Als Wilhelm der Eroberer vor tausend Jahren den Tower of
London baute, wollte er nicht nur eine Festung für seine Truppen schaffen. Das
mächtige Gebäude an der Themse, wie es damals kein zweites gab in England,
sollte den Inselbewohnern auch vor Augen halten, wer ab jetzt das Sagen
über sie haben würde: nicht mehr die angelsächsischen Könige, sondern neue
Herrscher, die siegreichen normannischen Invasoren.
Vor wenigen Tagen erteilte die britische Regierung einer
heutigen Großmacht die Genehmigung, auf dem historischen Kerngrund der
Hauptstadt eine ebenfalls hochsymbolische Feste zu errichten. Direkt neben dem
Tower soll eine neue chinesische Botschaft entstehen – und zwar eine Super
Embassy, gelegen auf einem Grundstück von 22.000 Quadratmetern, dem
Gelände der Royal Mint, der ehemaligen Königlichen Münzprägeanstalt. Der
Mega-Bau könnte nicht nur als ungewöhnlich großer und prominenter Solitär im
Herzen Londons stehen – eine Botschaft als Botschaft, sozusagen –, das geplante
Gebäude grenzt auch unmittelbar an die Internet-Glasfaserkabel, die die City
of Westminster mit dem Stadtteil Canary Wharf verbinden.