Nato-Manöver: Steadfast Dart übt in Deutschland den Ernstfall

Steadfast Dart 26 (auf Deutsch etwa: standfester Pfeil) ist die größte Nato-Übung 2026 und die größte ihrer Art seit knapp sieben Jahren. Rund 10.000 Soldaten aus elf europäischen Ländern üben die Verlegung von Süden und Westen nach Norden und Osten – in Zeiten einer möglichen Bedrohung durch Russland. Noch bis Ende März sind sie vor allem in Norddeutschland auf See, in der Luft und an Land im Einsatz. Auch Weltraum- und Cyber-Einheiten sind dabei. Das Manöver wird auch für viele Menschen in Deutschland sichtbar sein. Die wichtigsten Fragen zur Nato-Übung

Worum geht es bei der Übung?

Tausende Soldatinnen und Soldaten, Material und Militärfahrzeuge aus elf verschiedenen europäischen Ländern wurden in den vergangenen Wochen nach Deutschland verlegt: Kriegs- und Frachtschiffe kamen in deutschen Häfen an, entluden Militärfahrzeuge, Tankwagen, Geländefahrzeuge und weiteres Material. Konvois rollten aus Italien oder Tschechien nach Deutschland. Truppen wurden aus der Türkei und Griechenland eingeflogen. Mehr als 1.500 Militärfahrzeuge, darunter Kampfpanzer und Raketenwerfer und mehr als 20 Kampfjets und weitere Flugzeuge sowie 17 Marineschiffe, kommen laut Nato zum Einsatz. 

Die rund 10.000 Soldaten kommen aus Italien, Griechenland, Deutschland,
Tschechien, Spanien, Litauen,
Bulgarien, der Türkei, Frankreich, Belgien und Großbritannien. Die USA sind
nicht Teil der Übung. Das hat nach Angaben der Nato aber keinen
politischen Hintergrund: Die beteiligten Nationen in der sogenannten
schnellen Eingreiftruppe wechseln immer wieder
durch. 

Für kommende Woche werden auch Verteidigungsminister
Boris Pistorius (SPD) und seine spanische Amtskollegin Margarita Robles bei dem Manöver erwartet. 

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Was ist das Ziel des Manövers?

Mit dem Großmanöver will die Nato zum Beispiel eine mögliche Bedrohungslage in der Ostsee trainieren. Im Zentrum der Übung steht die schnelle Eingreiftruppe der Nato, die Allied Reaction Force (ARF). Die Einheiten umfassen rund 40.000 Soldaten und stehen ständig bereit. Sie sollen innerhalb kürzester Zeit in ganz Europa einsatzbereit sein. Und genau das wird bei Steadfast Dart geübt. 

Einerseits wurde in einer Verlegephase ab Mitte Januar erprobt, wie Soldaten, Waffensysteme und Ausrüstung effizient organisiert und schnell innerhalb des Nato-Gebiets verlegt werden können. Andererseits sollen nun bis Ende März die ARF-Einheiten in einer Probephase verschiedene Szenarien im Falle eines Angriffs trainieren. 

Zwar betont die Nato, dass sich die Übung nicht gegen ein konkretes Land wie Russland richte – sondern „defensiv ausgerichtet“ sei, also den Verteidigungsfall übt. Es geht bei dem Manöver darum, der Öffentlichkeit und damit auch
potenziellen Angreifern von Nato-Gebieten zu zeigen, dass das Bündnis
innerhalb Europas schnell Truppen zusammenziehen und in alle Himmelsrichtungen verlegen kann.

Dennoch findet das Manöver in Zeiten einer angespannten Sicherheitslage durch Russland statt, vor der die baltischen Nato-Mitglieder schon lange warnen. „Gerade in diesen Zeiten ist es so wichtig, dass wir die Einigkeit
unserer Allianz, unserer Nato demonstrieren“, sagte der deutsche Nato-General Ingo Gerhartz. Es
gehe nicht um eine Botschaft gegen jemanden, sondern um eine
360-Grad-Botschaft einer hohen Nato-Einsatzbereitschaft sowie der Einigkeit in das Bündnis hinein.

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Wo findet die Übung statt?

Deutschland ist das Gastgeberland und somit einer der zentralen Schauplätze für das Manöver. Besonders seit Februar ist der Truppenübungsplatz Bergen im Landkreis Celle in Niedersachsen ein Hauptort – es ist auch einer der größten Truppenübungsplätze in Europa überhaupt. In Emden wurden etwa in den vergangenen Wochen rund 2.000 Militärfahrzeuge verlegt. 

Die Übung erstreckt sich auch über mehrere Standorte in Mitteleuropa.
Die wichtigsten Bestandteile der zweiten Phase finden aber in Deutschland statt. Neben
der Lüneburger Heide wird etwa an der Ostseeküste und in Kiel geübt.

Die deutsche Marine beteiligt sich mit drei Schiffen an dem Manöver. Das Flaggschiff des Flottenverbands ist aber das spanische Docklandungsschiff Castilla, das Raum für mehrere Boote, Geländefahrzeuge und sogar einen Hubschrauber hat. Am Truppenübungsplatz Putlos östlich von Kiel etwa wird demnächst mit der Castilla eine amphibische Landung geübt.

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Deutschland ist Drehscheibe – was bedeutet das genau?

Bei dem Manöver geht es insbesondere um die Rolle Deutschlands als sogenannte Drehscheibe. Konkret bedeutet das: Im Konfliktfall mit Russland etwa an der Nato-Ostgrenze wäre Deutschland aufgrund seiner geografischen Lage mitten in Europa der wichtigste Logistikknotenpunkt und daher Transitland. Mit sehr kurzer Vorlaufzeit könnten gegebenenfalls bis zu 800.000 Soldaten samt Bewaffnung aus verschiedenen Nato-Staaten über Deutschland nach Osten verlegt werden. In einem deutschen Hafen können etwa Truppen aus anderen Ländern über
den Seeweg anlanden und auf dem Landweg weitergeschickt werden. De facto führten alle Nachschubwege über Deutschland, hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, gesagt.

Deutschland sorgt als „Gastgeber“ für Verpflegung, Unterkünfte, Treibstoff, medizinische
Versorgung, technische Unterstützung, Rechtsberatung und Bewachung der
alliierten Truppen. 

Alle geplanten Abläufe werden „real angewendet“, teilte die Bundeswehr der ZEIT mit. Die Erkenntnisse sollen am Ende vor allem in den „Operationsplan Deutschland“ – ein im Detail geheimes Dokument, in dem potenzielle Momente des Ernstfalls aufgeschrieben sind – einfließen und „helfen dabei, die Prozesse weiter zu optimieren“. Wenn zum Beispiel schwierige Wetterbedingungen, wie sie in den vergangenen Wochen im Norden vorherrschten, zu Verzögerungen führen, wird das bei künftigen Abläufen „im weiteren Planungsprozess berücksichtigt“. Aber auch Abstimmungen und Koordination mit Kommunen und Bundesländern werden dabei eingerechnet. 

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Was bekommt man von dem Manöver mit?

Militärfahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen auf deutschen Straßen? Das ist auch Teil des Bildes von Steadfast Dart 26. Die Nato-Einheiten fahren nämlich über Straßen, nutzen Brücken und auch Schienen. Die Kolonnen werden zudem über Autobahnen geführt, Menschen werden auch gepanzerte Fahrzeuge sehen. Die Bundeswehr betont jedoch, dass alle Maßnahmen eng mit den jeweils zuständigen zivilen Institutionen abgestimmt seien. Marschkolonnen werden rechtzeitig angekündigt und sollen zum Beispiel durch Begleitfahrzeuge mit Blaulicht deutlich sichtbar sein. Im Einzelfall, zum Beispiel bei Verlegungen im öffentlichen Straßenverkehr, kann es trotzdem zu Beeinträchtigungen kommen. 

Außerdem findet in Hannover kommende Woche auch ein Nato-Empfang anlässlich des Steadfast-Dart-Manövers mit hochrangigen Politikern und Militärs statt. Dabei werden in der niedersächsischen Landeshauptstadt zahlreiche Straßen im Zentrum gesperrt.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters und AFP

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