Nestlé und dieser Riegelklau: Der große Kitkat-Klau und seine verblüffenden Folgen

Der Lebensmittelkonzern Nestlé legt Wert auf die Feststellung, dass Meldungen über die gestohlene Zwölf-Tonnen-Ladung mit Schokoladenriegeln der Marke Kitkat keineswegs ein Aprilscherz seien. Die Süßigkeiten seien tatsächlich verschwunden, und Nestlé versuche, sie zurückzubekommen.

Passiert war Folgendes: Ein Lastwagen hatte das italienische Turin mit einer für Polen bestimmten Ladung verlassen. Irgendwo auf der Strecke zu einem regionalen Warenlager wurde das Fahrzeug von Personen abgefangen, die sich als Polizeibeamte ausgaben. Innerhalb weniger Minuten wurde der Fahrer überwältigt und verschleppt. Als die Behörden alarmiert wurden, waren der Lastwagen samt Knusperriegeln verschwunden.

Nestlé lobt den guten Geschmack der Diebe

„Auch wenn wir den außergewöhnlich guten Geschmack der Kriminellen anerkennen, bleibt die Tatsache bestehen, dass Frachtdiebstahl für Unternehmen jeder Größe ein zunehmendes Problem ist“, teilte Kitkat in einer Erklärung mit. Dem Fahrer geht es nach Polizeiangaben gut, doch die Schokolade ist weg. Nestlé fordert Verbraucher, die ein Kitkat erworben haben, nun auf, die Artikelnummer in einen Onlinetracker einzugeben, um herauszufinden, ob es sich um einen Teil der Beute handelt.

Das Unternehmen sieht sich damit nicht nur mit dem Verbrechen, sondern auch mit einer Welle spöttischer Sympathiebekundungen konfrontiert, in denen sich Marketingmanager in sozialen Medien austoben. Eine verdeckte Einladung dazu gab Nestlé allerdings selbst mit der Erklärung, die Diebe hätten den bekannten Slogan „Take a break with Kitkat“ zu wörtlich genommen. „Break“ bedeutet schließlich sowohl Pause als auch Bruch.

Eine erste Reaktion kam von der britischen Pizzakette Domino’s: „Wir möchten Kitkat nach dieser traurigen Nachricht unser Mitgefühl aussprechen.“ Weiter hieß es: „Und in einer völlig unabhängigen Angelegenheit freuen wir uns, bekanntzugeben, dass wir nun eine neue Kitkat-Pizza verkaufen werden.“ Ein Foto zeigt eine Pizza, deren gewölbter Rand mit dem Knusperriegel gefüllt ist. Die Billigfluglinie Ryanair beschränkte sich darauf, ein Flugzeug mit überdimensionierten Schokoriegeln zu zeigen, die aus dem Cockpit ragen. Die Hamburgerkette McDonald’s in Frankreich teilte mit, dass sie Eiscreme mit Kitkat im Angebot habe.

Der Schnellrestaurantkonzern selbst hatte kürzlich erfahren, dass viral gehende Botschaften dem Geschäft nicht schaden müssen. McDonald’s-Chef Chris Kempczinski hatte mit einem Video Aufmerksamkeit auf den neuen Big-Arch-Burger lenken wollen, der jüngst in den USA auf den Markt kam. Aufmerksamkeit bekam er tatsächlich – allerdings nicht ganz so, wie er es sich wohl vorgestellt hatte. In dem Video probierte Kempczinski den Big Arch, den er als „Produkt“ bezeichnete. Er lobte ihn über alle Maßen, während sein Gesichtsausdruck eine andere Sprache sprach. Verschärft wurde der Eindruck – und damit die Kommentierlust in den sozialen Medien – dadurch, dass der hagere Konzernchef nur einen winzigen Bissen vom Burger nahm.

Die Konkurrenten Burger King und Wendy’s nutzten die Gelegenheit sofort und veröffentlichten ihrerseits spöttische Videos, in denen ihre Topmanager die eigenen Burger mit demonstrativer Entschlossenheit verzehrten. Ein dritter Konkurrent, Jack in the Box, verbreitete die Botschaft: „Kleine Happen? Das machen wir hier nicht.“ McDonald’s nahm die Auseinandersetzung gezwungenermaßen mit Humor und berichtete, die Debatte habe den Absatz des neuen Burgerprodukts beflügelt.

Nestlé versucht sich derweil an einem Balanceakt. Das Unternehmen reagiert mit Humor auf einen Missstand, auf den es zugleich aufmerksam machen will: Immer mehr Warenlieferungen kommen schlicht abhanden. „Der Diebstahl von Frachtgut hat sich zu einem organisierten, globalen Geschäft ausgeweitet, das die amerikanische Lkw-Branche inzwischen jährlich sieben Milliarden Dollar kostet“, teilen die American Trucking Associations mit. Die Täter würden immer raffinierter und geschickter im Einsatz moderner Technik. Nestlé beruhigt derweil: Die Versorgung mit Süßigkeiten zu Ostern sei nicht gefährdet.

AbsatzArchBehördenBotschaftenBruchBurgerChrisDiebstahlDollarFrankreichHumorJackKingLastwagenMedienOsternPersonenPolenPolizeibeamteRandRyanairSSchokoladeSelbstSpracheTäterTechnikTurinUnternehmenUSAVerbraucherVerbrechenVideoWill