Passagiere der Deutschen Lufthansa müssen sich für Donnerstag und Freitag auf zwei Tage mit Flugausfällen einstellen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat Ausstände für die Lufthansa-Kernmarke, die Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline und die Frachtsparte angekündigt. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann sagte: „Diese Eskalation ist in keiner Weise nachvollziehbar.“
Niggemann verwies darauf, dass wegen des Irankriegs geopolitische Unsicherheiten groß seien und Passagiere in aller Welt davon betroffen seien. Die VC hat wegen laufender Rückholungen allerdings mögliche Flüge aus 13 Nahost-Staaten von ihrem Streikaufruf ausgenommen. In dieser Länderliste stehen auch Ziele, für die Lufthansa ohnehin alle Flüge in dieser Woche abgesagt hat.
Mit dem Ausstand der Piloten der Lufthansa-Kernmarke und der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo will die Gewerkschaft den Druck nach gescheiterten Tarifverhandlungen um Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung erhöhen. „Auch seit dem letzten Streik am 12. Februar 2026 hat der Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt“, teilte die VC mit. Sie rechnet aber mit weniger Ausfällen als im Februar, da damals auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO zeitgleich zu Warnstreiks aufgerufen hatte. Lufthansa kündigte an, mindestens die Hälfte aller Flüge durchführen.
Piloten vermissen „verhandlungsfähiges Angebot“
Der Konzern hatte zuletzt angeboten, einen externen Moderator zu Gesprächen hinzuziehen. Auch der Konzern selbst sieht, dass die Vertrauensbasis zwischen Arbeitgeber und Pilotenvertretung zerrüttet ist. Die Gewerkschaft wertet das Moderationsangebot jedoch als Ablenkungsmanöver, das kein substanzielles Angebot ersetzen könne.
Streik sei für die VC „immer das letzte Mittel und kein Selbstzweck“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro: „Die Arbeitgeber haben auch jetzt noch die Möglichkeit, die Arbeitskämpfe durch ein verhandlungsfähiges Angebot abzuwenden.“ Die Gewerkschaft fordert eine deutliche Aufstockung der Arbeitgebereinzahlungen in einen Vorsorgefonds.
Lufthansa sieht unter Verweis auf die geringen Margen der Kernmarke dafür „keinen Spielraum“, was Niggemann am Mittwoch bekräftigte. Die Sparte mit der Kernmarke hatte 2025 laut Geschäftsbericht ein bereinigtes operatives Ergebnis von 148 Millionen Euro erreicht, was einer Marge von 0,9 Prozent entspricht. Das Langfristziel beträgt zehn Prozent. In die veröffentlichten Werte sind die Zahlen des profitablen Urlaubsflugablegers Discover eingerechnet.
Drei Gewerkschaften senden scharfe Botschaften
Bei der nun ebenfalls bestreikten Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline kämpft die VC für einen neuen Vergütungstarifvertrag. Lufthansa will Cityline perspektivisch abwickeln und überträgt schrittweise Strecken auf die junge, fast namensgleiche Gesellschaft City Airlines, für die es bislang keinen Tarifvertrag gibt. Die VC beklagt, dass Lufthansa nach Monaten ohne Angebot erst Ende Februar eine Offerte vorgelegt habe, die nicht ausreichend sei. Die damit verknüpfte Forderung nach einer „absoluten Friedenspflicht“ wies die VC als „völlig inakzeptabel“ zurück.
Der Konzern blickt 2026 auf den 100. Jahrestag der ersten Gründung einer Fluggesellschaft mit dem Namen Lufthansa zurück. Mit der zweiten Streikrunde des Jahres droht nun aber der Eindruck, dass es in diesem Jahr nicht nur viele Feiern, sondern auch viel Streit gibt. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr hatte am vergangenen Freitag zur Vorlage der Geschäftszahlen noch gesagt, dass er nicht mit einem großen Arbeitskampf und vielen Streiktagen rechne. „Die Mitarbeiter spüren, dass ein Kostennachteil der Kernmarke Auswirkungen auf die Flottengröße hat“, sagte Spohr: „Die Mitarbeiter wollen Perspektiven.“ Die wohl geringere Zahl an Ausfällen an Ausfällen dürfte der Konzern als Beleg dafür werten.
Zumindest die Führungen von drei Gewerkschaften scheinen das anders zu sehen. UFO hat inzwischen Flugbegleiter informiert, dass ihre Verhandlungsbereitschaft nach einem Gesprächstermin über einen neuen Manteltarifvertrag, der Arbeitszeiten und andere Konditionen regelt, kaum noch vorhanden ist. Dieser Termin fand wohl zeitgleich zur Bilanzvorlage am Freitag statt.
Gewerkschaft UFO ist „aufgestanden und gegangen“
UFO schrieb zum weiteren Vorgehen: „Es gibt nichts, worüber man gerade sinnvollerweise verhandeln könnte.“ Die Gewerkschaft erklärte, ihr sei ein „Katalog des Grauens“ vorgelegt worden, nannte aber keine Details dazu. Jedenfalls sei man „aufgestanden und gegangen“. Weitere Verhandlungstermine werde es nur geben, sofern Lufthansa „hart und schnell umschwenkt“.
Auch in Tochterbetrieben, die bislang nicht von Ausständen erfasst waren, verschärft sich die Lage. VC teilte mit, ebenfalls am Freitag Piloten der Gesellschaft Eurowings zur Urabstimmung aufgerufen zu haben. „Wir können nicht erkennen, dass die Geschäftsleitung zu ernsthaften Verhandlungen und einem Entgegenkommen bereit ist“, sagte Pinheiro: „Unsere Mittel sind daher ausgeschöpft und die Verhandlungen gescheitert.“ Für Eurowings geht es wie für die Kernmarke um Anpassungen in der Altersversorgung.
Das Luftfahrtportal Airliners berichtete indes, dass die Gewerkschaft Verdi im Konflikt um die Vergütung für die 20.000 Beschäftigten im Lufthansa-Bodenpersonal von der Wartung bis zum Check-in-Schalter eine Abstimmung über Ausstände angestoßen habe, es handele sich nicht um eine Urabstimmung der Verdi-Mitglieder, sondern um ein sogenanntes verbindliches Streikvotum. Die Grundlage für einen Arbeitskampf sieht Verdi demnach als gegeben an, wenn 50 Prozent des Bodenpersonals dafür stimmen. Verdi fordert einen Aufschlag von sechs Prozent, mindestens aber 250 Euro.