Neue Truppe des GRUJournalisten enttarnen geheime russische Spezialeinheit
13.03.2026, 18:36 Uhr
Umfangreiche Recherchen von Investigativjournalisten zeigen die Existenz einer bislang unbekannten Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes. Die Truppe soll für Sabotageoperationen, Spezialmissionen und Attentate im Ausland bereitstehen.
Einer Gruppe von Investigativjournalisten ist es nach eigenen Angaben gelungen, eine bislang unbekannte Einheit des russischen Militärgeheimdienstes (GRU) zu enttarnen. Wie der „Spiegel“ und das Portal „The Insider“ berichten, handelt es sich bei der Einheit 75127, auch Zentrum 795 genannt, um eine unter strenger Geheimhaltung arbeitende Spezialtruppe. Sie soll im Auftrag Moskaus offenbar Sabotageoperationen, Spezialeinsätze in Kriegsgebieten und Tötungen von Regimegegnern im Ausland durchführen. Die Einheit soll direkt dem russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow unterstellt sein und damit außerhalb der üblichen Befehlsketten des GRU operieren.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde die Einheit per Befehl des russischen Generalstabs im Dezember 2022 gegründet. Dabei wurde die Nummer 75127 einer alten, zuvor aufgelösten Einheit erneut vergeben, um die Struktur zu verschleiern. Die Truppe soll rund 500 Personen umfassen. Zur Tarnung wurde sie als Teil eines Ausbildungszentrums des Rüstungskonzerns Kalaschnikow ausgegeben.
Internen Unterlagen zufolge ist die Einheit in drei Direktionen gegliedert: Aufklärung, Angriff und Gefechtsunterstützung. Diesen sollen insgesamt rund 35 spezialisierte Abteilungen unterstehen, etwa für Logistik oder medizinische Betreuung. Der Truppe steht demnach ein breites Arsenal zur Verfügung: von Hackern über Aufklärungsdrohnen bis hin zu Raketenwerfern, Panzern und Scharfschützen.
Bewusste Konkurrenz
Sicherheitskreisen zufolge hing die Gründung der neuen Einheit auch mit den zahlreichen Skandalen um die GRU-Eliteeinheit 29155 zusammen. Deren Mitglieder hätten sich persönlich bereichert und seien wiederholt bei Operationen im Ausland aufgeflogen. Agenten dieser Einheit werden etwa für den Giftanschlag auf den russischen Überläufer Sergej Skripal und dessen Tochter im Jahr 2018 verantwortlich gemacht. Sie sollen außerdem einen Mordanschlag auf einen bulgarischen Waffenhändler verübt, ein Munitionslager in Tschechien gesprengt und versucht haben, einen Staatsstreich in Montenegro zu organisieren.
Russischen Insidern zufolge sei Einheit 75127 bewusst als Konkurrenz zu Einheit 29155 aufgebaut worden. Zwischen beiden Strukturen soll ein erbitterter Wettbewerb um Einfluss und Ressourcen herrschen. Geleitet wird die neue Einheit offenbar von einem Veteranen der Spezialkräfte-Direktion „Alfa“ des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Ein großer Teil des Personals soll zuvor beim FSB oder anderen russischen Spezialdiensten gedient haben. Zudem sollen mehrere Offiziere aus der skandalbelasteten Einheit 29155 zur neuen Truppe gewechselt sein.
Westliche Nachrichtendienste sollen der neuen Einheit zunächst nur geringe Bedeutung beigemessen haben, da ihre Aktivitäten vor allem auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgerichtet zu sein schienen. Das änderte sich jedoch Ende Februar. Am Flughafen Bogotá nahmen Ermittler ein mutmaßliches Mitglied der Einheit fest, das offenbar einen Mordanschlag auf einen tschetschenischen Dissidenten in Europa vorbereiten sollte.
Der verdächtige Russe sei mit frischen Tarnpapieren nach Kolumbien gereist. Mit einem serbischen Komplizen, der in den USA lebte, habe er über einen verschlüsselten Messenger kommuniziert. Allerdings hätten beide Männer keine gemeinsame Sprache gesprochen. Um sich zu verständigen, nutzten sie die Übersetzungsfunktion von Google, wodurch Ermittler des FBI die Kommunikation mitverfolgen konnten. Bei seiner Festnahme soll der Russe zudem ein Mobiltelefon mit aufschlussreichen Chatverläufen bei sich gehabt haben.
Source: n-tv.de