Nachlassplanung: Frankfurter sehen Erben eigentlich ohne schmückendes Beiwerk

Das Thema Erben und Vererben ist allgegenwärtig und betrifft fast jeden. Die damit verbundenen Emotionen, Unwägbarkeiten oder Umstände einmal außen vor gelassen, geht es bisweilen um hohe Summen und Werte, über die sich so mancher Erbe freut. Laut Statistischem Bundesamt wurde im Jahr 2024 in Deutschland durch Erbschaften und Schenkungen übertragenes Vermögen in Höhe von 113,2 Milliarden Euro veranlagt.

Die festgesetzten Steuern beliefen sich auf den Rekord von 13,3 Milliarden Euro (Erbschaften: 8,5 Milliarden Euro, Schenkungen: 4,8 Milliarden Euro) – ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber 2023. Die tatsächlich vererbte Summe hingegen wird von Ökonomen sogar auf rund 400 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Beim Thema Erben am liebsten dürfte vielen Menschen vermutlich die oder der große Unbekannte sein, etwa eine weit entfernte Verwandte mit dem unvermutet großen Nachlass, die man im Zweifel so erst kennenlernt. Ansonsten bleibt eine mögliche Freude wohl meist eher getrübt. Im Umgang mit diesen Themen unterscheiden sich nicht nur – wie zu erwarten – Frauen und Männer voneinander. Auch regional gehen die Bundesbürger offenbar unterschiedlich damit um.

Dies ergibt jedenfalls eine Umfrage der Quirin Privatbank. Puls Marktforschung hat hierfür 2668 Deutsche, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland, befragt. Während demnach bei weniger als 50 Prozent der befragten Frauen das Thema Erben Traurigkeit auslöst, sagen dies 38 Prozent der Männer über sich. Angst vor dem Tod entsteht bei 33 Prozent der weiblichen Befragten und 22 Prozent der männlichen.

Frankfurter und Münchner sehen auch das Positive

Nach allgemeiner Ansicht unterscheiden sich Menschen verschiedener Regionen typischerweise nach Mentalität, Lebensart oder lokalen Traditionen. Mit zunehmender Größe einer Stadt sollte diese aber immer mehr zu einem Schmelztiegel werden. Dennoch zeigen sich laut der Umfrage deutliche Unterschiede zu und zwischen den Stadtbewohnern, wenn es um Erbschaften geht.

Unter den fünf größten deutschen Metropolen etwa haben Münchner (54 Prozent) und Frankfurter (44 Prozent) positivere Assoziationen zum Thema Erben und Vererben als der Bundesdurchschnitt (21 Prozent). Dass es sich um Tabuthemen handle, sagten 29 Prozent aller Befragten. In der oft nüchtern wirkenden Finanzmetropole Frankfurt äußerten das nur 15 Prozent. Im Falle einer Erbschaft ist die Freude unter Einwohnern der fünf untersuchten Städte in München (58 Prozent) und Frankfurt (48 Prozent) am höchsten.

In Köln oder Hamburg steht dagegen eher die Traurigkeit im Vordergrund. Ein weiteres Ergebnis: Münchner und Frankfurter kennen sich in Sachen Erben und Vererben am besten aus – Berliner am wenigsten. Dennoch hat etwa gut die Hälfte der befragten Frankfurter kein eigenes Testament, in München sind es drei Viertel.

„In Frankfurt stammt das Vermögen bei den meisten Menschen aus eigener Arbeit“, sagt Daniela Mehner, Niederlassungsleiterin der Quirin Privatbank in Frankfurt: „Umso wichtiger ist es, die durchdachte Weitergabe dieses hart erarbeiteten Geldes frühzeitig und professionell zu planen.“ Viele verteilten ihr Vermögen im Testament zudem nach dem aktuellen Stand, doch entscheidend sei, auch die voraussichtliche Höhe zum Zeitpunkt des Ablebens einzubeziehen.

Je größer das Erbe, desto wichtiger wird es vielen

Wenn es um das Vererben geht, schätzen viele Befragte vor allem die Gewissheit, für Nachkommen zu sorgen, und empfinden zudem Dankbarkeit, etwas vererben zu können. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer findet es insofern wichtig, sich mit dem Thema Vererben zu beschäftigen, über das Erben sagt dies nur ein gutes Drittel.

Mit den Summen steigt die gefühlte Wichtigkeit. Ein gewisses Alter oder eine schwere Krankheit seien oft Auslöser, sich Gedanken zu machen, sagt die Quirin Privatbank. Wichtig sei häufig der Wunsch, den eigenen Willen umzusetzen oder Konflikte zu vermeiden. Dennoch finden es mehr als zwei Drittel richtig, manchmal auch zu enterben, obwohl sich 85 Prozent dessen bewusst sind, dass dies Konflikte in der Familie auslösen kann. Jeder Zweite kennt Fälle, in denen es wegen des Erbes zu Zerwürfnissen gekommen ist.

Source: faz.net