Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, schlägt eine Aufhebung des Kündigungsschutzes für den öffentlichen Dienst und Besserverdiener vor. „Ich möchte den De-facto-Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst infrage stellen“, sagte Schularick der Deutschen Presse-Agentur. „Warum gibt es diese Vorzugsbehandlung?“
Auch mit Blick auf gut verdienende Arbeitnehmer sei das zu überdenken. „Warum halten wir am Kündigungsschutz für Leute fest, die mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen?“, sagte Schularick. „Da wird ein paternalistischer Schutzgedanke weitergetragen ins 21. Jahrhundert, der wahrscheinlich schon Ende des 20. Jahrhunderts abgelaufen war.“ Diese Idee sei nicht länger zeitgemäß. Sie werde aber etwa von manchen Beschäftigten und Gewerkschaften verteidigt.
Nach Beobachtung von Schularick führen die Regularien hierzulande dazu, dass deutsche Unternehmen Forschung und Entwicklung nach China auslagern. „Eigentlich sollten Forschung und Entwicklung in Deutschland und Europa sein, weil wir die schlauen Köpfe haben, und die anderen schrauben die Autos zusammen.“
Hintergrund der Entwicklung sei, dass Deutschland auch wegen des Kündigungsschutzes zu teuer sei. Unternehmen gingen Risiken ein, während die Kosten in China überschaubar seien. „Wenn ich als Unternehmen in Deutschland nach einem gescheiterten Projekt eine Gruppe von 20 Entwicklern über Jahre weiterbeschäftigen muss, fange ich mit dem Projekt nicht an.“
Schularick hält die Strukturen des deutschen Arbeitsmarkts für zu starr und konservativ: „Die Institutionen werden der Schnelllebigkeit und dem Wandlungsprozess, den wir haben, nicht mehr gerecht.“ Zu dem Wandel trage beispielsweise Künstliche Intelligenz bei. Der Arbeitsmarkt müsse künftig flexibler ausgestaltet werden.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft gilt als eines der führenden Wirtschaftsinstitute des Landes.