Die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe erweitert ihr Cybersicherheits-Portfolio und bringt eine durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützte Plattform mit dem israelisch-amerikanischen Unternehmen Sentinel One auf den Markt. Das kündigten die Schwarz-Digits-Geschäftsführer Rolf Schumann und Christian Müller im Gespräch mit der F.A.Z. an. „Wir sind als Schwarz-Gruppe selbst Kunde von Sentinel One und kennen das Produkt gut“, sagt Schumann. Der einzige Nachteil sei gewesen, dass anfallende Daten in Amerika gespeichert würden. Die gemeinsame Plattform, in die auch das bisherige Kernangebot XM Cyber integriert werden soll, werde auf der Schwarz-Cloud Stackit laufen. „Damit sind wir zusammen der einzige Anbieter, der eine vergleichbare Lösung digital souverän anbietet.“
Das ebenfalls in Israel gegründete XM Cyber hatte die vor allem für den Discounter Lidl und den Supermarkt Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe im Jahr 2021 übernommen. XM Cyber analysiert kontinuierlich die Schwachstellen in den Systemen von Organisationen und rät ihnen, welche es als Erstes zu schließen gilt. Die Software von Sentinel One soll hingegen konkrete Hackerangriffe erkennen und abwehren. Der wichtigste Konkurrent des Unternehmens ist Crowdstrike, das im vergangenen Jahr durch ein fehlerhaftes Update große Teile der globalen Wirtschaft lahmlegte. Für das Cybersicherheitsangebot von Schwarz ist die Plattform von Sentinel One eine wichtige Ergänzung, um einen deutlich größeren Teil des Bedarfs abdecken zu können.
Trend zur Konsolidierung in der Cybersicherheitsbranche
Schwarz Digits setzt damit auch auf den Trend zur Konsolidierung in der Cybersicherheitsbranche. Jahrelang entwickelten Anbieter immer bessere, aber auch speziellere Dienste, die einen bestimmten Teilaspekt sehr gut abdeckten. Das führte dazu, dass Unternehmen oft Dutzende Lösungen parallel im Einsatz hatten. Inzwischen geht der Trend wieder zu integrierten Plattformen, um die Komplexität zu reduzieren. „Die Lösungen müssen dann aber auch vernünftig integriert werden, sonst bietet es für Kunden keinen Mehrwert“, sagt Schumann. Weitere Partnerschaften oder Zukäufe schließt er deshalb langfristig nicht aus, es müsse aber passen. Zunächst sei man nun zufrieden mit seinem Angebot.
Die Partnerschaft mit Sentinel One soll auch Lösungen zum Schutz gegen durch Künstliche Intelligenz entstehende IT-Sicherheitsrisiken hervorbringen. Müller und Schumann verweisen unter anderem auf sogenannte KI-Agenten, die in Unternehmensprozessen eigenständige Entscheidungen treffen können. Schon heute kommen solche Agenten beispielsweise im Einkauf zum Einsatz, um automatisiert das Lager aufzufüllen. „Stellen Sie sich vor, jemand manipuliert Ihren Agenten, sodass seine Entscheidungen minimal immer stärker abweichen, ohne dass Sie es merken. Und plötzlich hängt der zwei Nullen an Ihre Hackfleischbestellung dran“, sagt Müller. „Die Ware kann man dann nur noch entsorgen, der Schaden ist enorm.“
Das könne insbesondere deshalb zum Problem werden, weil immer mehr Hacker nicht nur auf Erpressung aus seien, sondern – etwa im Auftrag feindlich gesinnter Staaten – die Wirtschaft sabotieren wollten. „Wir befinden uns in einer neuen Ära des Cyberkriegs, in der KI gegen KI kämpft“, sagt der Sentinel-One-Mitgründer Tomer Weingarten. „Dafür benötigen wir autonome, KI-gesteuerte Verteidigung, die Bedrohungen in Echtzeit und ohne menschliches Eingreifen neutralisieren kann.“