Wenn man sich in den vergangenen Tagen in den Büros von Porsche in Stuttgart umgehört hat, wie der neue Chef denn aufgetreten ist, dann hat sich schnell ein Bild ergeben. Freundlich im Ton, hart in der Sache, einer der nachbohrt, jedes Detail wissen will, die richtigen Fragen stellt. „Er ist kein Buddie, der Schuschuh macht“, so eine Einschätzung.
Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Sportwagenherstellers hat Michael Leiters eben diesen Eindruck bestätigt – und außergewöhnlich offene Worte gewählt. Angesichts der Krise, in der das Unternehme stecke, „haben wir uns nichts weniger vorgenommen, als Porsche umfassend neu aufzustellen“, sagte der 54 Jahre alte Manager, der den Posten im Januar von Oliver Blume übernommen hat.Blumen hatte bis dahin Porsche und Volkswagen in Personalunion geführt und leitet nun nur noch den Wolfsburger Konzern. „Die Größe der Herausforderung wird uns bewusst, wenn wir auf die finanzielle Entwicklung unseres Unternehmens schauen“, sagte Leiters bei der virtuellen Bilanzpressekonferenz am Mittwoch.
Gewinn sinkt 2025 um mehr als 90 Prozent
Der operative Gewinn (Ebit) sank im vergangenen Jahr um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro. Nur mit dem Verkauf von Autos – also ohne Finanzdienstleistungen – hat Porsche sogar nur 90 Millionen Euro verdient. Der Umsatz ging um 9,5 Prozent auf nun 36,3 Milliarden Euro zurück, was einer operativen Umsatzrendite von 1,1 Prozent (Vorjahr 14,1 Prozent) entspricht. Der Absatz sank im Jahr 2025 um 10,1 Prozent auf 279.449 Autos.
Gründe für das schlechte Ergebnis sind der schlechte Absatz in China sowie die US-Zölle. Hinzu kommen die teure Neuausrichtung der Modellpalette, nachdem Porsche den Hochlauf der Elektromobilität falsch eingeschätzt und im September verkündet hatte, wieder verstärkt auf Autos mit Verbrenner zu setzen sowie Aufwendungen für ein erstes Sparpaket und die Kosten für die Aufgabe einer eigenen Batteriezellfertigung in Kirchentellinsfurt bei Tübingen.
Leiters: Bisherige Sparprogramme reichen nicht aus
In Reaktion auf die verheerenden Zahlen, die wohl kaum weiter entfernt sein könnten von dem einst unter Vorgänger Blume ausgegebenem Renditeziel von 20 Prozent, kündigte der neue Porsche-Chef eine „harte Kostenarbeit“ an. „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, die wir zur Verfügung haben“, sagte Leiters und nannte Personal- und Materialkosten genauso wie Investitionen und Nachverhandlungen mit Lieferanten. Vor allem jedoch sei die Porsche-Verwaltung in nicht zur Produktion gehörenden Bereichen überproportional im Vergleich zur Entwicklung des Geschäfts gewachsen. „Wir werden unsere Führungsstruktur verschlanken, Hierarchien abbauen und die Bürokratie reduzieren“, sagte Leiters. „Die bisher geplante Verschlankung des Unternehmens reicht nicht aus.“ Wie viele Stellen Porsche abbauen will, sagte Leiters nicht. Dazu sei es zu früh, zudem müsse er die Gespräche mit dem Betriebsrat abwarten. Eine Standortsicherung schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 aus.
Vor einem Jahr hatte Porsche eine erste Sparrunde bekannt gegeben und angekündigt, die Kostenstrukturen auf eine Jahresproduktion von nur noch 250.000 Autos auszurichten und bis 2029 rund 15 Prozent der Arbeitsplätze am Stammsitz in Zuffenhausen und am Entwicklungszentrum in Weissach abzubauen – das waren vor Jahresfrist rund 3900 Stellen. Insgesamt ging die Zahl der Beschäftigten von Porsche in Deutschland 2025 um rund 1000 auf 35.743 zurück.
Zu den Entscheidungen seines Vorgängers und zu dem zweiten Sparpaket, das Oliver Blume eigentlich noch vor der Übergabe an seinen Nachfolger hatte aushandeln wollen, äußerte sich Leiters nicht. „Die Situation ist sehr schwierig und die Lage volatil. Klar ist, dass wir die schon getroffenen Maßnahmen verschärfen und durch weitere ergänzen müssen“, erklärte Leiters.
„Kostendisziplin ist Hygienefaktor für Unternehmen“
Auch als Leiters nach seinen Erfolgsprinzipien gefragt wurde, verwies er auf das Thema der Kostendisziplin. Neben Kundenfokus und Teamfähigkeit richte er das Hauptaugenmerk auf die Effizienz. „Das ist ein Hygienefaktor für Unternehmen.“ Eine Erfahrung, die Leiters auf seine erste Zeit bei Porsche zurückführte. „Hier habe ich gelernt, wie man eine Manufakturproduktion auf Effizienz trimmt. wie Prozesse optimiert werden, die zu mehr Profitabilität führen“, sagte Leiters, der von 2000 bis 2013 bei Porsche unter anderem die Modelle Macan und Cayenne verantwortete, bevor es ihn als Technikchef zu Ferrari und dann als CEO zum Sportwagenhersteller McLaren zog.
Neben der Verschärfung der Sparanstrengungen hat Leiters am Mittwoch die umfassende Überprüfung der Modellpalette des Sportwagenherstellers angekündigt. „Wir werden unser Angebot einerseits straffen und Varianten reduzieren und andererseits ausweiten, um in wichtigen Segmenten zu wachsen“, erläuterte Leiters. Dazu gehöre eine Anpassung der Zahl der vollelektrischen Fahrzeuge und längere Laufzeiten von Autos mit Verbrennungsmotor. „Wir tun das, weil wir technologieoffen sind und nicht nur der Regulatorik folgen können, sondern vor allem Kundenwünsche erfüllen müssen.“
Die Einzelheiten zu den neuen Modellen will Leiters im Spätsommer vorstellen. Klar ist, dass es den Macan wieder als Verbrenner geben wird neben einem Sieben-Sitzer-SUV, angesiedelt oberhalb des Cayenne. Außerdem könnte Porsche eine Neuauflage des Modells 918 Spyder entwickeln. Noch unbeantwortet ist zudem die Frage, mit welchen Autos Leiters künftig in China erfolgreich sein will. Auch das werde sich erst in den nächsten Monaten entscheiden. Klar sei nur, dass Porsche den Markt nicht aufgebe, mit weniger Absatz kalkuliere, die Zahl der Händler reduziere, die Preise aber stabil halten wolle, um die Restwerte der Autos als Geschäftsbasis nicht zu gefährden.
Für das laufende Jahr erwartet Porsche Erlöse zwischen 35 und 36 Milliarden Euro. Der Absatz könnte aber weiter sinken, die Umsatzrendite auf 5,5 bis 7,5 Prozent steigen. „Ich habe keine Zweifel daran, dass es uns gelingen wird, Porsche zu alter Stärke zurückzuführen“, sagte Leiters. „Aber das geschieht nicht über Nacht. Es braucht Zeit.“