Großbritanniens Premier Starmer ist unter Druck. Das ganze Land blickt auf eine regionale Nachwahl: Dort liegt seine Labour-Partei in den Umfragen gleichauf mit den Rechtspopulisten von Reform UK und den Grünen.
In Großbritannien hängen derzeit in vielen Ortschaften England-Fahnen. Es soll ein Signal sein unter der Überschrift: Ich will mein Land wiederhaben. Gegen die Asylpolitik der Regierung, gegen die Regierung in Westminster. Es sind eher die, die rechte Parteien wählen, die diese Fahnen aufhängen.
Hannah Spencer ganz bestimmt nicht. Sie ist Kandidatin der Grünen in Gorton und Denton, einem Wahlkreis bei Manchester, wo ein neue Abgeordnete oder ein neuer Abgeordneter für das Unterhaus bestimmt werden muss.
In einem Social-Media-Post steht sie unter den Fahnen und ruft denen, die diese aufgehängt haben, zu: „Wenn ihr eure Zeit und euer Werkzeug einsetzt, um diese Fahnen aufzuhängen, weil ihr euer Land zurückhaben möchtet, dann kommt doch mit uns dorthin, wo ihr euch wirklich für euer Land einsetzen könnt: Werdet Freiwillige in der Nachbarschaftshilfe, helft das Kunstzentrum zu reparieren, engagiert euch in der Gartengruppe.“
Politische Landschaft wie im Brennglas
Mit diesem Ton ist Spencer gerade ziemlich erfolgreich. Die 34-jährige Klempnerin könnte den Sitz sogar gewinnen. In den Umfragen liegen Labour, Reform UK und die Grünen nah beieinander. Deswegen ist diese Nachwahl so spannend. Wie im Brennglas wird hier gerade die politische Landschaft im Vereinigten Königreich abgebildet. Labour ist massiv unter Druck, Reform UK in den Umfragen vorn, aber eben auch die Grünen sind ungewöhnlich stark.
Der Parteivorsitzende Zack Polanski setzt auch schon mal auf eine ungewohnt scharfe Rhetorik, um sich gegen den Rechtsausleger der Politik, Reform UK, zu positionieren. Während Labour abstürzt, können vor allem die Parteien an den Rändern gewinnen, Reform UK und die Grünen.
Starmer sieht Reform UK als wichtigsten Gegner
Premier Keir Starmer sieht vor allem Reform UK als den wichtigsten Gegner: „In dieser Nachwahl geht es um grundsätzliche Werte: Einheit über Polarisierung, Menschen zusammen zu bringen, statt zu spalten.“
Das würden so auch zahlreiche Grünen-Wähler unterschreiben, die sind aber mehrheitlich enttäuscht von Starmer, der aus Sicht vieler längst keine linke Politik mehr macht. So verteilen sich die Stimmen der Linken auf mindestens diese beiden Parteien, während Reform UK rechts der Mitte die Stimmen abschöpfen kann.
Die konservativen Tories sind keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr. Das gilt in Gorton und Denton aber auch in vielen anderen Teilen Großbritanniens.
Reform UK denkt in größeren Dimensionen
Die Parteiführung von Reform UK denkt längst in größeren Dimensionen. Deren Parteichef Nigel Farage hat in der vergangenen Woche ein Schattenkabinett präsentiert. „In den Umfragen führen wir mit neun bis zehn Prozentpunkten. Im Land sind wir die Stimme der Opposition.“
Die nächsten regulären Parlamentswahlen finden zwar erst im Jahr 2029 statt – aber im Moment sieht es so aus, als könnte die Labour-Partei Starmer als Premier im Mai ablösen. Also wenn die Partei in den Regionalwahlen dann massiv verliert sollte – wonach es gerade aussieht. Wenn Labour nun Gorton und Denton verliert, wäre das eine weitere Niederlage für Starmer.
Source: tagesschau.de