Sinkende Strompreise im Großhandel und eine Milliardenabschreibung belasten die Bilanz von Electricité de France (EDF). An das Rekordergebnis von 2024 konnte Frankreichs staatlicher Energiekonzern vergangenes Jahr deshalb nicht anknüpfen. Die Abschreibung beläuft sich auf 2,5 Milliarden Euro und wurde im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerksbau Hinkley Point C in Großbritannien fällig.
EDF vermeldet dort regelmäßig ähnliche Verzögerungen und Kostensteigerungen wie beim jüngst fertiggestellten Reaktor Flamanville 3 in der Normandie. Auch die auf 72,8 Milliarden Euro geschätzten Baukosten für die sechs weiteren Reaktoren, die die Regierung in Paris plant, schweben wie ein Damoklesschwert über EDF.
Hochprofitabel ist der Konzern trotzdem. Am Freitag vermeldete er für 2025 ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 13,1 Milliarden Euro. Nach Abzug aller Kosten verbleiben immer noch 8,6 Milliarden Euro. Einmal mehr profitierte EDF als Betreiber aller französischen Kernkraftwerke von deren wachsender Stromproduktion.
Das Verhältnis hat sich umgedreht
Vergangenes Jahr stieg diese um rund drei Prozent auf 373 Terawattstunden (TWh). Die 2019 erreichten 380 TWh sind nunmehr in Reichweite, nachdem die Produktion in der Coronapandemie und wegen Korrosionsschäden im Kraftwerkspark bis auf 279 TWh gesunken war.
Ein beträchtlicher Teil dieses Atomstroms geht ins Ausland. Netto exportierte Frankreich 2025 mit 92 TWh gar so viel Elektrizität wie nie. Schätzungsweise 70 Prozent davon waren Atomstrom, setzt man die von den 57 Reaktoren produzierten 373 TWh ins Verhältnis zu den von allen Kraftwerken produzierten 544 TWh Strom. Der Wert dieser Ausfuhr wird auf einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag geschätzt.
Dabei bezieht seit dem finalen Atomausstieg im April 2023 vor allem Deutschland deutlich mehr Strom aus Frankreich. Zuvor jahrelang Nettoexporteur, hat sich das Verhältnis umgedreht. Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE wurden vergangenes Jahr 13,7 TWh an französischem Strom nach Deutschland eingeführt und umgekehrt nur 2,5 TWh exportiert. 2024 hatte sich die Einfuhr gar auf 16 TWh belaufen bei einem Export von drei TWh.
„Frankreich verfügt heute über einen Wettbewerbsvorteil“
Insbesondere in Dunkelflauten ist französischer Atomstrom gefragt. Die Reaktoren haben geringere Brennstoffkosten als deutsche Gas- und Kohlekraftwerke und müssen dank kohlenstoffarmer Produktion keine Zertifikate im europäischen CO2-Handel erwerben. Bei wenig Strom aus Wind- und Solaranlagen sind die nuklearen Produktionskosten praktisch konkurrenzlos. Frankreichs Energieregulierungsbehörde CRE beziffert diese für die mittlere Frist auf durchschnittlich rund sechs Cent je Kilowattstunde.
Auf Regierungsseite bewirbt man das offensiv als Standortvorteil, auch wenn zum 31. Dezember 2025 der Sondermechanismus ARENH ausgelaufen ist, der EDF jährlich zur Abgabe von 100 TWh zum Sonderpreis von 4,2 Cent je Kilowattstunde verpflichtet hat – und Großkunden nun individuell Langfristverträge zu höheren Preisen aushandeln müssen.
„Frankreich verfügt heute über einen Wettbewerbsvorteil, den nur wenige große Volkswirtschaften der Welt für sich beanspruchen können: reichlich und weitgehend CO2-freier Strom“, sagte Pascal Cagni der F.A.Z. Die von der Regierung verabschiedete Energieplanung, die die Priorität der Kernenergie bekräftigt, wertete der Chef der Wirtschaftsförderagentur Business France und frühere Apple-Europachef als „starkes Signal an die Investoren“. Zumal weitere 25 Prozent der französischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammen, insgesamt also 95 Prozent kohlenstoffarm sind.
Dass Investoren diese „Kontinuität und Energiesouveränität“ goutierten, zeigen aus Sicht des Business France-Chefs die geplanten Rechenzentren. „Frankreich hat sich in einem Umfeld, in dem der Boom der Künstlichen Intelligenz den Energiebedarf vervielfacht, als bevorzugter Standort in Europa etabliert“, so Cagni. Unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate wollen für bis zu 50 Milliarden Euro den „größten Campus für Künstliche Intelligenz in Europa“ in Frankreich bauen, Rechenzentrum inklusive.