Neue Beitragserhöhungen: HUK-Coburg gibt keine Entwarnung

Deutschlands größter Autoversicherer, die HUK-Coburg, blickt nach den Worten des Vorstandssprechers Klaus-Jürgen Heitmann auf das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte zurück. Zum einen verdiente der in Coburg sitzende Konzern in seinem Kerngeschäft, der Kfz-Versicherung, wieder Geld, zum anderen erreichte das Neugeschäft über alle Sparten hinweg Rekorde. Doch was die Prämienerhöhungen in der Kfz-Versicherung betrifft, konnte Heitmann auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in München noch keine Entwarnung geben.

Solange die Autohersteller die Preise für Ersatzteile erhöhten, seien Beitragsanpassungen nicht auszuschließen. In den Jahren 2023 und 2024 erhöhte der Marktführer die Prämien für die Autoversicherung um jeweils 15 Prozent. Im Jahr 2025 gab es einen Nachschlag von acht Prozent. Auch dieses Jahr werde es voraussichtlich eine „notwendige Beitragsanpassung“ geben.

Autokonzerne verteuern Ersatzteile

Insgesamt dürften sich die Prämien für die bei der HUK-Coburg versicherten Autofahrer in den vergangenen Jahren um 30 Prozent verteuert haben, schätzte Jörg Rheinländer, der im Vorstand die Kfz-Versicherung verantwortet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die Prämien für Autoversicherungen in den Jahren 2020 bis 2024 um mehr als 40 Prozent erhöht. Nimmt man die Preiserhöhungen im vergangenen Jahr hinzu, liegt der Preisanstieg inzwischen über 50 Prozent.

Heitmann macht dafür neben der Preispolitik der Autokonzerne auch die höheren Stundenlöhne in den Werkstätten verantwortlich. Zum kommenden Jahreswechsel droht noch ein Zuschlag. Rheinländer bezifferte die Schadeninflation in diesem Jahr auf sieben Prozent, womit eine weitere Beitragsanpassung in dieser Höhe möglich ist.

Ertragswende dank Prämienerhöhungen

Trotz der Prämienerhöhungen zählt Heitmann die HUK-Coburg weiterhin zu den günstigsten Anbietern von Autopolicen. Hier stieg das Neugeschäft 2025 um 13 Prozent auf rund 1,9 Millionen versicherte Fahrzeuge. Der Bestand wuchs um knapp vier Prozent auf 14,5 Millionen Fahrzeuge. Die Bruttobeitragseinnahmen lagen in der Kfz-Versicherung mit 6,3 Milliarden Euro um 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Dank der Prämienerhöhungen und weniger Schäden verbesserte die HUK-Coburg die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 101,7 auf 96,2 Prozent. Damit war das Geschäft wieder profitabel, da die Beiträge höher waren als die Schaden- und Verwaltungskosten.

Wesentlicher Treiber für die Erholung waren nach Angaben Heitmanns die höheren Prämien, mit denen die Combined Ratio um gut zwölf Prozentpunkte sank. Knapp zwei Prozentpunkte waren der geringeren Schadenhäufigkeit zu verdanken. Dass 2025 ein Jahr moderater Elementarschäden, also weitestgehend frei von schweren Unwettern war, drückte nach Angaben Heitmanns die Schaden-Kosten-Quote um 1,3 Prozentpunkte. Um zehn Prozentpunkte wurde diese von der Schadeninflation nach oben getrieben. Rheinländer gibt in der Kfz-Versicherung keine Entwarnung: „Man segelt noch scharf am Wind.“

Pitstop-Werkstätten werden neues Standbein

Im Werkstattgeschäft wird die HUK-Coburg noch stärker aktiv. Der Konzern will sich nach der Übernahme der Werkstattkette Pitstop als Serviceanbieter rund um die Mobilität positionieren. „Die Mehrheitsbeteiligung an der Werkstattkette Pitstop ist ein wesentlicher Meilenstein für die weitere Ausrichtung unseres Unternehmens“, betonte Heitmann. Dies soll künftig durch das schrittweise Anbringen des HUK-Logos an den Außenfassaden der Pitstop-Filialen sichtbar werden.

Die Serviceleistungen sollen nach Heitmanns Worten nach und nach durch den schon bestehenden Gebrauchtwagenhandel und ein Leasingangebot für Bestandskunden der HUK ergänzt werden. Die HUK-Coburg soll nach seiner Vorstellung die Rolle als führender Kfz-Versicherer mit der Führungsposition als Anbieter rund um die Mobilität ergänzen. Die Kunden der HUK-Coburg profitieren zwar schon davon, wenn sie die von dem Versicherer vorgeschlagenen Werkstätten aufsuchen. Doch kommen für Karosserie- und Lackschäden dafür nicht die Filialen von Pitstop infrage. Diese sind auf Reifen, Bremsen, Stoßdämpfer und Glasschäden spezialisiert. Trotzdem hofft Heitmann auf eine bessere Verhandlungsmacht gegenüber Autokonzernen, wenn es um Ersatzteilpreise geht.

Um das Projekt „HUK Autowelt“ voranzutreiben, verfügt der Konzern über ausreichend Mittel. Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Beiträge um mehr als zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Das lag über dem Marktdurchschnitt von 6,6 Prozent. Das Kapitalanlageergebnis legte um mehr als ein Drittel auf 1,14 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Steuern erreichte knapp eine Milliarde Euro. Das war fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Nach Steuern stieg der Gewinn um 78 Prozent auf 621 Millionen Euro. Es war der höchste Gewinn in der Geschichte der HUK-Coburg.

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