Der Krieg im Nahen Osten lastet auf den Anleihemärkten und verteuert die staatliche Neuverschuldung. In der Erwartung höherer Inflation sind die Anleiherenditen in vielen Ländern zu Wochenbeginn spürbar gestiegen. Dabei zeigte die Kurve für die Renditen langfristiger Staatsanleihen schon zuvor nach oben. Die globale Staatsverschuldung steuert auf ein Rekordniveau zu.
Mit 17 Billionen Dollar erreichte die Bruttokreditaufnahme in den Industrieländern der OECD im vergangenen Jahr einen Rekordwert. Dieses Jahr sei ein Anstieg auf 18 Billionen Dollar zu erwarten, heißt es in einem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch veröffentlichtem Bericht. Die Organisation zählt 38 Mitglieder, darunter die Vereinigten Staaten, Japan und die Mehrzahl der europäischen Staaten.
Zwar sank die Bruttokreditaufnahme gemessen an der Wirtschaftsleistung nach den OECD-Angaben leicht auf 23 Prozent. 2026 werde sie aber voraussichtlich wieder auf 24 Prozent steigen. Zugleich zogen die Renditen langfristiger Staatsanleihen 2025 weiter an, während die kurz- bis mittelfristigen Renditen sich stabilisiert haben. „Die Besorgnis über die fiskalische Entwicklung ist ein wichtiger Faktor“, schreibt die OECD.
Auch die Zinsausgaben bereiten der OECD Sorge
„Der erhöhte Finanzierungsbedarf in Verbindung mit einer sinkenden Nachfrage nach langfristigen Anleihen und einer erhöhten Risikowahrnehmung hat zu höheren Laufzeitprämien und steileren Zinskurven beigetragen“, resümiert die Organisation. Als Reaktion darauf hätten viele Länder ihre Emissionen auf kürzere Laufzeiten verlagert, obwohl das die Refinanzierungsrisiken erhöhe.
Die ausstehenden Staatsschulden in den OECD-Ländern erreichten im vergangenen Jahr mit 61 Billionen Dollar einen Höchststand, heißt es weiter. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verharrte die Staatsverschuldung auf 83 Prozent. In diesem Jahr dürfte sie auf 85 Prozent steigen. Das sei der höchste Stand seit 2021 und ein Anstieg von 39 Prozentpunkten gegenüber 2007, dem Jahr vor Beginn der globalen Finanzkrise, heißt es.
Auch die Zinsausgaben bereiten der OECD Sorge. Sie blieben mit 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung im gesamten OECD-Raum hoch und lägen nahe dem Höchststand der vergangenen zehn Jahre von 3,4 Prozent, heißt es. Die Neuverschuldung in Nicht-Industriestaaten erreichte mit 3,4 Billionen Dollar ebenfalls einen Rekordwert.
Die Konsolidierung nicht schleifen lassen
Der Gesamtschuldenstand in den Nicht-Industrieländern betrug 2025 den Rekordwert von 12,1 Billionen Dollar. Das entspricht nach den OECD-Angaben rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung und sei der höchste Stand vor 2007. Während die Risikoaufschläge für die meisten größeren Emittenten sich verringert hätten, sähen sich insbesondere ärmere Länder mit einem „schwierigen Finanzierungsumfeld“ konfrontiert.
Trotz dieses schwierigen Umfelds hätten die Staatsanleihemärkte wegen einer erhöhten Liquidität weiterhin effektiv funktioniert, stellt die OECD fest. Sie hätten die Rekordemissionen „reibungslos absorbiert“. Die Kombination aus Rekordemissionen, der wachsenden Bedeutung von Marktteilnehmern, die mit geliehenem Geld investieren, und erhöhter politischer Unsicherheit erhöhe jedoch die „Anfälligkeit der Märkte für Phasen erhöhter Volatilität“.
Die OECD appelliert an die Staaten, ihre Hausaufgaben zu machen, also die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen nicht schleifen zu lassen. „Die langfristige Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Anleihemärkte hängt letztlich davon ab, dass Regierungen und Unternehmen die Tragfähigkeit ihrer Verschuldung sicherstellen“, heißt es. Verstärkte Anstrengungen zur Förderung einer umsichtigen Finanzpolitik und zur Steigerung der Effizienz der öffentlichen Ausgaben trügen dazu bei, die derzeit hohe Schuldenlast zu bewältigen.
Source: faz.net