Neue PWC-Umfrage: Vielen Managern fehlt dasjenige Vertrauen

Das Vertrauen der Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen in ihren Geschäftsausblick ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken, niedriger war es zuletzt zu Zeiten der Corona-Pandemie. Lediglich 30 Prozent der Unternehmenslenker erwarten für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum ihres Umsatzes. Dies hat der neueste, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellte „Global CEO Outlook“ der Beratungsgesellschaft PWC ergeben, für den 4454 Vorstandsvorsitzende aus 95 Ländern befragt wurden.

Ein Grund für das geringe Vertrauen mag auf den ersten Blick erstaunen. 56 Prozent der Vorstandsvorsitzenden sehen bisher keine bedeutenden finanziellen Vorteile für ihr Unternehmen aus dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Nur 12 Prozent der Manager berichteten davon, dass KI-Anwendungen ihre Kosten gesenkt und ihre Erlöse erhöht hätten.

„KI ist ein Muss“

Unbefriedigende Ergebnisse aus dem Einsatz Künstlicher Intelligenz wird bei PWC mit einem nicht konsequenten Einsatz der neuen Technologie begründet. „Künstliche Intelligenz ist ein Muss“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Beratungsunternehmens, Mohamed Kande, in Davos. Die deutschen Vorstandsvorsitzenden schätzen die Aussichten einer erfolgreichen Einführung von Künstlicher Intelligenz größer ein als ihre internationalen Kollegen.

Vielen Vorstandsvorsitzenden ist die Notwendigkeit, ihre Unternehmen möglichst rasch an eine sich ändernde Welt anzupassen, sehr wohl bewusst. Dies gilt umso mehr für Unternehmen, deren traditionelle Stammgeschäfte unter dem technologischen Wandel leiden und in neue Geschäftsfelder expandieren wollen.

Überdurchschnittlich groß wird die Notwendigkeit zum Wandel in Deutschland empfunden. „Für 57 Prozent der befragten deutschen Vorstandsvorsitzenden lautet die drängendste Frage: Transformieren wir unser Unternehmen schnell genug, um mit dem Umfang und Tempo des technologischen Wandels – insbesondere bei KI – Schritt zu halten?“, heißt es in der Studie. Und 52 Prozent der deutschen Vorstandsvorsitzenden geben an, dass ihre Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren begonnen haben, in neuen Branchen zu konkurrieren.

Cyberrisiken als größte Gefahr

Allen Standortnachteilen zum Trotz bleibt Deutschland aus Sicht der internationalen Manager ein wichtiges Ziel für Anlageinvestitionen. Immerhin 13 Prozent der Vorstandsvorsitzenden planen in den kommenden 12 Monaten in Deutschland Anlageinvestitionen. Hinter den dominierenden Vereinigten Staaten (35 Prozent der globalen Vorstandsvorsitzenden wollen dort investieren) und liegt Deutschland mit Großbritannien und Indien auf Platz zwei.

Die Geopolitik treibt vielen Managern Sorgenfalten auf die Stirn. Nach den Worten Kandes verbinden sich für die Unternehmen die Großthemen Geopolitik und Technologie. Denn als größte Gefahr betrachten die Vorstandsvorsitzenden Cyberrisiken noch vor einer Wirtschaftskrise oder internationalen Konflikten. „In Deutschland gibt es viele Unternehmen, die über beachtliche finanzielle Ressourcen verfügen – aber häufig nicht ausreichend in Cybersicherheit investieren“, hat PWC beobachtet.

„Global zu sein, wird zu einem Risiko“

Viele Unternehmen hielten Geopolitik für wichtig, doch habe nur eine begrenzte Zahl umfassende Kompetenzen aufgebaut, betont eine Analyse des Weltwirtschaftsforums, zu der die IMD Business School (Lausanne) und das Beratungsunternehmen Boston Consulting beigetragen haben. „Diese Unternehmen betrachten Geopolitik nicht als eine vorübergehen Ablenkung oder zu bewältigendes Risiko, sondern als zentralen und systematischen Input für ihre Entscheidungsfindung, unter anderem mit Blick auf Investitionen, Beschaffung und Vertrieb“, heißt es in der Studie.

Zahlreiche andere Unternehmen sehen in geopolitischen Veränderungen vor allem eine Quelle von Gefahren für ihr Geschäftsmodell. „Global zu sein war früher ein Vorteil, jetzt wird es zu einem Risiko“, sagte eine Führungskraft, eine andere bezeichnete ihre Strategie mit den Worten: „Unser bisheriger Ansatz war reaktiv, auf Verteidigung ausgerichtet und nicht auf Vorausschau.“ Besonders Vertreter kapitalintensiver Branchen verwiesen auf die Schwierigkeit eines Kompromisses zwischen dem Ziel der Gewinnmaximierung und dem Aufbau von Resilienz, der Geld kostet. „Wenn wir zu früh aussteigen, verlieren wir; wenn wir zu spät aussteigen, verlieren wir auch,“ bemerkte ein Manager mit Blick auf Investitionen in Regionen, die aus geopolitischer Sicht schwierig erscheinen. Die Studie gelangt zu dem Ergebnis, dass ein professionellerer Umgang mit dem Thema Geopolitik in Unternehmen Aussichten böte, auch die mit der Veränderung der Welt verbundenen Chancen zu sehen.

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