Nach einem Angriff auf einen Ostergottesdienst im Nordwesten Nigerias hat die Armee nach eigenen Angaben 31 Geiseln befreit. Durch ein rasches Eingreifen sei es gelungen, einen „Terrorangriff“ zu vereiteln und die Zivilisten zu befreien, erklärte die Armee. Der Überfall habe sich in einer Kirche im Dorf Ariko ereignet. Am Tatort im Bundesstaat Kaduna seien zudem fünf Tote gefunden worden, meldete die Armee.
Der Vorsitzende des christlichen Verbandes in Kaduna, Caleb Maaji, sprach dagegen von Angriffen auf zwei Kirchen in dem Dorf. Dabei seien sieben Menschen getötet und eine unbekannte Zahl als Geiseln genommen worden.
US-Armee hat Militäreinsatz in Nigeria ausgeweitet
Dörfer im Nordwesten und im Zentrum Nigerias werden seit Jahren von kriminellen Banden heimgesucht. Die von den Behörden als „Banditen“ bezeichneten Angreifer überfallen die Dörfer, plündern die Häuser und brennen sie nieder. Dorfbewohner werden getötet oder entführt, um Lösegeld zu erpressen. Bei den Angriffen gab es schon tausende Tote.
Nigeria mit rund 240 Millionen Einwohnern ist religiös geteilt in einen überwiegend muslimischen Norden und einen mehrheitlich christlichen Süden. Im Nordosten Nigerias verbreiten die Islamistenmiliz Boko Haram und die rivalisierende Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Westafrika (ISWAP) Angst und Schrecken. Auch aus dem Bundesstaat Borno wurden in dieser Woche nach Angriffen mutmaßlicher Islamisten mehrere Tote gemeldet. Obwohl die „Banditen“ von finanziellen Interessen motiviert sind, arbeiten sie zunehmend mit Dschihadisten aus dem Nordosten zusammen. Die US-Armee hatte ihren Einsatz gegen Islamisten in Nigeria zuletzt ausgeweitet.
Im nordwestlichen Bundesstaat Zamfara tötete die nigerianische Armee derweil 65 „Banditen“, wie aus einem Sicherheitsbericht hervorging, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. In dem Bundesstaat hatte die Polizei zuvor eine „massive“ Entführung von Dorfbewohnern in der Nacht zum Donnerstag gemeldet. Bewohner schätzen, bei den Überfällen bewaffneter Männer auf sechs Dörfer im Verwaltungsbezirk Bukkuyum seien sieben Menschen getötet und 150 entführt worden.
Auch im zentralen Bundesstaat Benue wurden bei Angriffen Behördenangaben zufolge mehrere Menschen getötet. Der dortige Gouverneur machte „mutmaßlich bewaffnete Viehhirten“ für den Angriff verantwortlich, den er als einen „barbarischen Akt“ bezeichnete. In der Region kommt es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten zwischen sesshaften Bauern und als Nomaden lebenden Hirten.