Der Redaktionsausschuss des NDR verlangt eine schnelle Klärung zur Frage der Moderation der von NDR und BR produzierten Sendung Klar. „Wir wünschen uns von der Geschäftsleitung so rasch wie möglich Aufklärung für alle Mitarbeitenden über die Hintergründe und Einzelheiten“, schrieb der Ausschuss in einer Stellungnahme. Dabei gehe es auch darum, die öffentliche Reputation des Norddeutschen Rundfunks zu schützen.
Es gebe „einen großen Informationsbedarf“ rund um die Weiterführung des Formats bei den Beschäftigten des Hauses, hieß es weiter. So sei die Entscheidung, Klar weiterzuführen, aber künftig nur beim BR von der abgesetzten Journalistin Julia Ruhs moderieren zu lassen, außerhalb des NDR offenbar teilweise sachlich falsch oder verzerrt verbreitet worden.
Tanit Koch soll Klar neben Ruhs moderieren
Ruhs war am vergangenen Dienstag nach drei Probesendungen als Moderatorin von Klar abgesetzt worden. Später wurde dann mitgeteilt, die Sendung werde wechselseitig von NDR und BR weitergeführt, Ruhs solle jedoch nur noch die Folgen beim Bayerischen Rundfunk moderieren.
An diesem Freitag teilte der NDR mit, für die Folgen beim eigenen Sender habe man die Journalistin Tanit Koch als Ruhs‘ Nachfolgerin engagiert. Sie werde auch redaktionell an dem Format mitarbeiten, teilte der Sender mit. Koch war unter anderem beim Magazin Focus als Autorin angestellt. Zuvor arbeitete sie als Chefredakteurin der Bild-Zeitung und bei RTL.
Sie freue sich sehr, Klar im Wechsel mit Julia Ruhs zu moderieren, sagte Koch. „Ich sehe es als Chance, mit meiner Perspektive von außen zur Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beizutragen.“ Juliane von Schwerin, stellvertretende Programmdirektorin beim NDR, sagte, mit Koch habe man eine versierte Journalistin und meinungsstarke Moderatorin gewonnen, deren „vielfältige Erfahrungen und Perspektiven (…) sehr gut zu Klar passen und das Profil des Formates stärken“.
DJV kritisiert „Einmischung“ der Union
Die Absetzung der als konservativ geltenden Moderatorin Ruhs hatte über die Sendergrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt. Vor allem aus der Unionsfraktion gab es Kritik am Vorgehen des NDR, das nach Auffassung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den Eindruck der Einseitigkeit in den öffentlich-rechtlichen Sendern verstärkt hat. CDU-Generalsekretär Linnemann forderte, die Rundfunkgebühren auf dem jetzigen Stand einzufrieren, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Reformen zu bringen. Das Vorgehen des NDR sei ein „Tiefpunkt in Sachen Debattenkultur“, sagte er.
In seiner Mitteilung reagierte der Redaktionsausschuss des NDR auch auf die Angriffe aus der Union und verwies auf die verfassungsrechtlich garantierte Rundfunkfreiheit und die redaktionelle Unabhängigkeit des Senders. Fragen zu Moderation und Gestaltung von Senderformaten liege allein beim NDR, „unabhängig und frei von politischer Einflussnahme“, teilte der Ausschuss mit.
Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Mika Beuster, kritisierte die „Einmischung“ der Politik in das Verfahren: „Die Drohung, den Rundfunkbeitrag einzufrieren, ist pure Erpressung und wäre verfassungswidrig“, sagte er.
Bei Klar sollen kontroverse Themen aus den Bereichen Gesellschaft und Politik behandelt werden. Die Pilotfolge vom April mit Ruhs als Moderatorin drehte sich um das Thema Migration. Allerdings war die erste Folge auch senderintern stark umstritten. So distanzierten sich rund 250 NDR-Beschäftigte in einem offenen Brief von der Sendung und kritisierten unter anderem eine „mangelnde Ausgewogenheit der Sendung, eine Überfrachtung mit Einzelthemen sowie eine zu starke Emotionalisierung“.