Nachfrage nachher E-Autos steigt – Hoher Benzinpreis bringt Deutsche zum Umdenken

Durch den Iran-Krieg sind die Spritpreise auf deutlich über zwei Euro gestiegen. Eine neue Umfrage zeigt, dass mehr Deutsche über einen Wechsel nachdenken. Auch das Interesse an elektrischen Gebrauchtwagen und E-Mietwagen wächst.

Die hohen Spritpreise treiben das Interesse der deutschen Autofahrer an Elektroautos – allerdings in Maßen. 36 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Gebrauchtwagenportals Mobile.de würden wegen hoher Kraftstoffpreise über den Kauf eines Elektroautos nachdenken, wenn dieser anstünde.

Allerdings käme ein Wechsel vom Verbrenner für 32 Prozent selbst dann nicht infrage, wenn der Preis pro Liter über 2,50 Euro steigen würde. Nur drei Prozent fahren bereits ein Elektroauto, 14 Prozent haben kein Auto und wollen daran nichts ändern. Der Rest ist unschlüssig.

Der Iran-Krieg hat die Benzin- und Dieselpreise deutlich auf mehr als zwei Euro pro Liter ansteigen lassen. Die Autohersteller berichten bislang, es sei noch zu früh, um Änderungen an der Nachfrage nach Elektroautos zu beobachten. Ohnehin dürften im März die Verkäufe angestiegen sein, weil die Bundesregierung eine Kaufprämie beschlossen hat.

Die Gebrauchtwagen-Plattformen spüren bei den Suchanfragen ein steigendes Interesse an Elektroautos. „Im Vergleich zum Vormonat wächst die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos im März um 39 Prozent. Gleichzeitig sinkt das Interesse an klassischen Antrieben: Die Nachfrage nach gebrauchten Dieselfahrzeugen geht um 16 Prozent zurück, bei Benzinern um zehn Prozent“, meldet Autoscout 24. Der Angebotspreis für gebrauchte Elektroautos sei im März leicht um zwei Prozent auf 33.800 Euro gestiegen.

Auch bei Mobile.de hat sich der Suchanteil von Elektroautos in der ersten Monatshälfte sogar verdreifacht – auf 36 Prozent. Die Autohändler hätten über das System zwei Drittel mehr Anfragen zu gebrauchten Elektroautos erhalten, meldet das Unternehmen.

Lesen Sie auch

Bislang galt der Markt für gebrauchte Elektroautos als schwierig, da die Nachfrage im Vergleich zum Angebot gering ist. Viele gebrauchte Dienstwagen kommen auf den Markt, da die steuerliche Förderung elektrische Firmenwagen begünstigt. Allerdings sind diese Autos meist hochpreisig und treffen daher die Wünsche vieler Gebrauchtwagenkäufer nicht. Zudem ist der technische Fortschritt bei E-Autos größer als bei Verbrennern, sodass elektrische Gebrauchte im Vergleich zu Neuwagen schneller veraltet wirken – etwa bei der Reichweite und Ladegeschwindigkeit.

Lesen Sie auch

Elektroautos sind vor allem dann im Unterhalt günstig, wenn Hausbesitzer sie an der eigenen Solaranlage laden können. Auch sonst kommen Elektroautofahrer bei den Tarifen derzeit günstiger weg. Bei einem angenommenen Tarif von 31 Cent pro Kilowattstunde an der heimischen Wallbox zahlen sie bei 18 Kilowattstunden Verbrauch auf 100 Kilometern 5,58 Euro, bei Ladepreisen von 54 Cent an der öffentlichen Station sind es 9,72 Euro.

Dagegen sind es bei E10-Benzin typischerweise 14,84 Euro (bei einem Preis von 2,12 Euro pro Liter und einem Verbrauch von sieben Litern). Dieselfahrer zahlen 11,28 Euro pro 100 Kilometer (bei 2,05 Euro je Liter und 5,5 Litern Verbrauch).

Lesen Sie auch

Auch bei Mietwagen werden Elektromodelle wegen dieser Unterschiede beliebter. „Wir beobachten langfristig eine steigende Sensibilität für Verbrauchs- und Energiekosten sowie eine wachsende Offenheit unserer Kunden gegenüber Elektrofahrzeugen“, sagte eine Europcar-Sprecherin auf Anfrage. Die Benzinpreise wirkten als zusätzlicher Impuls, E-Mobilität im Mietauto zu testen.

Die Mietwagenunternehmen wehren sich derzeit gegen Pläne der EU, großen Unternehmen ab 2030 vorzuschreiben, nur noch E-Autos neu in ihre Flotten aufzunehmen. Die Mietwagenfirmen fürchten, dann Kundenwünsche nach Verbrennern nicht mehr erfüllen zu können.

Laut der Mobile.de-Umfrage liegt das höchste Interesse an Elektroautos bei 35- bis 44-Jährigen. 30 Prozent von ihnen würden ein reines Elektroauto kaufen, wenn sie jetzt ein Auto kaufen würden. Bei 18- bis 34-Jährigen sind es nur 24 Prozent, bei über 55-Jährigen sogar nur jeder Fünfte. Vor allem Frauen sind skeptisch: Nur 18 Prozent würden ein reines E-Auto kaufen. Männer sind experimentierfreudiger bei der neuen Technik. Bei ihnen sind es 28 Prozent.

Ähnlich beliebt wie Batterieautos sind Hybride: 24 Prozent aller Befragten würden sich für diese Mischform aus Verbrenner und E-Auto entscheiden. Damit wäre knapp die Hälfte der Befragten offen für einen Umstieg auf ein zumindest teilweise elektrisches Auto. Am Benziner halten 31 Prozent der Befragten fest, sieben Prozent am Diesel. Drei Prozent würden auf Autogas oder Wasserstoff setzen.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.

Source: welt.de

AutoindustrieElektroautosElektromobile (ks)Kapalschinski-ChristophKC_Makro