Neue Sulfur-Klasse: Mercedes will seine Ikone zurück an die Spitze schaffen

Er soll wieder leuchten, der Stern von Mercedes. Und auf der S-Klasse, die der Autohersteller am Donnerstag im Stuttgarter Mercedes-Museum vorgestellt hat, leuchtet das markante Emblem wirklich – und zwar vorne auf der Motorhaube. Das illuminierte Element ist eine der offensichtlichsten Neuerungen, mit der das baden-württembergische Traditionsunternehmen seine Oberklasselimousine wieder attraktiv machen will.

Dabei ist die S-Klasse nicht irgendein Fahrzeug für Mercedes – es ist das Auto, das seit einem halben Jahrhundert Standards gesetzt hat. Doch die Reputation der S-Klasse hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, die Verkäufe gingen kontinuierlich so deutlich zurück, dass der einst riesige Vorsprung auf die Siebener-Reihe von BMW verspielt wurde.

Die Hoffnungen, die Mercedes mit dem nun präsentierten Modell verbindet, sind deshalb immens – und der Anspruch könnte kaum größer sein. Vorstandschef Ola Källenius wählte zur Neuvorstellung pathetische Worte. Kein Auto verkörpere das Erbe der 140-jährigen Geschichte des Mercedes-Konzerns mehr als die S-Klasse. „Sie bleibt unser Maßstab – und unser Versprechen“, sagte Källenius anlässlich der Präsentation an diesem historischen Tag. Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an.

Äußeres Erscheinungsbild nicht grundlegend verändert

In den Worten spiegeln sich die Erwartungen, dass die Neuerungen der S-Klasse auch die Verkaufszahlen wieder nach vorn bringen. Die nun aktualisierte Version der S-Klasse von 2021 hat eine neue digitale und elektronische Architektur, neue elektrifizierte Verbrennungsmotoren, zudem wird das Fahrzeug durch das neue Betriebssystem MB.OS gesteuert. Doch auch wenn Mercedes nach eigenen Angaben in dem Auto 2700 Komponenten überarbeitet oder neu entwickelt hat, hat sich das äußere Erscheinungsbild der Limousine nicht grundlegend verändert.

Bei allem Glitzer und Glanz, bei allen Verweisen auf die Geschichte der für das Unternehmen so wichtigen S-Klasse zeigen die Zahlen indes, wie dringend nötig die Auffrischung der Vorzeigelimousine für Mercedes ist. Nach Informationen der F.A.Z. hat Mercedes erstmals weniger S-Klasse-Limousinen und EQS-Modelle verkauft als BMW von seiner Siebener-Reihe und dem elektrifizierten EQS-Konkurrenten i7. Auf Basis der Marktdaten von IHS Automotive hat Mercedes im Jahr 2025 nur noch 35.000 S-Klasse-Modelle verkauft, dazu kommen 5000 EQS der elektrischen S-Klasse von Mercedes.

BMW kommt nach den Zahlen des Analyseunternehmens beim Absatz seiner Siebener-Reihe und dem elektrifizierten EQS-Konkurrenten i7 auf rund 45.000 Einheiten. Nur wenn die ungleich teurere Maybach S-Klasse hinzugerechnet wird, die eigentlich gegen die BMW-Edelmarke Rolls-Royce antritt, kommt Mercedes mit rund 54.000 verkauften Luxuskarossen noch auf einen höheren Wert als der Erzrivale aus München. BMW bestätigte auf Anfrage die hochgerechneten Zahlen ebenso wie Mercedes.

Für die Stuttgarter zählt die Maybach-Variante der S-Klasse zum Segment Oberklasse Limousinen, in München sieht man das anders: Sie sehen den Wettbewerber zur ihrer Siebener-Reihe in der normalen S-Klasse, die preislich bei 110.000 Euro beginnt, und nicht in den doppelt so teuren Maybach-Versionen. Überraschend ist der Niedergang nicht. Mercedes hat die Produktion von S-Klasse und EQS in Sindelfingen erheblich gedrosselt. Seit gut einem Jahr werden beide Modelle in der sogenannten Factory 56 nur noch im Ein-Schicht-Betrieb gefertigt.

Die Mercedes S-Klasse („Sonderklasse“), 1972 erstmals unter dem Namen eingeführt, ist eine Ikone. Früher lagen Welten zwischen den Topmodellen von Mercedes und BMW. Am größten war die Lücke zwischen Siebener- und S-Klasse vor zehn Jahren. Damals verkauften die Stuttgarter gut 100.000 Einheiten ihrer Luxuslimousine, während die Münchner mit knapp 49.000 verkauften Siebenern auf nicht einmal die Hälfte kamen. Es war die Zeit, als die S-Klasse in bester Verfassung war, während BMW gerade die fünfte Generation des eigenen Flaggschiffs abgelöst hatte.

Vorsprung aufgebraucht

Doch in den vergangenen Jahren hat Mercedes den Vorsprung, den frühere S-Klasse-Modelle herausgefahren hatten, mit der aktuellen Generation aufgebraucht. Eigene Zahlen zur S-Klasse-Limousine hat Mercedes das letzte Mal im Geschäftsjahr 2020 ausgewiesen; damals waren es 53.800 Fahrzeuge. Seitdem werden die Zahlen nicht mehr aufgeschlüsselt, sondern nur noch bunt zusammengemischt.

Mercedes hat im Luxussegment Jahr für Jahr deutlich stärker verloren als BMW. Vor allem der Versuch, mit dem EQS im Elektromarkt Fuß zu fassen, ging gehörig daneben. Die erste Generation dieser Luxusbatterieautos konnte die anspruchsvolle Klientel weder optisch noch technologisch überzeugen. Von dem elektrischen Topmodell EQS, das 2025 rund 5000-mal verkauft wurde, wollte Mercedes einst die zehnfache Menge absetzen. Zwar ist auch der BMW i7 unter den früheren Erwartungen geblieben, allerdings bauen die Münchner davon noch immer dreimal so viele Autos wie Mercedes.

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