon Klassen. Das teilt die Jury an diesem Dienstag in Stockholm mit.
Mit „Wo ist mein Hut“, einem Bilderbuch aus dem Jahr 2011, wurde Jon Klassen international bekannt. In ihm lässt er einen Bären Fuchs, Frosch, Hase, Schlange und Gürteltier nach der verlorenen Kopfbedeckung fragen. Keiner kann ihm helfen, und mit den Worten „Schon gut. Trotzdem vielen Dank“ zieht er weiter. Bis der Hirsch fragt, wie er denn aussieht, der Hut, und dem Bären dämmert, dass der Hase nicht nur auffallend wortreich beteuert, ihm einfach nicht weiterhelfen zu können.
Auf den meisten Seiten des Bilderbuchs wirkt der arme Held so unbeweglich wie unbeeindruckt. Dass ihm schließlich ein Licht aufgeht, dass er auf Rache sinnt und sie schließlich auch übt, zeigt sich an kaum mehr als der Größe und Form seiner Augen: Die kleinste Abweichung, die feinste mimische Regung wird in den ausgewogenen, hintergründigen, oft komischen Bildern des Künstlers zum Ereignis.
Jon Klassen wurde 1981 im kanadischen Winnipeg geboren. Sein Schaffen reicht von Pappbilderbüchern ganz ohne Worte über selbst verfasste illustrierte Kinderbücher bis zur Zusammenarbeit mit dem Autor Mac Barnett, in der Bücher zu geometrischen Formen entstanden sind. Auch eine äußerst amüsante Neufassung der Geschichte vom Troll und den drei Ziegen entstammt dieser Zusammenarbeit.
„Mit seinem subtilen und eindringlichen Erzählstil in Wort und Bild“ eröffne Klassen „neue Perspektiven auf unseren Platz im Universum“, stellt die Jury des ALMA fest: „Präzise, emotional und mit erfinderischem Witz schildert er die Herausforderungen des Lebens – Unsicherheit und Hoffnung – in einem faszinierenden Zusammenspiel von Farbe und Form. Jon Klassens brillante Geschichten bestechen durch ihre mühelose Eleganz und ihre vielschichtige Tiefe, in der der Leser zum Mitgestalter wird.“
Die schwedische Kronprinzessin Victoria wird Jon Klassen den Preis am 25. Mai in der Stockholmer Konzerthalle verleihen. Zu den bisherigen Preisträgern des vom schwedischen Staat nach dem Tod der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren 2002 gestifteten Preises gehören Maurice Sendak, Meg Rosoff und Wolf Erlbruch. In diesem Jahr waren insgesamt 263 Autoren, Illustratoren, Geschichtenerzähler oder Leseförderer aus 74 Ländern nominiert. Auf der Vorschlagsliste aus Deutschland standen der Schriftsteller Andreas Steinhöfel sowie vier Illustratoren: Axel Scheffler, Mehrdad Zaeri, Nikolaus Heidelbach und Torben Kuhlmann.
Source: faz.net