Nahostkonflikt: Die Deutschen speichern offensichtlich weniger Urlaub

Die Reiselust scheint vielen Deutschen seit der Eskalation des Nahostkonflikts vergangen zu sein. In den ersten beiden Märzwochen habe das Neubuchungsaufkommen „sichtlich abgenommen“, teilte der Reisemarktforscher TDA mit. Für die zweite Märzwoche wird ein Rückgang im Geschäft um 16 Prozent gegenüber den Vergleichswerten aus dem Vorjahr genannt. Der Wert bezieht sich auf die Umsatzentwicklung. Die Zahl der Buchungen dürfte noch stärker gesunken sein. Denn höhere Kosten und eine Konzentration der Nachfrage auf Ziele, die weiter von der Konfliktregion entfernt sind, treiben die Reisepreise hoch.

TDA-Marktforscher Roland Gassner warnt vor einem längeren Dämpfer. Der Nahostkonflikt berge Risiken für das Urlaubsreisegeschäft. Und die hätten nicht nur mit direkten Konfliktfolgen in der Region und angrenzenden Reiseländern sowie mit Sicherheitsbedenken von Urlaubern zu tun. Vielmehr stiegen Urlaubspreise im Zuge gestiegener Energiepreise „aktuell teilweise markant an“, sagt er. „Hohe Urlaubspreise belasten die Nachfrage generell aber erst recht, wenn das verfügbare Budget der Haushalte angesichts steigender Kosten für Tanken und Energie ebenfalls schmilzt.“

Das Buchungsportal Holidaycheck hat die Teuerung für kurzfristige Urlaube insbesondere mit Blick auf die Osterferien untersucht. Für zuletzt gebuchte Pauschalreisen auf die spanische Insel Gran Canaria waren demnach im Durchschnitt 22 Prozent mehr zu zahlen gegenüber dem Vergleichswert, wenn die Buchung schon im Februar erfolgt wäre. Statt Last-Minute-Rabatten wirken Last-Minute-Aufschläge.

Urlauberströme verlagern sich

Für die portugiesische Algarveküste ergab sich ein Plus von 14 Prozent – ebenso für Djerba in Tunesien. Für Ostern auf Mallorca fiel die Teuerung mit acht Prozent vergleichsweise moderat aus. Eine Analyse für den Hochsommer liegt noch nicht vor. In der Spitze dürften sich durch den Wegfall von Frühbucherrabatten und durch gestiegene Flugkosten Pauschalreisen für Familien, die ihre Ferienpläne noch nicht abgeschlossen haben, aber um eine vierstellige Summe verteuern.

In den Preisveränderungen schlägt sich eine Verlagerung der Urlauberströme nieder. Kunden weichen auf weiter westlich gelegene Destinationen aus. Unmittelbar nach Kriegsausbruch waren die Buchungen insgesamt gesunken, für spanische Inseln jedoch sprunghaft gestiegen. Preisaufschläge dämpfen dem Vernehmen nach nun die Wachstumsraten.

Für östlichere Ziele ist hingegen die Nachfrage gesunken – insbesondere für die Türkei und für Ägypten. Holidaycheck stellte auch für die Osterferien auf den griechischen Inseln Kreta und Kos einen Preisrückgang fest. Auf Zypern hat die Regierung derweil ein staatliches Hilfspaket für Hotels angekündigt. Betriebe hatten zuvor erwogen, wegen niedrigerer Buchungszahlen den Saisonauftakt zu verschieben und Häuser länger geschlossen zu halten. Anfang März hatte eine iranische Drohne die Insel erreicht, der Lufthansa-Konzern und weitere Airlines hatten kurzzeitig Verbindungen nach Zypern ausgesetzt.

„Spürbare“ Auswirkungen nicht erst im Sommer

Als sich die Urlaubsbranche Anfang März auf der Reisemesse ITB in Berlin traf, waren Reisemanager noch zuversichtlich. Der gerade ausgebrochene Krieg bestimmte zwar schon die Tagesschlagzeilen, doch die Unternehmen konnten auf ein zuvor gewachsenes Geschäft verweisen. In den Monaten Dezember und Februar waren bei Neubuchungen die Vorjahresumsätze deutlich übertroffen worden, auch der Januar war solide verlaufen. In Summe wurde mit den Buchungen von Kunden aus Deutschland der Umsatzvergleichswert aus dem Vorjahr um sieben Prozent übertroffen.

Nun droht nicht nur ein Dämpfer für den Sommer, schon das Wintergeschäft, zu dem in der Branchenstatistik auch noch die Osterferien zählen, könnte mit Läsuren enden. Ende Februar hatten die Winterumsätze – auch ohne Kurzentschlossene zu Ostern – mit 98 Prozent fast das Vorjahresniveau erreicht.

Mehr als ein Drittel aller gebuchten Winterreisen hatte aber noch nicht begonnen. Die Reisen in die Golfregion fallen wegen Reisewarnungen nun aus, wegen weggefallener Flüge findet auch nicht mehr jede Asien-Fernreise statt. „Mit dem erwartbaren Stornoaufkommen insbesondere für die Golfregion und gleichzeitig aktuell beobachtbaren Rückgängen beim Neubuchungsaufkommen ist damit zu rechnen, dass sich der Nahostkonflikt auf das Endergebnis der diesjährigen Wintersaison spürbar auswirken wird“, heißt es von TDA.

Leichtere Stornomöglichkeiten sollen Geschäft antreiben

Reiseanbieter reagieren derweil auf den Nachfrageeinbruch. Sie wollen Kunden mit gelockerten Stornoregeln zum Buchen bewegen. Üblicherweise dürfen Urlauber nur bei Reisewarnungen oder schweren Störungen, die einen Urlaub am Ziel nahezu unmöglich machen, kostenfrei stornieren. Eine Rücktrittsversicherung springt bei Sorgen und Ängsten nicht ein, sondern nur beispielsweise bei Krankheit. Im Fall einer Stornierung 15 Tage vor Anreise erstatten Reiseanbieter oft weniger als die Hälfte des Reisepreises.

Der Anbieter Alltours gewährt nun bis zum 15. April für alle neuen Sommer-Pauschalreisebuchungen eine sogenannte Flex-Option gratis. Buchungen für Reisen bis zum 31. Oktober können damit „ohne Angabe von Gründen“ und „gebührenfrei“ umgebucht oder storniert werden, sofern der Kunde dies spätestens 15 Tage vor dem Reisetermin mitteilt. Dertour wirbt im April mit Stornorechten bis zehn Tage vor Reisebeginn, allerdings nur für Griechenland, die Türkei und Zypern.

Der Reisekonzern TUI bietet seine Flex-Option zum halbierten Preis, ab 29 Euro, an, räumt dann aber kostenfreie Stornierungen auch schon für den kommenden Winter und für Ostern 2027 ein. Zubuch-Optionen, die ein spätereres kostenfreies Stornieren gestatten, hatten Reiseanbieter in der Corona-Pandemie eingeführt. Der Anteil der Kunden, der das Stornorecht nutzte, blieb damals gering, zu steigenden Buchungszahlen führten die Optionen aber. Aktuell ist offen, ob sich dies wiederholt.

ÄgyptenAirlinesAsienBerlinBetriebeBuchungenbudgetcoronaCorona-PandemieDertourDeutschlandEndeEnergieEnergiepreiseEuroFamilienFielGran CanariaGriechenlandHäuserHaushalteHotelsInselInselnITBKostenKretaKriegKriegsausbruchLufthansaMallorcaOsternPauschalreisenRechtRegierungReisenReisewarnungenRolandSommerTeuerungTUITunesienTürkeiUnternehmenUrlaubWinterZypern