Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben am Donnerstag die neue Tarifrunde gestartet und erste Verhandlungen aufgenommen. Streiks sind erst nach Ablauf der Friedenspflicht Anfang März möglich. Bis Ende Februar haben beide Seiten bereits 14 Verhandlungstage terminiert, was als ungewöhnlich gilt. „Wir gehen mit ausgestreckter Hand an den Verhandlungstisch“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler in Berlin. „Wir wollen die Zeit nutzen, um einen fairen, tragfähigen Kompromiss zu erreichen.“ Bei
der Auftaktrunde werde es allerdings noch kein Angebot der Bahn geben. Zunächst gehe es darum, einen guten Einstieg in die Gespräche zu finden, einen Fahrplan für die nächsten Verhandlungsrunden auszuloten und die Forderungen der GDL zu diskutieren.
Der neue GDL-Vorsitzende Mario Reiß sagte, er hoffe auf konstruktive
und ehrliche Gespräche. Man könne jedoch nicht sagen, dass man der GDL die Hand reiche, „aber der Abstand ist so weit zwischen uns, dass wir uns noch nicht einmal sehen“. Deshalb müsse man sich erst einmal annähern, „bevor wir uns die Hand reichen“. Im besten Falle werde es dann „überhaupt kein Störgeräusch geben bei der Deutschen Bahn“, sagte der GDL-Chef. Reiß ist Nachfolger von Claus Weselsky, der als langjähriger Chef der Lokführergewerkschaft immer wieder für einen scharfen Ton
in der Auseinandersetzung und längere Streiks gesorgt hat.
Reiß: Bahn entscheidet
„Die GDL hat 40 Forderungspunkte, die sich im Wesentlichen um das Entgelt drehen“, betonte Reiß. Die Gewerkschaft will unter anderem bis zu acht Prozent mehr Geld durchsetzen. Dabei soll es eine allgemeine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent geben. Hinzu kämen etwa spürbare Zuwächse bei den Zulagen sowie Verbesserungen für Ausbilder und Prämien für die betriebliche Rente. Arbeitszeit stehe in dieser Tarifrunde nicht zur Debatte, sagte Reiß. Deswegen glaube er, dass diese Themen „beherrschbar“ seien und man bis Ende Februar Lösungen dafür finden könne. Die Tarifverträge der GDL gelten für rund 10.000 Mitarbeiter, etwa fünf Prozent des gesamten Konzerns. Neben dem Staatsunternehmen DB verhandelt die GDL auch mit rund 60 anderen Tarifpartnern.
Die krisengeplagte Bahn befindet sich derzeit im Umbruch. Die neue Chefin Evelyn Palla will vor allem die Zentrale verschlanken und den operativen Einheiten mehr Verantwortung geben. Die Bahn wird die schwierige wirtschaftliche Lage zum Thema in den Verhandlungen machen, vor allem bei der Frachttochtergesellschaft DB Cargo, der eine Zerschlagung droht. Seiler betonte, es gebe gemeinsam mit den Gewerkschaften eine große Verantwortung dafür, dass die Bahn besser, zuverlässiger und kundenfreundlicher werde. „Dem wollen wir in diesen Verhandlungen Rechnung tragen.“
Sollte es doch zu Arbeitskämpfen kommen, werde das auch wirtschaftlichen Schaden verursachen, räumte Reiß ein. „Wir wollen das auf jeden Fall vermeiden“, betonte der GDL-Chef. Die Gewerkschaft sei aber nur ein Teil der Gespräche. „Unser Verhandlungspartner wird darüber entscheiden, ob wir jemals über Streik reden in dieser Tarifrunde.“