Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl sammeln vor ihrem letzten Auftritt als „Tatort“-Kommissare Batic und Leitmayr an Ostern noch Ehrungen ein. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verabschiedete sie nach der Premiere ihres letzten Films in der Hochschule für Fernsehen und Film in München am vergangenen Freitag mit einer offiziellen Urkunde in den „Ruhestand“: Sie hätten nicht nur den „Tatort“ geprägt, sondern auch das Bild der bayerischen Polizei positiv beeinflusst, sagte er.
Tatsächlich verband das Schauspieler-Duo über viele Jahre eine enge Beziehung zur Münchner Polizei. Bereits im Jahr 2000 waren sie zu Ehrenkommissaren der bayerischen Polizei ernannt worden, eine Auszeichnung, die nur wenigen Persönlichkeiten verliehen wird. Zudem engagieren sich beide beim Münchner Blaulichtverein, unterstützen dessen Öffentlichkeitsarbeit und beteiligen sich regelmäßig an sozialen Projekten im Umfeld der Polizei.
Die Kommissare bedankten sich mit einem Ständchen bei ihrem Publikum und fassten ihre 35 „Tatort“-Jahre mit ihrem selbst gedichteten Lied „Am Sonntag um Viertel nach acht“ zusammen, zur Melodie von Hans Albers‘ „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.
„Die Milliarde habt Ihr sicher geknackt“
Die beiden Schauspieler, die auch vom Münchner Polizeipräsidenten Thomas Hampel und zwei Polizeipferden verabschiedet wurden, freuten sich, dass sie „mätzchenlos durch diese 35 Jahre“ gekommen seien und in ihren „Tatorten“ immer die Fälle im Fokus der Geschichten gestanden hätten und nicht die persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler.
Der Kulturdirektor des für den Münchner „Tatort“ verantwortlichen Bayerischen Rundfunks, Björn Wilhelm, rechnete vor, dass die beiden als Ermittler-Duo seit ihrem ersten Fall im Jahr 1991 rund 814 Millionen Zuschauer erreicht hätten – und das nur mit den Erstausstrahlungen ihrer Fälle am Sonntagabend im Ersten. Mit den Wiederholungen seien es noch viel mehr. „Die Milliarde habt Ihr sicher geknackt“, sagte Wilhelm. „Ihr habt Fernsehgeschichte geschrieben. Das klingt groß und das ist groß.“ Darum seien die beiden wie der Titel ihres letzten Falles: „unvergänglich“.
„Man glaubte diesen lebensklugen Männern, dass sie die Welt besser machen wollten“
Das Deutsche Fernsehkrimi-Festival würdigt Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl mit einem Ehrenpreis. Das wurde am Montag bekannt gegeben. „Freundlichkeit und Gelassenheit – seltene Eigenschaften. Und selten für moderne Ermittler im Krimi-Genre. Und doch gibt es einen Ort und zwei Menschen, die diese Eigenschaften leben durften – Ivo und Franz, zwei Kommissare im bayerischen Tatort“, so die Begründung. Viele Jahre hätten Nemec und Wachtveitl großartig ihre Rollen gespielt, immer leidenschaftlich mit ihren Fällen verbunden.
„Man glaubte diesen lebensklugen Männern, dass sie die Welt besser machen wollten und doch wussten, dass es nie ganz gelingen würde. Perfekt in ihrem fein austarierten Zusammenspiel, in dem es Raum für eine Menschlichkeit gab, die sich nicht auftrumpfend nach vorn drängte. Sie gehörte immer zu ihrem Wesen, selbstverständlich und natürlich“, so die Jury. Der Ehrenpreis soll am 3. Mai in Wiesbaden überreicht werden. Die Laudatio hält Produzentin und Jurymitglied Liane Jessen.
Die Auszeichnung wird seit 2019 für besondere Verdienste um den Fernsehkrimi vergeben. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger sind Ulrike Folkerts, Matthias Brandt und Barbara Auer, Eoin Moore, Anna Schudt, Alexander Held, Adele Neuhauser und Armin Rohde.
Source: faz.net