Unser Autor war Mitglied bei den Jungdemokraten/Junge Linke. Auch dieser Verband zerbrach an der Palästina-Frage, selbst wenn noch nicht die Rede von einem „real existierenden Zionismus“ war
Benjamin Hoff (Linke) war zehn Jahre lang Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten in Thüringen
Foto: Frank Gaeth/Imago Images
Bevor wir zum „real existierenden Zionismus“ der Linkspartei in Niedersachsen kommen, ein Gedanke vorweg: Der Israel-Palästina-Konflikt ist der Dauerlutscher unter allen Krisenherden. Auch deshalb, weil keine der beiden Seiten zu hundert Prozent recht oder eben unrecht hat. Den Frieden in dieser Region werden wir nicht erleben.
Ich hatte dieses Thema erfolgreich verdrängt. Der Nahe Osten war für mich Brandenburg. Und jetzt das! Liebe Genossis, an dieser Frage haben sich Linke schon vor Jahrzehnten aufgerieben. Und ich weiß, wovon ich rede – als ehemaliges Mitglied bei Jungdemokraten/Junge Linke
. Die waren früher mal die FDP-Jugend. Als Kohl dann aber 1982 mit Hilfe der Liberalen Kanzler wurde, spalteten sich die Judos von der Mutterpartei ab.
Nur Wolfgang Kubicki fehlte
Irgendwann kam die Marxistische Jugendvereinigung Junge Linke hinzu, daher der komplizierte Name. Vor Jahren beim Treffen der „Oldies“ habe ich gestaunt, wer so alles dazugehörte: beinahe das halbe Kabinett Ramelow – Benjamin Hoff, Minister für Kultur etc. und sein Staatssekretär Malte Krückels; die Thüringer Sozialministerin Heike Werner ließ sich entschuldigen –, Claudia Roth von den Grünen war zugegen, ebenso Günter Verheugen von der SPD, ehedem EU-Kommissar. Nur Wolfgang Kubicki fehlte.
An diesem Abend jedenfalls haben sich manche daran erinnert, als der Verband mit seinen rund 12.000 Mitgliedern Ende der Neunziger im Verfassungsschutzbericht auftauchte. Uns wurden „militante Störungen“ bei Bundeswehr-Gelöbnissen vorgeworfen. Jungdemokraten beiderlei Geschlechts waren (mehr oder weniger nackt) über den Appellplatz getanzt. Kurzum: Wir hatten eine schöne Zeit, wäre da nicht diese unsägliche Israel-Palästina-Debatte gewesen…
Mich würde interessieren, ob in Nahost irgendwer mitbekommt, dass sich die Linke in Deutschland zelegt
Wenn ich mit Freunden von damals spreche, kann sich niemand den Hass erklären, der unter uns freigesetzt wurde. Meine Strömung ging mit Israelfahnen auf Demos, manche auch ins Stadion von Tennis Borussia, während sich die anderen mit der PLO solidarisch erklärten. Wobei aber niemand auf die Idee kam, Zionismus mit Kolonialismus gleichzusetzen.
Irgendwann jedenfalls sollten sich meine Leute absetzen und die Naturfreundejugend unterwandern, wo sie dann später unter anderem Flyer an Schüler verteilten, mit der Aufforderung, den Deutschunterricht zu schwänzen. Und die Judos bzw. JD/JL? Mich würde mal interessieren, ob die Menschen in Israel oder in Gaza/Westjordanland überhaupt mitbekommen haben, dass sich ihretwegen in Deutschland ein linker Jugendverband komplett zerlegt hat. Jungdemokraten/Junge Linke sind heute Geschichte. Grüße nach Hannover.