Nachhaltig konstruieren: So unterschiedlich sehen grüne Eigenheime aus

Einfamilienhäuser haben einen schlechten Ruf, jedenfalls, wenn es um den Klimaschutz geht. Schließlich leben in ihnen auf viel Platz meist verhältnismäßig wenige Menschen. Das bedarf nicht nur einiger Energie, sondern auch versiegelter Fläche. Ein echter Klimakiller also? Bleibt am Ende nur das Mehrfamilienhaus als nachhaltige Alternative?

Nicht zwangsläufig. Weltweit arbeiten Architekten an klimafreundlichen Gebäuden und rücken dabei ausgerechnet das Einfamilienhaus wieder in den Vordergrund. Hier können sie flexibler planen als bei Großprojekten und haben mehr Möglichkeiten, Häuser zu bauen, die sich ihrer Umgebung anpassen. Wie das konkret aussehen kann, zeigt Philip Jodidio an 63 verschiedenen Beispielen in seinem Band aus der Reihe „Homes for Our Time“. Dabei ist es längst nicht immer das Einfamilienhaus im klassischen Sinne. Sondern alles, von der Cabin bis hin zur Villa – Hauptsache, nachhaltig.

Das „Floating Bamboo House“ in Hanoi, VietnamTASCHEN / Lê Minh Hoàng

Da ist zum Beispiel das schwimmende Haus des Architekten Doan Thanh Ha in Hanoi. Das „Floating Bamboo House“ besteht aus massivem Bambus und ist zusätzlich mit geflochtenen Bambusmatten, Blättern und Wellblech bedeckt. Es schwimmt auf fest verankerten Plastikfässern, mitten im Mekong-Delta, einer Region, die durch den Anstieg des Meeresspiegels zu versinken droht. Bis zu 30 Millionen Menschen wären davon betroffen. Der Architekt will deshalb schwimmende Gemeinschaften entwerfen und seine Häuser mit Spielplatz- und Gemüseanbauflößen ergänzen.

Wetterfest soll auch dieser Prototyp des Studios Koto sein: Auf einem 4,5 Hektar großen Grundstück auf der schottischen Insel North Uist entwickelten Architekten ein Haus, das aus sieben Modulen besteht. Besonders wichtig war in diesem Fall nicht nur eine energieeffiziente Dämmung, sondern auch die Stabilität. So kann das Haus trotz minimalistischer Anmutung den extremen Winden standhalten, die über die Insel hinwegfegten. Die verkohlte Holzverkleidung fügt sich nicht nur optisch gut in die Umgebung ein, sondern verspricht zudem besondere Langlebigkeit.

„Toquilla Houses“ auf der Insel Portete in EcuadorTASCHEN / JAG studio

Ein anderes Projekt in Ecuador entstand infolge einer Naturkatastrophe. Die Architekten von Rama Estudio entwarfen strohgedeckte Häuser auf der Insel Portete, die 2016 von einem Erdbeben erschüttert wurde. Damals mussten alle ansässigen Familien auf das Festland umsiedeln. Die Häuser sollen ihnen ein neues, besser geschütztes Zuhause in ihrer alten Heimat bieten. Sie stehen auf Stelzen, um Wasser fernzuhalten. Nachts können sie mit einer Trennwand aus Palmholz verschlossen werden, die zugleich Feuchtigkeit abhält. In den Fenstern findet sich kein Glas. Es wurden Moskitonetze eingebaut.

Villa mit Blick auf das das Napa Valley in KalifornienTASCHEN / Matthew Millman

Doch nicht alle Häuser in diesem Bildband sind einfach gehalten. Mit dabei sind auch luxuriöse Villen, die nicht direkt nachhaltig anmuten. So zum Beispiel das vier Hektar große Anwesen des Studios Aidlin Darling, in dem eine dreiköpfige Familie in Napa, Kalifornien, lebt – inklusive Poolhaus. Interessant ist insbesondere das Dach, das aus Stehfalzmetall gefertigt wurde und so den Funkenflug, etwa bei Waldbränden, abhalten soll.

Das „Rambla Climate House“ im spanischen Murcia bewässert seine UmgebungTASCHEN / Jose Hevia

Dass es auch komfortabel und nachhaltig geht, zeigt Architekt Andrés Jaque mit seinem Rambla Climate House im spanischen Murcia, einer besonders trockenen Gegend. Von oben sieht das Haus aus wie ein kleines Stadion. Statt einer Tribüne gibt es hier allerdings eine überdachte Wohnfläche, und anstelle eines Fußballfeldes breitet sich inmitten dieser Ellipse ein wilder Garten aus. In ihm leben heimische Arten auf, die längst als verschwunden galten. Das ist möglich, weil das Haus auf Stelzen über einer kleinen Bucht steht. Der Boden darunter wird mit Regen- und Grauwasser bewässert und kann wieder verwildern. Eine echte Oase.

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