Trump hat die Nato-Verbündeten aufgefordert, sich an einer Mission zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Nato-Chef Rutte stellt Hilfe in Aussicht – und widerspricht damit Aussagen europäischer Verbündeter.
Während es widersprüchliche Äußerungen aus den USA und dem Iran über diplomatische Bemühungen für ein Ende des Krieges gibt, irritiert auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte europäische Verbündete mit einigen Aussagen. Das berichtet die „Financial Times“.
In einem Interview am Sonntag mit dem US-Sender CBS hatte Rutte über Trumps Entscheidung, den Iran anzugreifen, gesagt: „Er tut dies, um die ganze Welt sicherer zu machen.“ In Bezug auf die Forderung von Trump an die Nato-Verbündeten, sich einer Mission anzuschließen, um Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, fügte er hinzu: „Es ist nur logisch, dass die europäischen Länder ein paar Wochen brauchen, um sich abzustimmen.“
Und er betonte dabei: „Ich weiß nur, dass wir immer zusammenkommen.“
Verwunderung und Empörung in Brüssel
„Das bringt uns in eine wirklich heikle und unangenehme Lage“, zitiert die „Financial Times“ einen EU-Diplomaten. „Wir wollen unsere Bereitschaft zeigen, aber es ist auch wahr, dass wir nicht in der Lage sind, uns in irgendeiner Weise [in den Krieg] einzumischen.“ Drei europäische Diplomaten aus Nato-Mitgliedstaaten äußerten sich gegenüber der „FT“ besorgt über die Diskrepanz zwischen Ruttes Äußerungen und der Haltung der meisten europäischen Regierungen.
Ein französischer Diplomat reagierte mit Empörung auf das Interview und warf Rutte eine Überschreitung seines Mandats vor. „Unser Ständiger Vertreter bei der Nato in Brüssel soll ihn zum Schweigen bringen“, forderte Gérard Araud, ein früherer französischer Botschafter in den USA, auf X. Die Aussagen seien „unerträglich“.
Mehrere Länder wie Deutschland hatten zuvor bereits deutlich gemacht, dass sie einen längeren Iran-Krieg kritisch sehen. Die Europäer wollen sich trotz steigender Energiepreise vorerst nicht an einem möglichen Militäreinsatz zur Absicherung der Handelsschifffahrt durch die Straße von Hormus beteiligen. US-Präsident Donald Trump hatte die Nato-Partner daher als „Feiglinge“ beschimpft.
Am Donnerstag betonte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), dass Deutschland „nicht in diesen Krieg hineingezogen werden“ wolle. Die Bundesregierung sei bereit, nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand diesen zu schützen. Auch könne über eine Beteiligung Deutschlands an einem Einsatz zum Schutz der Schifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus gesprochen werden.
jm
Source: welt.de