In vier Wochen gründet sich die neue Jugendorganisation der AfD. Die Vorbereitungen verlaufen geräuschlos, was insofern bemerkenswert ist, als die alte Parteijugend im Frühjahr zum Ärger vieler ihrer Mitglieder aufgelöst worden war. Die Fronten zwischen Jugend und Bundesvorstand waren verhärtet gewesen. Wie soll ein friedlicher Neuanfang da möglich sein?
Tatsächlich stehen sowohl ein vorläufiges Statut, also das Regelwerk, das die Parteijugend sich selbst geben will, als auch die wichtigste Personalie schon ziemlich fest. Neuer Bundesvorsitzender will der 28 Jahre alte Brandenburger Jean-Pascal Hohm werden; er kann Gegenkandidaturen zwar nicht ausschließen, sieht aber die Mehrheit in den Landesverbänden hinter sich; auch aus dem Bundesvorstand bekommt er Rückendeckung. Hohm hatte die Auflösung der „Jungen Alternative“ unterstützt. Nicht, weil sie ihm zu radikal gewesen wäre. Hohm gilt selbst als einer der einflussreichsten Rechtsextremisten in Brandenburg; das Landesamt für Verfassungsschutz erwähnt ihn in seinem Vermerk, der die Hochstufung der AfD zur gesichert rechtsextremistischen Kraft begründet, an vielen Stellen.
Hohm gilt als sehr gut vernetzt mit der rechtsextremen Subkultur vor allem in Südbrandenburg und als geschickt darin, gerade unter jungen Menschen neue AfD-Anhänger zu gewinnen. Seine Wahl an die Spitze dürfte also nicht zu einer inhaltlichen Mäßigung der Parteijugend führen, womöglich aber zu geschickterem Agieren. Hohm wird vom Verfassungsschutz auch mit einer Aussage zitiert, wonach die Neuorganisation der Parteijugend diese „besser vor staatlicher Repression“ schützen solle, also auch vor einem zuletzt drohenden Verbot.
Im Gespräch mit der F.A.Z. ließ Hohm am Mittwoch erkennen, dass er vor allem die Zusammenarbeit von Mutterpartei und Jugendorganisation verbessern will, zum Nutzen beider. „Die Hauptaufgabe der Jugendorganisation wird darin bestehen, die Partei zu stärken – nicht darin, sich im Aktivismus zu verlieren.“ Die „Junge Alternative“ habe „innerparteilich zu wenig Gewicht“ gehabt, weil sie sich „zu selten aktiv in die Parteistrukturen“ eingebracht habe.
„Wer ernst genommen werden will, kann nicht nur am Rand stehen und die Arbeit anderer kritisieren, sondern muss selbst dazu beitragen, dass sich die Dinge verbessern“, so Hohm. Damit spielt er darauf an, dass die frühere Parteijugend sich eher als Teil des aktivistischen Vorfelds verstanden hatte denn als Teil der Partei.
Sehr enge Bindung an die AfD
Dass dies künftig anders sein soll, wird auch durch das Statut deutlich, das die Parteijugend sich geben will. Die aktuelle Fassung liegt der F.A.Z. vor; an ihr wird zwar noch gefeilt, doch laut Hohm geht es dabei eher um Details wie die Frage, ob im Regelwerk auch festgehalten werden soll, dass der Name der Organisation – sie soll „Generation Deutschland“ heißen – mit „GD“ abgekürzt wird, oder ob diese Abkürzung zunächst nicht fixiert wird.
Wichtiger ist die Bindung an die Mutterpartei. Diese soll dem achtseitigen Regelwerk zufolge sehr eng sein. Demnach soll die „Generation Deutschland“ der „Verbreitung des Parteiprogramms und des weltanschaulichen Gedankenguts der Partei und ihrer politischen Grundtendenz“ dienen, vor allem bei der Jugend. Auch soll sie „durch aktive Mitarbeit in den Gremien und Strukturen der Partei“ dabei helfen, das Parteiprogramm für junge Menschen attraktiver zu machen. Sie soll keine „organisatorische Bindung oder sonstige Loyalitätsbindung“ zu anderen Organisationen als der AfD pflegen.
Die „Junge Alternative“ war als eigenständiger Verein gegründet worden, der erst später an die Mutterpartei andockte – und entsprechend widerspenstig war, was deren Ansagen anging.
Nur als verlängerter AfD-Arm will die Parteijugend sich aber nicht verstehen. Hohm sieht nicht als Aufgabe, alles stumpf abzunicken, was die Parteiführung vorgibt, und weist darauf hin, dass auch in der Mutterpartei stets Debatten über die Ausrichtung der AfD geführt würden, also auch die Jugend an diesen Debatten teilnehmen werde. So öffnet er auch eine Tür für jene, die nach der Auflösung der „Jungen Alternative“ desillusioniert waren angesichts der Aussicht, dass die Parteijugend künftig angepasster auftreten würde. „Ich sehe auch bei jenen, die die Auflösung der JA kritisiert haben, die Bereitschaft, sich nun in der neuen Organisation einzubringen“, gibt Hohm sich optimistisch. Aktuell liege die Zahl derer, die Mitglied der „Generation Deutschland“ werden wollten, bei rund 1700 Personen. Diese Zahl wachse aber beständig.
Finanzieren soll sich die AfD-Jugend über Mitgliedsbeiträge. Hohm rechnet zunächst mit 100.000 bis 120.000 Euro im Jahr. Als eine seiner wichtigsten Aufgaben begreift er es, Fördermitglieder zu gewinnen, also etwa Bundestagsabgeordnete der AfD, die die Parteijugend finanziell unterstützen wollen.
Die Parteispitze wiederum erhofft sich von der gezähmten Jugend, dass diese junge Wähler für die Partei begeistert; das war in der Vergangenheit auch schon der in den sozialen Netzwerken, aber auch in den Kommunen sehr aktiven „Jungen Alternative“ gelungen. Die Parteijugend soll dann auch eine Art Kaderschmiede sein, in der Talente gezielt gefördert werden. Bisher gestaltet sich die Nachwuchsförderung aus Sicht der Parteiführung als unbefriedigend und chaotisch.
Source: faz.net